Feedabwüssern
AllerleiBau-Lexikon 1881

abwüssern, 1. frz. détremper, lotionner, laver, engl. to water, to soak, to stéep, einen Körper in das Wasser legen und eine Zeit lang darin lassen, um gewisse Stoffe herauszuziehen und dadurch den Körper geeigneter zu der beabsichtigten Verwendung zu machen. — 2. frz. Axainer, engl. to drain, to rid of water, irgendeine fast wägerechte Fläche, z. Bueine Wiese, Feld, Garten, Gartengang u. s.w., theils durch Abdachung des Terrains, theils durch Abzugsgräben u. s. w., von den schädlichen oder überflüssigen Wassern befreien; beim Straßenbau, Brückenbau, Eisenbahnbau muß man das Längen- und Querprofil so gestalten, daß das Regenwasser etc. möglichst schnell nach bestimmten Punkten sich hinzieht, von denen aus eine weitere Ableitung stattfindet. In der Regel dient hierzu eine Wölbung des Querprofils, an Steigungen in Verbindung mit Abschlägen (s. d. Art. Abschlag). Die Wölbung muß bei zunehmender Längensteigung zu Verhinderung des Gleitens der Fuhrwerke schwächer werden. Bei sehr steilen Straßen kommt daher bisweilen die Wölbung ganz in Wegfall, so daß die Abwässerung nur durch die Abschläge geschieht. Vergl. auch d. Art. Pultstraße. — 3. frz. tailler obliquement, engl. to weéather (Hochbau), die obere Fläche eines Gurtsimses, einer Fenstersohlbank od. sonst eines dem Wetter ausgesetzten Bautheiles so gestalten, daß kein Wasser darauf stehen bleibe, sondern vom Gebäude abwärts ablaufe. — 4.(Zimm.) ein im Freien liegendes Holz, z. B. den Sturz einer Gartenthür, die Hölzer einer Laube, vorstehende Balkenköpfe u. s. w., nach der Länge oder Breite so abschrägen, daß das Wasser ablaufe. Vergl. auch d. Art. abdachen. — 5. (Kriegs-) Laufgräben, eingeschnittene Schanzen u. Batterien wässert man ab, indem man den Sohlen Fall nach rückwärts (meist 1: 12) giebt. Das sich sammelnde Wasser leitet man durch Gräbchen in Senkgruben. Minengalerien wässert man ab, indem man Sickerschächte von der Galeriesohle abteuft u. überdeckt. EE. Abwässerung, f. 1. frz. lotion, engl. watering. Handlung des Abwässerns 1.— 2. frz. Arainage, m.,engl.drain-Gesimses re., frz. glacis, m. d'uve moulure ete., engl. wäeathering, schräge Oberfläche für den Ablauf des Wassers. Im südlichen Klima ist keine so steile A. nöthig als im Norden, wo man sie immer so steil machen sollte, daß auch der darauf fallende Schnee nicht liegen bleibt, weil sie dann zugleich das Abfrieren des Putzes u. s. w. verhindert. Diese Aufgabe ist in den Gliederungen des gothischen Stils sehr gut gelöst, wo die A. gewöhnlich 60, selten unter 45e von der Horizontallinie abweicht. Es ist darin und in den aus demselben Prinzip hervorgegangenen steilen Dächern der Hauptgrund der guten Konservirung mittelalterlicher Gebäude zu suchen. Die Verpflanzung des griechischen Stils und der römischen und italienischen Zweigstile desselben in unser Klima hat die wägerechte Gestaltung der Fensteröffnungen, der Verdachungen und in Harmonie damit die flachen Abwässerungen sämtlichen Simswerks sowie die niedrigen Dächer mit sich gebracht und dadurch den Uebelstand erzeugt, daß sich an den meisten in diesen Stilen ausgeführten neuen Gebäuden sehr schnell schmutzige und sogar schadhafte Stellen in der Nähe solcher Theile bilden. Man hat zwar allerlei künstliche Mittel, z. B. Zinkbedeckung, Asphaltu. Cementputzetc., angewendet, um diesen Uebelständen zu begegnen. Alles dies kann wohl zu ihrer Verminderung, nicht aberzu ihrer Vertilgung beitragen. Am besten haben die Architekten des 17. Jahrhunderts die schwierige Aufgabe gelöst, eine höhere A., engl. upperslope, mit den Horizontalformen der obigen Stile zu vereinigen, indem sie die A. in Gestalt einer stehenden Kehle oder eines großen Anlaufs gestalteten, so daß sie an der Vorderkante des abzuwässernden Gesimses flach beginnt, bei ihrer Annäherung an die dahinterliegende Mauer sich immer steiler hebt und so dem darüberstehenden Mauertheil zugleich als Sockel dient; s. d. Art. Renaissance. S. auch d. Art. Wasserschlag. ubwechseln, 1.(Zimm.) frz. chevétrer, engl. trim off, auch abtrummen, auswechseln; s. d. Art. Wechsel, wechseln und Trumm. — 2. s. v. w. die Wechsel wegnehmen. — 3. neutr. Z. (Herald.) Man sagt, die Tinkturen wechseln ab, wenn z. B. bei einem in vier Felder getheilten Wappen links das obere Feld roth, das untere Gold, rechts das obere Gold, das untere roth ist; s. übr. den Art. abwechseln in M. M. a. W. Abwechselung, f. Die Natur, Vorbild aller Kunstwerke, ist nirgends eintönig, bietet überall Abwechselung. Bei Entwerfung eines Bauwerks hat man daher, dafern es ein Kunstwerk werden soll, ebenfalls auf A. zu sehen; diese darf jedoch nicht aus bloßem, durch keine innere Nothwendigkeit bedinglem Nebeneinanderstellen des Verschiedenen bestehen, was leicht Verworrenheit, oft sogar Unsinn erzeugt. Bei rationeller Auffassung der einzelnen Theile an sich und richtiger Abwägung ihres Verhältnisses zum Ganzen wird sich die nöthige A. von selbst ergeben. Dieselbe wird dann im Organismus des Gebäudes begründet, als etwas von innen Herausgewachsenes und nicht als gesuchte Zuthat von außen her erscheinen; zu tadeln ist z. B. der Wechsel verschiedener Verdachungen über gleichberechtigten Fenstern, gerechtfertigt hingegen das Hervortreten od. Reichverziertsein der Fenster oder Fagadentheile, die einem vornehmeren Raum, z. Beinem Salon, angehören. Ebenso darf man eine Farben-A. nicht in zu lebhaftem Abstechen der Farben von einander suchen, vielmehr muß hier wie in den Formen die A. immer ohne Beeinträchtigung der Harmonie herbeigeführt werden. Abweg, m., Uebenweg, m., Abstraße, f., Beistraße, f. frz. cChemin, m. détourné, engl. by-road, by-path, by-way, Weg, der, um einen seitwärts der Hauptstraße liegenden Punkt zu berühren, von dieser abgezweigt wird und sich später wieder mit ihr vereinigt. abweichen, intr. Z. 1. s. d. Art. abgehen 4. — 2. abweichen, frz. brouter, engl. to bore away, to bore out, 0 eut untrue, von Bohrern gesagt, auch ausweichen, einreißen — schief gehen, seitwärts oder krumm bohren, hat seine Ursache entweder im falschen Ansetzen oder in Verbiegung der Spitze etc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 36Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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