angelsächsische Bauweise, frz. stylé anglo-saxon, engl. saxon architécture, anglo-saxontstyle, auch altenglischer, altsächsischer Stil, bes. von englischen Kunsthistorikern genannt, obgleich mit Unrecht. Diese Bauweise ist vielmehr blos eine Abzweigung des romanischen Stils und verdient als solche das Prädikat Stil um so weniger, als sie nicht zu einer besonders ausgeprägten nationalen Entwicklung gedieh, obgleich sie von 660 bis um 1020 befolgt ward. Die dieser Bauweise angehörigen Theile vieler Kirchen Englands zeigen zum Theil rein romanische Elemente, z. B. die basilikenartige Hauptanlage, Trennung des Baptisteriums von der Kirche, gleichzeitige Benutzung desselben als Grabkirche, Inkonsequenz in Bezug auf die Stellung der Glockenthürme, den aus der byzantinischen Kuppel in den romanischen Bauten entstandenen Centralthurm, das vortretende, von außen aber unzugängliche, wenig markirte Querschiff. Spezifisch angelsächsisch, aber nicht kosequent durchgeführt, erscheint Folgendes: Der gerade Abfluß auf der Ostseite des Chors u. Querschiffs; die Verlegung der Kanzel von den Cancellen in die Galiläa, die nicht blos den Gläubigen, sondern auch den Katechumenen und Büßenden, ja sogar den Nichtgläubigen zugänglich war, vielleicht dadurch zu erklären, daß eben die meisten dieser Kirchen noch Missionskirchen waren; die vereinzelt vorkommende Anordnung, daß die Pfeiler im Hauptschiff nicht einander gegenüber, sondern F en quinquonce stehen (3. B. St. Michael in St. Albans). In Be⸗ 42 zug auf die Details dokumentiren sich Aiß. 4. diese Bauten als romanische durich das Konstruktionssystem der Mauern, der Fenster und anderer Bogen, durch die geraden Soffiten, die schräg eingehenden Fenster- und Portalgewände, die durch Säulchen getheilten, gekuppelten Fenster, die Besetzung der Kanten und Theilung der Flächen durch Lisenen von behauenen Steinen. Zwar nicht allen Provinzialrichtungen des romadirekt auf den Gewölben aufgemauerten Steindächer etc. Eigenthümlich, wenn auch mehr von dem plastischen Unvermögen jener Zeit, als von dem Streben nach nationeller Ausbildung zeugend, ist die Durchbildung der Details in konstruktiver sowohl als dekorativer Hinsicht; die hauptsächlichsten darunter sind folgende: a) Mauerverband. Dieser erscheint bald als rubble-Work, s. Fig. 170, bald in regelloser Verwendung alter römischer Ziegel ohne genügenden Verband, bald als herring-bone in Ziegeln, Fig. 171, od. in behauenen Steinen, Fig. 174 eine Wandauffallend eng an sowie die Art des Aufsetzens der Gurte, die zwischen die Lisenen eingesetzten Andreaskreuze u. Halbkreisbügel u. andere Umstände (s. Fig. 176) deuten auf gewissen Einfluß der Holzkonstruktion, wie denn auch noch Holzkirchen in jener Zeit bestanden haben. p) Die Fenster sind ziemlich roh und zeugen von sehr mangelhaftem Verständnis des Bogens, sowohl die gekuppelten, die meist rundbogig, seltener im sächsischen Bogen geschlossen sind, Fig. 1774 — d u. i, als die einfachen, Fig. 177, deutlichertrittdies bei den früheren Thüren (s. Fig. 178 b, e, e, f) hervor; erst später, nach 827, wagte man größere Thühaben auch diese in den der Kämpfer, noch Fenster. des Kämpfers), soder Regel blos aus rechtwinkligen Profilen, indem schließen, s. Fig. 182 f., bei den Hauptsimsen größere Platten auf kleineren ruhen, s. Fig. 182 4 und d. (d) Die Bögen, welche die Schiffe trennen, sowie die Triumphbögen, sind in der frühern Zeit ganz glatt, später mit Abfasung versehen, auch wohl an den Stirnen mit Skulpturstreifen verziert. ‘) Deckwürfel der Kapitäle sowie 835 ö Kämpfergesimse der Bogen bestehen entw. nur aus einer ganz rechtwinkligen oder blos unten etwas 760 —— abgeschrägten Platte, oder aus ů II Platten u. Plättchen, mit flachen * Rundstäben ohne organischen Zu⸗ =— sammenhang abwechselnd, s. Fig. Fig. 170. 182 b u. e. Die Bogenpfeiler der Angels. Portal. Schiffe sind meist glatt rechtwinklig, später erhalten sie eine Abfasung od.einen Viertelstab an der Kante. f) Krypten sind nur wenige erhalten. Die der Kirche zu Repton wird von einem Bruchsteingewölbe bedeckt, das auf 4 Säulen u. entsprechend. Wandpfeilern ruht, die statt des Kapitäls blos mit einem Deckwürfel überlegt sind, s. Fig. 182 c u. g, Detail in e. Den Zugang bildeten zwei Wendeltreppen. Die — wenigen erhaltenen Skulpturen zeigen sehr mangelhafte Technik und sehr niedern Standpunkt der Plastik. Sie bestehen aus Blatt- und Knotenwerk, hier und da mit — rohen Thiergestalten besetzt. Au⸗ — ßer dem Thurm über der Vierung hatten viele Kirchen noch einen am Westende, mit einem hohen Dach versehen. ö Fig. 182.