Berthold V. von Zähringen, geschmückt, dient jetzt als Promenade und bietet eine herrliche Aussicht auf die Alpen. Vor dem reichen Hauptportal auf der Westseite der Kirche erhebt sich das Reiterstandbild des Siegers von Laupen (1339), Rudolf von Erlach. Das Rathaus und der Zeitglockenturm mit seinem künstlichen Uhrwerk wurden unmittelbar nach dem großen Brande erbaut; die zahlreichen Brunnen, zum Teil gute Renaissancearbeiten, deren zierliche Säulenschäfte originelle Standbilder tragen, gehören meist dem 16. Jahrh. an. Aus dem 18. stammen die 1726 —29 erbaute Heiliggeistkirche, das palastähnliche Bürgerspital, das nselspital, die Münze, das Kornhaus mit seinen großen Kellern und Lagerfässern, das Theater, die Stadtbibliothek mit ungefähr 1500 Handschriften, wertvollen Inkunabeln und 75000 Bänden, einer antiquarischen und einer ethnogr. Sammlung, das . Oi der fadticche Beho und der Erlacherhof, der Sitz der städtischen Behörden. Von den neuern Gebäuden sind zu erwähnen der Bundespalast, ein mächtiger massiver Bau im florentin. Palaststil, 1857 vollendet, das Naturhistorische Museum und das Kunstmuseum, zwei reiche Renaissancebauten, jenes 1881, dieses 1879 vollendet, das Gesellschaftsmuseum, die Gebäude der Kantonal⸗ und der Eidgenössischen Bank, das Verwaltungsgebäude der Jurabahn, die roman=⸗ got. katholische Kirche, die neuen Militäranstalten (Kaserne, Zeughaus u. s. w.), 1 km, und die Irrenanstalt Waldau, 3 km nordöstlich von der Stadt. uf drei Seiten von der Aare eingeschlossen, hat sich die Stadt, seitdem ihr Schanzengürtel teils abgetragen, teils in Promenaden umgewandelt worden ist, hauptsächlich am westl. Ende ausgedehnt, wo fünf Vorstädte fächerförmig von der Altstadt auslaufen. Über die Aare führen fünf Brücken: eine Eisenbahngitterbrücke und eine Kettenbrücke im N., eine Gitterbrücke im SW. und die beiden steinernen Nydeckbrücken im O. der Stadt. Die untere von diesen wurde 1461, die obere, welche sich mit einem kühnen Bogen von 30 m Höhe und 50 m Spannweite über den Fluß wölbt, 1841—44 erbaut; an ihrem östl. Ende liegt als Wahrzeichen von B. der Bärengraben, in welchem von alters her das Wappentier der Stadt und des Kantons gehegt wird. Eine sechste Brücke, die Kirchenfeldbrücke im S. der Stadt, ist im Bau und soll bis 1884 vollendet werden. Jahrhundertelang Residenz einer kriegerischen, mächtigen Aristokratie, jetzt Sitz der Bundes⸗ und Kantonsbehörden und der fremden Gesandtschaften, ist B. viel mehr eine Regierungs⸗ und Beamten⸗ als eine Gelehrten⸗, Fabrik⸗ oder Handelsstadt. Von Schulen besitzt es außer den Primärschulen und mehrern Privatanstalten zwei Knabensekundärschulen, eine aden, Töchterschule mit Seminar⸗ und Handelsklassen, ein Gymnasium mit 1e und due 155 Litterar⸗, Real⸗ und „umt welet e und die 1834 gestiftete Universität, mit welcher eine Tierarzneischule, eine Sternwarte und ein botan. Garten in Verbindung stehen; außerdem 10 es eine Handwerker⸗, eine Kunst⸗ und eine Musikschule. Unter den Rarerrsorschende. Vereinen sind hervorzuheben die Naturforschende, die Historische, die Geographische und die Okonomische Gesellschaft. Von den wohlthätigen Vereinen sind die wichtigsten der Armenverein und der Hilfsverein. B. ist überhaupt reich an wohlthätigen Anstalten, unter welchen außer den erwähnten Spitälern zu nennen sind das Frauen⸗ und das Kinderspital, das Gemeindepital, nach seinem Stifter gewöhnlich Zieglerspital genannt, das Greisenasyl und die Blindenanstalt. Gewerbfleiß und Handel sind im Aufblühen begriffen. Ein 350 m langer Schwellendamm, über den die Aare als ungefähr 3 m hoher Wasserfall den Derrteb zweigt von derselben einen Kanal für den Betrieb der städtischen Wasserwerke ab. Die Fabriken liefern Woll⸗, Seiden⸗ und Baumwollwaren, Maschinen, mathem. und physik. Instrumente, Chokolade u. s. w. Der Handel wird durch die Kantonalbank, die Arditannaalten und mehrere andere Geld⸗ und Kreditanstalten, sowie durch fünf Schienenwege nach Olten, Thun, Langnau-Luzern, Biel-Jura und Freiburg-Lausanne Mesen u Nicht unbedeutend sind auch die beiden Messen und die Vieh⸗ und Pferdemärkte. „Die Umgebung der Stadt ist ungemein anmutig; hohe schattige herelichte führen nach allen Richtungen zu den herrlichsten Fernsichten; die bie Gnge und besuchtesten Punkte sind das Schänzli, ie Enge, in deren Nähe der Hirschgarten liegt, und der Gurten (860 m), dessen Gipfel ein Panorama der Hochebene bis zum Jura und den Alpen, vom Pilatus bis zu den Savoyerbergen gewährt. Litteratur. Außer den ältern Chroniken von dgl Tsche Valerius Anshelm, i u. s. w. vgl. Tscharner, «Historie der Stadt B.» (2 Bde., Bern 1765 — 66); Walthard, »Description topographique et historique de la ville de B. (Bern 1827); Berner Taschenbüchers (Bern 1850 —82); Durheim, «Histor.⸗topogr. Beschreibung der Stadt B.y (Bern 1859); von Wattenwyl, «Geschichte der 187 2. Landschaft B. (2 Bde., Schaffh. 1867