Balsamieren oder Einbalsamieren nennt man das Verfahren, welches angewendet wird, um Leichname vor Verwesung zu schützen, namentlich wenn man zu diesem Behufe die Weichteile mit fäulniswidrigen (antiseptischen) Stoffen tränkt. Dergleichen Verfahrungsarten waren schon den Assyrern, aheeh und Persern bekannt; am berühmtesten aber haben sich darin die e Tere gemacht, bei denen alle Leichen und viele Tiere einbalsamiert wurden. Die ägypt. Methode des B. ist von Diodor beschrieben; doch bleibt seine Beschreibung in manchen Stücken undeutlich. Jedenfalls hatten die Agypter mehrere Methoden. Die vollkommenste bestand in Entleerung der Kopfhöhle und Ersatz des Gehirns durch aromatische Substan⸗ — Herausnahme der Eingeweide, Imprägnirung erselben mit aromatischen Stoffen und Ausfüllung der Bauchhöhle mit wohlriechenden Harzen oder Asphalt; ferner in Einweichen des ganzen Kadavers in Auflösungen von Natronsalzen, und endlich in luftdichter Cinwickelung des ganzen Leichnams in aromatisierte Binden. Daß die ägypt. Einbalsamierung die Leichname nicht unverändert erhielt, zeigt die Ansicht jeder Mumie (s. d.). Alle Weichteile sind in ihrer Struktur vollständig zerstört und verändert und selbst die äußere Form nur höchst unvollkommen beibehalten. Es wurde also auch hier nur eine Verwandlung der Fäulnis in langsame Veränderung und Zersetzung erzielt, teils durch Anwendung antiseptischer Stoffe, teils durch Abhaltung der Luft, teils endlich e 3 Beförderung des Austrocknens. Die neuere Zeit macht nur in seltenen jachne vom Einbalsamieren Gebrauch. Das einfachste Verfahren, wobei aber die Form der Weichteile verloren geht, ist das auch bei den alten Guanchen und H1t südamerik. Völkern übliche Austrocknen der Leiche, das der von selbst eintretenden Mumifizierung in gewissen, sehr trockenen Grabgewölben gleichkommt. Unter die künstlichen Verfahrungsweisen gehört die Behandlung mit feuchtigkeitentziehenden und die Eiweißstoffe zum Gerinnen bringenden, die gallertartigen Bestandteile aber gerbenden Stoffen: mit Kreosot, Holzessig, mit gewissen Salzen, besonders Sublimat, mit Arsenik und andern mineralischen Substanzen. Man verteilt diese Substanzen am besten — ganzen Körper, daß man die Auflösung in die Adern injiziert. Am häufigsten scheint man gegenwärtig noch in England die Konservierung der Leichen vorzunehmen; in mehrern Hospitälern wendet man dort Injektionen mit sog. Garstinscher Flüssigkeit (Glycerin, Arsen, Karbolfäure) an und verwendet auf jeden Kadaver 6 Pinten (à 0,57 U) Flüssigkeit; in andern engl. Krankenhäusern nimmt man 3 Pinten Glycerin, in welchem vorher 1½ Pfd. arseniger Säure gekocht waren, und nachher 2 Gallonen (à 4,4 )) reines Glycerin; hierauf wird der Leichnam in Tücher eingewickelt, die in Karbolsäure getränkt sind; schließlich benutzt man die in einigen Hospitälern sog. Stirlingsche Flüssigkeit, bestehend aus Kreosot, Holzgeist und Sublimat. Die großen Eingeweidehöhlen werden mit Karbolsäure ausgespült und schließlich mit frisch ausgeglühter Holzkohle angefüllt. Die Anwendung von Harzen und Spezereien zum Zwecke des Einbalsamierens ist namentlich, abgesehen von Erzeugung eines Wohlgeruchs, gegen die Thätigkeit des Ungeziefers gerichtet; auf den anatom. Sälen werden hierzu oft Terpentinöl oder andere balsamische Lösungen benutzt. Obschon die angeführten Methoden für die Einbalsamierung solcher Leichen, die in Särge gelegt werden sollen, immerhin die besten sein mögen, so erweisen sie sich doch nicht zweckmäßig, wo man Leichen behufs fort-Commr anatom. Untersuchungen, besonders im ommer, längere Zeit zu erhalten sucht. Auch dann sind sie nicht entsprechend, wenn Leichen öffentlich AQhiolüt werden sollen. Hier gilt es weniger eine absolute Dauer zu erlangen, als vielmehr eine Verzögerung der Zersetzung, die aber die Formen ganz erhalten soll. Die Behandlung mit Weingeist und Aufbewahrung in Spiritus ist ein bekanntes Mittel der Anatomen, welches bei längerer Einwirkung aber die Gewebe sehr verändert und entfärbt. Gannal hat gezeigt, daß Thonerdsalze, in die Gefäße injiziert, eine sosche Verbindung der Thonerde mit den Geweben des Körpers bewirken, wodurch der natürliche Turgor und die Form aller Teile ziemlich lange unverändert bleibt und die aunal lange hinausgeschoben wird. Das von Zannal gewöhnlich angewendete Salz ist schwefelsaure und salzsaure Thonerde. Mehr noch als das Verfahren von Gannal bewährte sich die von Sucquet angegebene Methode, wonach eine Auflösung von Chlorzink in die Adern eingespritzt wird. Neuerdings bedient man sich zu diesem Zwecke mit Vorliebe der Wickersheimerschen Flüssigkeit (s. d.). Vgl. Gannal, Histoire des embaumementso (Par. 1841)9.. ö Balsamine, Balsamina, nannte Decandolle eine Gattung der nach derselben benannten Familie der Balsamincen. Sie ist charakterisiert durch fünf oder drei Kelchblätter, von denen das unpaarige blumenblattartig, größer und gespornt ist. Die fünf unterständigen Staubblätter hängen an der Spitze mehr oder weniger zusammen. Die Frucht ist eine ovale, flaumig behaarte Kapsel, welche bei der Reife mit fünf elastischen Die 5. aufspringt, die sich nach innen aufrollen. Die B. sind Kräuter mit knotigen, saftigen Stengeln und nebenblattlosen Blättern. Eine bekannte und geschätzte Zierpflanze ist die Gartenbalsamine, Balsamina hortensis, von Linné Impatiens Balsamina genannt. Sie ist eine einjährige Pflanze und in Ostindien einheimisch. Ihre ursprüngliche Schönheit hat durch die Kultur bedeutend gewonnen. Sie flanzt sich nur durch Samen fort und Im unter em umgestaltenden Einflusse dieser Fortpflanzungsweise mehrere Varietäten erzeugt. Anfangs verdoppelten sich die Blumenblätter, dann wurden die Blumen gefüllt, gewannen nach und nach eine fast regelmäßige Form und wurden endlich so groß, so voll und so regelmäßig, daß man sie mit Recht mit Rosen und Kamelien (Rosen⸗ und Kamelienbalsaminen) vergleichen konnte. Zugleich nahmen die ursprünglich roten Blumen die verschiedensten Farben an, Weiß, gelbliches Weiß, Rosa, Karmoisin, Schieferfarbe, Chamois, Violett, Scharlach u. s. w. Es wurden sogar EEme und nelkenartig gestreifte und gestrichelte Blumen (Nelkenbalsaminen) erzeugt. Aus einer Verkürzung des Stengels entstanden die Zwergbalsaminen. Wegen ihres untersetzten, geraden und 6 lossenen Wuchses, ihres reichen Flors und des Glanzes ihrer Farben ist die B. vorzugsweise zur Ausstattung von Rabatten und Blumenbeeten und zur Gruppenbildung geeignet, läßt sich aber auch für die Kultur in Töpfen und für das Blumenfenster benutzen. Der Wert dieser vortrefflichen Zierpflanze wird durch die Leichtigkeit erhöht, mit der sie sich kultivieren läßt. Sie gedeiht in jedem mäßig guten, mit einigem zersetzten Dünger vermischten, 33. öfters bewässerten und durchlässigen Boen. Die Aussaat zwei⸗ bis dreijährigen Samens Miitoeet im März oder April in ein lauwarmes Mistbeet; so oft es die Witterung erlaubt, muß für Lüftung der jungen Pflanzen, bei starkem Sonnenschein für Beschattung gesorgt werden. Che sich noch die ersten Laubblätter entwickelt haben, pikiert man die Pflänzchen in ein kühles Mistbeet und setzt sie dabei bis an die Keimblätter ein; Ende Mai oder später pflanzt man sie mit einem Erdballen mit 40—50 em, die Zwergvarietäten mit 25—30 em Abstand an die für sie bestimmten Stellen. Man kann ihnen aber auch ein Reservebeet anweisen, um sie, wenn sie der Blüte nahe sind, mit dem Ballen in Gruppen zu pflanzen. Bei warmer trockener Witterung wd die B. reichlich gegossen werden. Eine interessante Balsaminenart ist auch die Impatiens Noli tangere. (S. unter Impatiens.)