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BaukunstBau-Lexikon 1881

Altar, m., frz. autel, m., sainteé table, f., engl. altar, lat. altare, n., ara, f. I. Heidnische Altäre. Die Alten unterschieden zwischen ara, griech. ννρεν u. altare (alta ara), griech. 56e. Ersteres war eine blose Erhöhung des Bodens für die den niederen Göttern zu bringenden Opfer; letzteres ein auf die ara gestellter Herd, für die den höheren (olympischen) Göttern zu bringenden Opfer. Die Altäre für die unterirdischen Götter waren Aushöhlungen (serobiculi). Die ältesten Altäre mögen sehr rohe Form gehabt haben; die ältesten bearbeiteten waren viereckige, polirte Steine. Die blos für Libationen, Fruchtopfer oder Weihrauch bestimmten arae turieremae waren klein und tragbar, die für blutige Opfer mußten größer sein, waren daher nicht tragbar, bes. diejenigen nicht, für deren Gottheit man einen bestimmten Wohnort annahm, in dessen unmittelbarer Nähe die Opfer gebracht werden mußten.— Aus diesen durch den Kultus gegebenen Bedingungen, sowie aus der Verschiedenheit der Orte ihrer Aufstellung, entwickelte sich nun nicht blos die Größe, sondern auch die manchfache Form der Altäre. Manche wurden auch blos als Zeichen der Frömmigkeit oder zum Andenken an ein bedeutendes Ereignis errichtet; sie dienten auchzur Heiligung des Eides wie zum Asyl für Verbrecher; auch war in jedem Haus ein den Laren (Hausgöttern) geweihter A. zu finden. Die römischen Hausaltäre waren selten transportabel, meist in Form eines kleinen Herdes, mit einem Rand versehen, hinter dem A eine Nische für die Statue des Hausgottes, od. ein Feld mit seinem gemalten Bild, od. auch blos mit einer einen Pinienapfel verzehrenden Schlange. Oft ist diese ganze Anlage von einem kleinen Tempelchen, dem lararium, umgeben, oft aber auch ohne dies im Atrium, bei ärmlichen Häusern sogar in der Küche aufgestellt. Die tragbaren Altäre der Agypter hatten die Form einer Sänfte, baris (s. d.), oder, wenn man will, einer Gondel mit Klappfüßen. Die Stangen zum Tragen derselben waren entweder gleich daran befestigt, oder es waren Haken oder Ringe angebracht, um dieselben hindurchzustecken; diese Haken wurden dann künstlerisch verziert und hießen Hörner. So war wahrscheinlich auch der A. der Stiftshütte bei den Israeliten beschaffen; unter den künstlerischen Gestaltungen dieser Hörner steht die Form der Widderköpfe obenan. Die tragbaren Altäre waren wohl auch von Stein und dann in der Regel klein, schlank und vierseitig, unten mit Löwenfüßen, oben mit Hörnern, z. B. in Gestalt von Widderköpfen verziert, die zum Anhalt für die Tragstangen dienten, an den Seiten mit mythologischen Darstellungen zes vertrauter wurde, gestaltete man die tragbaren Altäre als Dreifuß mit aufgesetzter Schale; die Füße haben dann. häufig die Form von Ziegen-‚Reh- od. Bocksbeinen; man richtete sie wohl auchzum Zusammenklappen, einem Feldstuhl ähnlich, und die Schale zum Abnehmen ein; an diese Form lehnt sich die der kleinen steinernen, dreiseitigen Altäre, die übrigens ganz den oben erwähnten vierseitigen ähneln, jedoch gewöhnlich im Hauptkörper nicht prismatisch, sondern ols abgestutzte Pyramiden gestaltet sind. Auch gemauerte aus Stein und Ziegel gab es, die dann meist rechteckig im Grundriß und ziemlich groß sind, wie dies die Opferung von Stieren u. dergl. verlangt. Nach Pausanius gab es auch hölzerne. Auch runde, in Gestalt einer kurzen Säule hat man gefunden, diese waren oft bis 1,50 m. hoch, wie denn überhaupt die Höhe der Altäre von 0, — 1, m. differirte. Nach Vitruv richtete sich die Höhe nach dem Rang der Gottheit. Die Ausschmückung mit Guirlanden etc. an Festtagen gab die Motive zu bleibender Dekoration derselben mit steinernen Blumengewinden re. Häufig sind sie natürlich mit Inschriften versehen. Auch die Bilder der Götter, denen sie geweiht, brachte man manchmah an den Altären selbst an. Wo irgend möglich, war die Vorderseite der Altäre nach Osten gerichtet. In den größeren Tempeln waren oft drei verschiedene Altäre, der eine in der Cella selbst vor dem Bildnis des Fig. 138. Altar aus der Allerheiligenkapelle in Regensburg. Gottes, der zweite auf dem Platz vor dem Tempel, der dritte, ancalabris genannt u. tragbar, war zu Aufnahme der Weihgeschenke u. heiligen Gefäße sowie zum Gebrauch bei Prozessionen bestimmt. Von den Druiden wurden als Arnicht blos die Dolmen und bedeckte Gänge (s. keltische Denkmäler) benutzt, sondern auch einzelne große Felsblöcke, an deren Oberfläche man Becken aushöhlte, auch wohl gemauerte Herde mit eingesetztem Bronzebecken. II. Christliche Altäre. Die Altäre derchristlichen Kirchen leiten den Ursprung ihrer Form nicht vom Opferherd her. Dieselbe ist vielmehr zum Theil, gleich dem Tisch für die Agapen, von dem Abendmahlstisch (ensa sacra) Christi, zum Theil von den Sarkophagen der Märtyrer (tumba) entlehnt, die in den erstenschristlichen Zeiten oft als Stätte für die Feier des Gottesdienstes u. der Agapen gebraucht wurden. Daher ihre Bekleidung, entsprechend dem Tischtuch; daher das Freistehen des Hauptaltars, der Christo selbst und dem von ihm gestifteten Liebesmahl geweiht ist, während die den Heiligen und Märtyrern gewidmeten Altäre, ähnlich wie man dies mit den Sarkophagen zu thun pflegte, an der Wand stehen können. 1. Die altchristlichen Altäre (auch mensa, archa, ministerium ete. gen.) waren anfangs hölzerne, dann nach einem schon 101gegebenen, 517 eingeschärften kirchlichen Gesetz steinerne Tische (s. Fig. 138) mit darunter stehendem Sarkophag oder darunter liegendem Grab des Märtyrers; manchmal beides einzeln, aber 1 über einander gestellt, so daß der Sarkophag quienschrein zwischen den Tischbeinen stand, ma sofern getrennt, daß der Altartisch über ein, stand, unter der in der Krypta der Sarkophag tyrers aufgestellt war, manchmal auch direk indem der Sarkophagdeckel als Tischplatte dien nicht den ganzen Leichnam eines Märtyrers, s eine Reliquie von ihm haben konnte (und oh seit 270 kein Altar weihbar), bewahrte man einer kleinen, länglich-viereckigen Aushöhlune lich aus einem Stein bestehenden, mindestens und 1 mu. breiten Altarplatte (tabula) oder! stütze (stipes) derselben auf, dem Reliquieng' chrum), das mit einer Steinplatte (nach dem! schließenden Siegel selbstsigillum genannt) zus auf welcher sowie auf den vier Ecken der Tischf Kreuze ausgemeißelt und bei der Weihung des salbt wurden, an die Wunden Christi erinn Altar ward mit der Front (aspéctus altaris) u nach Osten, später nach Anderung der Orienti Fig. 139. Altar aus St. Ambrogio, Mailand. nach Westen gestellt; die Südseite hieß die Evar die andere die Epistelseite, Epistelhorn (corm rum); an der Frontseite stiegen Stufen auf, de mindestens 1½½ m. breit sein mußte, um für! bella) zu gewähren, während die anderen, auf dieserobersten angelegt, mindestens ,s breit, o mußten. Die Höhe des Altartisches durfte nie sein. Nach oben hin wurde der Altar geschützt! eigenen Ueberbau, umbella, tegurium, tégime torium, derentweder als Himmel, Walldach (bs coεlum, umbraculum), aus Seide oder bem wand, oder, wenn die Mittel es erlaubten, a (tabulatum, laquearium) bestand. Am wün testen und beliebtesten aber war ein steinerner zener Uberbau, eiborium, arca, von dessen Ger das Gefäß mit dem Weihbrot (pastophorium, wohl auch ein Kruzifix hing, und dessen Seiten hänge (tetravela) verhängt waren (s. Fig. Priester hatten meist hinter dem Altar zu thun konnte man einen wandförmigen Überbau nit unmittelbarsschen; ähnliche Altäre sind jetzt auch in Preußen eingeführt. woder Reli- Überhaupt haben sich die strengeren protestantischen Sekanchmal in- ten vielfach wieder dieser Tischfarm des Altars zugewendet, ier offnung so die Calvinisten, die Anglikanische Kirche, die Herrng des Mär- huter etc. Nach Umänderung der Orientirung (s. d. Art. kt vereinigt, Kirche) wurde die Nordseite zur Evangelien- oder Brotite; wo man seite, die Südseite zur Epistel-oder Kelchseite. Nun wurde sondern nur vielfach das Ciborium weggelassen, die tétravela erst an nne solche ist einzeln stehende Säulen befestigt (s. F. 140), dann auch vieldieselbe in fach weggelassen. Das Kreuz erhielt nun samt den Leuchg der gesetz⸗ tern seine Stelle jenseit des Altars, mußte aber höher ge2m.langen stellt werden, damit es der Priester nicht verdecke, u. hierzu der Mittel-brachte man eine niedere Altarrückwand, réetabulum. rab (sepul- superfrontale, an, diescharakteristisch für die Altäre rodieselbever⸗ manischen Stils ist. Mit Zunahme des Bilderschmucks igedeckt war, wuchs dieses Retabulum zum Altarschrein und Flügelplatte kleine altar auf, indem auch manchmal ein Tabernakel für die 5 Altars ge⸗ Hostien eingefügt wurde. Die Altäre der einzelnen christnernd. Der lichen Konfessionen haben sich nun allmählich nach den ürsprünglich Kultuserfordernissen derselben verschieden gestaltet. irung (s. d.) 2. Die römisch-katholische Kirche unterscheidet: ngelienseite,. A. feststehender A., altare um. a) Hochaltar, Hauptu épistola- altar, Sakramentsaltar, Fronaltar, Choraltar (frz. deren oberste grand-autel, maitre-autel, engl. high altar, lat. sumdie Priester mum altare, altare authenticum capitaneum, cardiüdella, sca- naleé, dominicum, majus, magistrum, a. chori), am fdrei Seiten östlichen Ende des Chors, stets freistehend. b) Laienaltar 0 hoch sein (altare laicorum), in Stifts- und Klosterkirchen an der cht über 1,3 Westseite des Lettners, unter der Vierung, gewöhnlich durch einen dem heiligen Kreuz geweiht, meist freistehend. e) Meß61l, C00PEr-Altar (frz. chantrerie, engl. chantry-altar, lat. altare aldachium, votivum), lediglich für Abhaltung von Privatmessen nalter Lein-bestimmt. d) Seitenaltar, Nebenaltar (frz. autel subzus Bretern ordonné, engl. subordinate altar, Jow altar), zur Vernschenswer-ehrung von Heiligen bestimmter Altar, in der Regel roder bron⸗-in einer Seitenkapelle oder im Seitenschiff aufgestellt. wölbe herab e) Todtenmeßaltar, Allerseelenaltar (a. animarum). Den ciborium), Rand der Altarplatte mit hölzernen oder metallenen idurch Vor⸗ Spangen oder Leisten einzufassen, ist verboten, Streifen 139). Die aus bunter Seide oder Goldbrokat hingegen gestattet; „ und daher doch muß der Plattenrand immer den Fingern des amtirenicht gebrau⸗ den Priesters erreichbar bleiben. B. Tragaltar (altare portatileé, gestatorium, viaticum, levaticum, motorium), auch Reisealtar, besteht aus einer kleinen Tischplatte von Holz, Stein etc. mit steinernem Reliquiengrab u. vorschriftsmäßiger Bekleidung. Die Vorschriften für altchristliche Altäre behalten meist ihre Geltung auch jetzt noch in Bezug auf katholische Altäre; s. in M. M. a. W. 3. In der griechisch-katholischen Kirche steht hinter dem für die Gemeinde bestimmten, nicht vollgültig geweihten Altar die Trennungswand des Allerheiligsten (IKonostasis), hinter welcher der eigentliche Altar in Tischform verborgen ist; s. übr. im Art. Kirche. 4. In der evangelisch-lutherischen Kirche ist leider auch in Bezug auf den Altar, wie überhaupt in Bezug auf Kirchenausstattung, noch keine ganzfeste Norm gewonnen.“ Als nach der Reformation bei den Katholiken die Tabernakelaltäre mehr und mehr überhand nahmen, und die Altaraufsätze zu riesigem, plumpem Schnörkelwerk anschwollen, begannen die Protestanten einen ähnlichen Mißbrauch einzuführen, indem sie die Kanzel in die Altarrückwand einfügten. Erst neuerdings hat sich die Aufmerksamkeit auch dieser Frage zugewendet und dürften folgende Regeln jetzt als feststehend zu betrachten sein. Der Altar (denn nur einer ist im eigentlichen Kirchenraum zulässig) stehe im Osten frei, hinter demselben seien keine Sitze, keine Emporen, Galerien oder dergl. angebracht, die Front sei nach Westen gekehrt, so daß der Priester zwischen Altar und Gemeinde stehe. Der eigentliche Altar habe monumental gestaltete Tischform. Der Altar aufsatz richte sich nach dem Stil der Kirche; bei Durchführung der Basilikaform fällt er also weg od. wird durch ein Ciborium ersetzt. Bei romanischem Stil sei er niedrig, bei gothischem Stil kann er die Form eines Bildschirms annehmen, sei aber nicht zu breit, verdecke namentlich kein Licht. Der Altar stehe erhöht; das suppédanéeum bekommt, rechts und links, kurze Schranken oder vielmehr Geländer, Appoditorien, zur Stützung des Geistlichen bei Spendung des h. Abendmahls; außerhalb derselben stehen an der Seite des suppedaneum Kniebänkchen für die Kommunikanten. Eine Schranke zwischen Altar und Gemeinde ist unnöthig. 5. In der reformirten Kirche hat der Altar keinen Aufsatz, sondern nur die Form eines monumentalen Tisches, auf welchem Leuchter u. Kruzifix stehen. Zwischen ihm u. der Gemeinde ist eine Schranke, an der das Abendmahl gereicht wird. 6. Die Anglikanische Kirche fordert ähnliche Anordnung, doch fehlt hier sogar das Kruzifix.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 79Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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