Feedarmenische Vauweise
BaukunstBau-Lexikon 1881

armenische Vauweise, f. szarchitécturéarménienne, engl. armenian style. Armenien kam bekanntlich mit Assyrien unter medische und persische Herrschaft, theilte auch später die Schicksale dieses Reiches, bis sich ca. 200 v. Chr. die Statthalter der Griechen selbständig machten und zwei Reiche, Klein- und Groß-Armenien, gründeten. Klein-Armenien kam schon 63v. Chr. unter römische Herrschaft, dann an Byzanz etc. Groß-Armenien aber kam unter die Herrschaft der Sassaniden und wurde später bald von den Byzantinern, bald von Arabern erobert, 1079 zwischen Byzantinern, Türken u. Kurden getheilt, 1242 von den Mongolen erobert, endlich um 1500 zwischen Perserntu. Türken getheilt. InKlein-Armenien ist fast keine Spur einer selbständigen Bauweise zu finden; in Groß-Armenien aber nahmen die verschiedenen, durch seine Beherrscher eingeführten Baustile mindestens eine provinzielle Färbung an. Bes.gilt dies von der Zeit an, wo es den Sassaniden entrissen ward (ca. 550 bis um 1200). Die ältesten Kirchen dieser Periode sind in den Fels gehauen, deren einige vielleicht unter der Sassanidenherrschaft entstanden sind. Einige davon sind viereckig, andere haben fast die Form von Basiliken, mit Tonnengewölbe über dem Mittelschiff, und ähneln in der Anlage den Grottentempeln in Ostindien. Die größte derselben, in Inkerman, ist 11 m. (36“engl.) lang. Von den gebauten Kirchen gilt für die älteste die Kirche zu Pitzunda, Fig. 247 u. 248, ziemlich zuverlässigen Nachrichten nach gebaut unter Justinian dem Großen, mit Ausnahme der Kuppel und der sie tragenden Hauptbogen. Diese Kirche und die Kathedrale zu Ani, Fig. 249 u. 250, gebaut 1010, und vermuthlich um Mitte des 12 Jahrh. im oberen Theil umgebaut, zeigen deutlich, daß die Armenier, bei ziemlich strenger Befolgung des byzäntinischen Grundplans, zugleich mit vielem Glück den von den Sassaniden überkommenen Spitzbogen zu verarbeiten suchten. Die äußere Gestaltung ist streng byzantinisch, bis auf die an Stelle der Hauptlisenen oder Strebepfeiler tretenden Einschnitte bei a, Fig. 250, die oben geschlossen, also als Nischen gestaltet sind, und, zum Theil auf persische und sassanidische Vorbilder fußend, in die sarazenische Bauweise mit über— Fig. 251. Armenisches Kamin. Verständnis des innern Wesens Blendbogen des frühern Stils werden zu dünnen, übertrieben schlanken Wandsäulchen, die fast gothischen Diensten gleichen und dürftig profilirte Schildbogen tragen, zwischen denen Fenster mit Rundbogen u. Hufeisenbogen sitzen. Noch später geht der Stil unter dem Einfluß des sarazenischen Stils unter. Wie die Armenier selbst bis in die neueste Zeit den türkischen Stil mit einer gewissen Selbständigkeit handhaben, zeigt Fig. 251, ein Kamin aus Bajazid. s.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 157Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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