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BaukunstBau-Lexikon 1881

Angel, eigentlich m., häufiger aber als f. gebr., 1. s. v. w. Achse, aber nicht mathematisch, sondern körperlich genommen, auch nicht als ein in der ganzen Länge der Drehungsachse durchgehender Stab zu denken, der dann Spindel heißt, sondern als Fixirung der Achsenlinie durch zwei oder mehrere Punkte; z. B. bei einer Kugel, wie die Erde, würde man von Angeln reden können, wenn in die Polpunkte drehbare Spitzen eingesteckt wären, um welche sich die Erde bewegte. Bei Thüren oder Thoren giebt es verschiedene Arten Angeln, frz. penture à pitom et pivot, engl. socket-hinge, lat. ganghero, span. al- 4 guaza. Es wird nämlich a) — und dies ist die älteste Art —= der Thürbefestigung — die Thüre in die An gelngehängtod. vielmehrzwischen die Angelneingeklemmt, und man sagt dann, die Thüre dreht sich in ihren Angeln. Die ältesten uns aufbewahrten Thürflügel bestehen aus Mar-⸗. U mor und haben an ihrer Hinterecke oben u. unten einen Zapfen; in Schwelle u. Sturz ist ein entloch eingearbeitet. Hölzerne Thüren verstärkte man an der betreffend. Stelle und versah sie unten mit einem metallenen Zapfen, Angelzapfen, Gickel, m., frz. pivot, m. engl. pivot, pin, der in einer steinernen oder bronzenen Pfanne, Angelpfanne, frz. piton, m., engl. pan, sockeét, sole, geht, oben aber in der Regel mit einem bei weitem stärkeren hölzernen Zapfen. Die Umgebung dieses oberen hölzernen Zapfens bestand aus Stein, Holz oder Metall. Bei den Griechen und Römern scheint man zu diesem Behuf theils ein Loch in den Sturz gemacht zu haben, theils benutzte man die die Verdachung tragenden Kragsteine zu diesem Zweck; wenigstens scheint dies aus der Anwendung des Ausdruckes anconés prothyrides bei Vitruv hervorzugehen. Die späteren Römer benutzten wohl auch das Metall in Gestalt eiserner oder bronzener Ringe zu diesem Zweck, vielleicht ähnlich wie die Byzantiner, von denen wir es aus mehreren erhaltenen Beispielen wissen. Doch nahmen die Byzantiner auch zu dem Holz ihre Zuflucht, indem sie nämlich einen Klotz oben aus der Mauer vorstehen ließen, welcher unten eine dem Zapfen entsprechende runde Vertiefung hatte. Da bei diesem Loch nun, so nahe am Ende des Klotzes, den man doch nicht unschicklich weit vorstehen lassen konnte, das Ausspringen des Holzes sehr leicht eintreten mußte, so mußte man darauf bedacht sein, dem Uebelstande zu begegnen; kamen doch schon die Byzantiner auf Umlegung des Loches mit einem Metallring; die Araber aberu Mauren, welche dieses Angelsystem von den Byzantinern mit annahmen, setzten an die Stelle des aus einem Stück gefertigten, angebohrten Klotzes eine Art Kasten, innerlich rund, äußerlich oft sehr reich und geschmackvoll verziert, welcher auch schon ohne Metallring, dadurch, daß er überall Langholz darbot, hinlänglich vor dem Ausspringen geschützt war. Den unteren Zapfen machten sie in der Regel von Eisen und ließen ihn in einer kleinen, in die Marmorsohlbank eingelassenen Pfanne von Bronze gehen, die oft mit einem Ornament umgeben war; Fig. 169. Es mag auf den ersten Augenblick befremden, daß man den oberen Zapfen nicht gleich, wie wir es wohl jetzt noch an Scheunthoren, Hofthoren etc. zu thun pflegen, in einem Metallring, dem Angelreifen, Angelring, frz. anneau, m., engl. hinge-ring, gehen ließ, aber das Holz wird sich, an Holz sich reibend, weniger schnell abnutzen als an Metall, und bei Thoren, die im Freien hängen, wird sich auch die Nässe, hängt der Zapfen blos in einem Ring, leicht von oben in das Hirnholz hineinziehen, während der Holzkasten oder Block sehr leicht abzudecken ist, da er sich nicht mit dreht. b) Hängt man nun —und dies ist die jetzt gewöhnliche, bei kleinen Thüren in der Regel angewandte Art — die Thüre auf die Angel, so hat diese, die dann auch Angelhaken, u., Angelhaspe, l., Kolbe, Haspe, frz. gond, m., engl. cCrook, hook, hasp-hook, lat. cardo, ital. ganghero, span. quicio, gozne, heißt, die Gestalt eines hakenförmig gebogenen Eisens, welches in das Gewände eingeschlagen, eingekittet oder eingeschraubt ist; an die Thüre wird dann ein Band (s. d.) eingeschlagen, dessen Ose od. Ring,‚ frz. mamelon, collet, engl. Ioop, auf den Haken paßt und sich um ihn dreht. Man sieht leicht ein, daß man an einem solchen Angelband, frz. Penture f. à gond, engl. gemel, hook and 100p; eine Thüre nicht anhängen kann; um eine Umdrehungsachse, alsoeinegerade Linie, festzu bestimmen, müssen mindestens zwei Punkte derselben bestimmt sein; also muß jede Thüre mindestens zwei Angeln erhalten. Die Konstruktion dieser Angeln und der in ihnen gehenden Bänder hat man nun im Lauf der Zeiten sehr vervollkommnet, theils auf gleichmäßigere Vertheilung und möglichste Verminderung der Reibung, theils auf Schutz vor Regen oder Staub, theils auf größere Eleganz abzielend. Diese verschiedenen Formen s. unt. d. Art. Band. 2. Angel, f., Achel, f., frz. soiè, f., queue, f., engl. kang, tang, tongue, spike, span. espiga, bei Werkzeugen, Klingen etc. der spitzige Theil, womit sie in dem Heft, Griff ee. befestigt werden; bei Sägeblättern das schmälere Stück an beiden Enden, welches zum Befestigen in dem Gestelle resp. Gatter dient. 3. Den Namen Angel führen auch noch verschiedene hakenförmig gestaltete oder mit Widerhaken versehene Werkzeuge, z. B. die Fußangel, frz. chausse-trape. ungelagt, adh., auch angelogt (Bergb.), heißen Bergeisen, wenn sie aus zwei alten abgenutzten zusammengeschmiedet sind. ungelaufener Stahl etc., s. anlaufen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 99Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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