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AllerleiBau-Lexikon 1881

Artesischer Lrunnen, Zohrbrunnen, Steigbrunnen, m., frz. puits artésien, puits foré, m., fontaine f. artésienne, engl. artésian well, bored well. Die Artesischen Brunnen sind unterirdische Quellen, denen ein Abfluß auf künstlichem Weg, durch Bohren, geöffnet ist; dies geschah in Europa (die Chinesen haben diese Art Brunnen längst gekannt) zuerst in der Grafschaft Artois, daher der Name. Das Eröffnen einer solchen Quelle auf künstlichem Weg hängt davon ab, daß sich in der Tiefe eine Wasseransammlung findet, welche mit einer höher liegenden Wassermasse in Verbindung steht, deren Druck sie zu Tage treibt. Zunächst hat man das Terrain passend zu wählen, damit man nicht in zu große Tiefen hinabzudringen braucht od. wohl gar ohne allen Erfolg die kostspielige Arbeit unternimmt. Artesische Brunnen können mit Wahrscheinlichkeit des Erfolgs nur in der Nähe von Gebirgsschichten, welche das Wasser leicht zur Tiefe sinken lassen, in Angriff genommen werden, am besten in schmalen Thälern, welche von mit Wald bedeckten Gebirgen umgeben sind, deren geologischer Charakter sie zu Wassersammlern geschickt macht. Zerklüftungen, die mit Sand wiederum ausgefüllt sind, sind der Niedersenkung des Wassers bes. günstig. Das Keupergebirgezeichnet sich durch seinen Quellenreichthum aus, während z. B. der Muschelkalk das Wasser durch seine Klüfte in zu bedeutende Tiefen sinken läßt: ebenso Kalk- u. Dolomitgebirge. Die mächtigeren Schichten von Flötz- und Jurakalk enthalten zwar weniger zahlreiche, aber desto ergiebigere Wasseransammlungen. Sei, in Fig. 257, eine wasserdurchlassende Schicht aa, vielleicht Sandschicht, zwischen zwei wasserdichten Schichten bc und cb, vielleicht Thon und Granit, so wird das atmosphärische Wasser sich in a sammeln u. von dem höheren Punkt A nach dem niederen, B‘, wo kein Gegendruck einer wasserdichten Schicht es vom Abfluß hindert, hinfließen; das in der Schicht à gesammelte Wasser wird also, von der Wassersäule A B niederwärts gedrückt, bei B als natürliche Quelle Abfluß finden. Denkt man sich jedoch bei Peine Offnung durch die obere wasserdichte Schicht eb bis zur wasserhaltigen Schicht a hinabgeführt, so wird der bei stattfindende Wasserdruck ein mehr oder weniger hohes Aufsteigen des Wassers durch die Offnung P. bedingen, und zwar richtet sich dieses Emporsteigen des Wassers nach der Höhe 4der Wassersäule in der Schichta. weisen wir auf Art. Bergbohrer u. auf: Bruckmann, vollständige Anleitung zur Anlage etc. Artes. Br., Heilbronn 1833; Erdbohrkunde v. Aug. Heinrich Beer, Prag 1858. Hier sei davon nur Folgendes erwähnt. Zunächst wird (Fig. 258) ein cirea 2 m. tiefes Loch von 2—3 m. Durchmesser ausgegraben, um als Werkstätte zu dienen. Nun beginnt das eigentliche Bohren mit dem Meißelbohrer, Fig. 259 b, der in dem Schwengel a befestigt ist, welchen zwei Arbeiter ruckweise fallen lassen, dann mittels des Baumes a Fig. 258 wieder heben und etwas drehen, so daß sich allmählich ein eylindrisches Bohrloch bildet. Ist das Bohrloch mit Bohrmehl angefüllt, so wird statt beein hohler Bohrer angeschraubt, é in der Ansicht, im Durchschnitt, in vergrößerter Unteransicht. Durch die hier zu sehende Offnung und die innere, blos nach oben sich öffnende Klappe wird das Bohrmehl bei Umdrehung dieses Bohrers in denselben eingeführt und mit ihm heraufgezogen; bei Erreichung größerer Tiefen werden die Stangen fg zur Verlängerung des Bohrers verwendet; h ist Fig. 259. Werkzeuge zum Bohren Artes. Br. Bergbohrer. 94414 Bes. berühmt sind die A. Br. v. Grenoble u. Passy bei Paris. Die Bohrung des ersteren dauerte von 1833 bis Mitte des Jahres 1841, erstreckte sich bis zu einer Tiefe von 516 m. durch eine im grünen Sandstein liegende Schicht von sandigem Thon und wurde mittels der gewöhnlichen Bohrwerkzeuge und Eisenblechröhren, deren Weite mit wachsender Tiefe geringer genommen wurde, unter vielen Schwierigkeiten mit 400 000 Fres. Aufwand hergestellt. Zuerst lieferte der Brunnen eirca 3 Millionen 1. sandiges Wasser in 24 Stunden; später, als man das etwa 25 em. weite Rohr bis auf30müber den Boden erhöht hatte, kam das Wasser klar, aber täglich nur noch eirea 1 Million J. Der Wasserspiegel liegt eirea 481 m. unter dem Meeresniveau und wird durch eine 68,, m. hohe Säule in eine Glaslaterne geliefert, so daß der Brunnen das Aussehen eines Leuchtthurmes hat. Als die Stadt sich weiter gegen das Bois de Boulogne ausdehnte, wurde ein zweiter Artesischer Brunnen in der jetzigen Avenue d'Eylau über der Ebene von Passy in 31 m. Höhe vom Meeresniveau durch den Ingenieur Kind begonnen, der ein neues Bohrsystem anwendete und einen Artesischen Brunnen von 0,3 m. Durchmesser, 23 m. Tiefe und 13 Millionen L.täglicher Wasserlieferung für 35000 Franes herzustellen versprach. Das dabei angewendete Bohrwerkzeug wog 1500 Kg. Es war an eirca 9 m.llangen hölzernen Stangen von 8,3 em. im Quadrat angehängt, welche durch eiserne Verbindungsstücke leicht vereinigt und wieder gelöst werden konnten. Das Bohrwerkzeug selbst ist mit einer Art Klammer versehen, mittels welcher man es durch das Gestänge heben, dann aber frei fallen lassen kann; die Fallhöhe betrug etwa 1 m. u. das Gestänge wurde durch Führungen in der Mitte des Bohrloches erhalten. Das mit diesem Werkzeug gebohrte Loch hatte 80 em. Durchmesser, um es mit 10em. dicken Pfosten aussetzen zu können. Nach diesem System hat Kind Artes. Brunnen von über 500 m. Tiefe gebohrt. Beim Bohren stößt man häufig auf größere Steine od. feste Kiesschichten, u. es wird dann oft sehr mühsam, auf die bis jetzt gewöhnliche Weise, mit Meißelbohrern, durchzukommen. Bei der Bohrung eines dergl. Brunnens auf einer Meierei zu Gjoddesthal in Dänemark war man in einigen Wochen durch salzhaltigen Kalk gekommen, aber auf etwa 20 m. Tiefe stieß man auf eine sehr harte Feuersteinlage, sodaß man nacheinigen Tagen schon den Brunnen aufgeben wollte, als der die Bohrung leitende Techniker versuchte, Dynamit anzuwenden. Man reinigte den Boden des Bohrloches sorgfältig, ließ dann vorsichtig eine Flasche hinunter, welche kg. Dynamit enthielt und an zwei durch den Pfropfen geführten Kupferdrähten hing, welche oberhalb durch Guttapertscha isolirt waren. Als die Flasche den Boden des Brunnenloches berührte, wurden die Drähte mit einem galvanischen Apparat verbunden. Es erfolgte eine Explosion, welche das im Bohrloch stehende Wasser hoch in die Luft emporschleuderte. Das Bohrloch füllte sich aber sofort wieder mit Wasser, denn man war so glücklich gewesen, nicht nur die Feuersteinschicht zu durchbrechen, sondern auch den Zugang zu einer wasserreichen Erdschicht zu öffnen, so daß ohne weiteres Bohren der Brunnen täglich 700—800 Tons Wasser liefert. Sonach dürfte in Zukunft der Dynamit eine wichtige Rolle bei Herstellung Artesischer Brunnen spielen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 161Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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