Brunnen, m., 1. frz. puits, engl. spring, well, ital. Po2⁰0, eine Vertiefung in der Erde, aus der das Wasser entweder von selbsthervorquillt od. durch Kunst herausgezogen wird. Die ersteren sind natürliche B. und Quellen, auch hier und da Springbrunnen genannt, die= letzteren gesuchte oder Bohr⸗= brunnen. Hat sich herausgestellt, daß das Wasser eines natürlichen B.s zum Trinken geeignetist, so wird nachgegraben, um zu untersuchen, ob die Quelle gehörige Stärke hat, u. Verunreinigung durch Tagewasser zu schützen, umgiebt man die Umfassung des Kessels mit einer zweiten Mauer in 25—40 em. Abstand von der ersteren und füllt den Zwischenraum mit Thon aus (Thonkammer). Soll der B. nicht an der Stelle benutzt werden, wo er entspringt, so führt man das Wasser aus dem Brunnenkessel nach dem Bestimmungsort mittels einer Röhrfahrt(Brunnenleitung) fort. Die Röhren müssen mindestens 1 m. tief in der Erde liegen, den gehörigen Fall haben u. am Einfluß mit einem Sieb versehen sein, um Unreinigkeit abzuhalten. Am Ende der Röhrfahrt wird ein Röhrstück, der Brunnenstock, Post, senkrecht aufgestellt, in welchem das zuquellende Wasser bis zum Auslauf aufsteigt. Die gebohrten B. werden in der Regel vom Brunnenmacher hergestellt; hierzu muß zunächst die unterirdische Quellelsrunnenader)gesucht werden, durch Bohren od. Graben, welches man unter dem bergmännischen Ausdruck Abteufen zusammenfaßt. Soll der B. gegraben werden, was meist ein Brunnengräber, frz. fontainier, sondeur, engl. well-sinker, besorgt, so muß man das Loch (die grunnengrube) über den Durchmesser, man beim Graben auf Felsen, so muß man denselben sprengen. Hat das Erdreich der Grubenwände genügende Festigkeit, so kann man ohne Stützung desselben, bei ungenügender Festigkeit aber nur, indem man dasselbe abspreizt od. aussteift, biszu Erlangung genügenden Wasserstandes graben. Das Abspreizen geschieht, indem man an die Wand der Brunnengrube Breter aufrecht anlegt und zwischen je zwei einander gegenüberstehende Breter Spreizen einbringt. Das Aussteifen durch steilstehende Schrägstützen wird angewendet, wenn einzelne Stellen der Wandungen unsichererscheinen. Wennsich etwa in der Tiefe schädliche Gase zeigen, so muß man die Luft in der Brunnengrube durch hineingeworfene brennende Schwärmer od. hinabgelassene Feuerkörbe reinigen. Hierauf wird die Brunnenmauer, auf einem nach der Weite des B.s aus Bohlen zusammengefügten Brunnenkranz, aus Ziegeln od. Bruchsteinen in Lehm od. Moos od. auch wohl ohne alles Bindemittel (trocken) aufgeführt und mit Thon hinterstopft. Ist das Erdreich, welches die Brunnengrube umgiebt, nicht fest genug, wie z. B. Triebsand, oder ist das Eindringen von Obergrundwasser zu gewärtigen, so gräbt man zuerst blos einige Fuß tief, soweit es eben des Erdreichs Festigkeit gestattet, oder soweit noch kein Wasser von den Seiten eindringt. Auf dem geebneten Grund wird nun der Brunnenkranz od auch wohlein Grundring vonEichenbohlen gelegt (s. Fig. 1004), der bei a mit Eisen beschlagen ist. Darauf wird die Brunnenmauer mit Cement aufgeführt, wobei man vier eiserne Bolzen b lothrecht mit vermauert. Indem man nun, wie bei c angedeutet, unten das Erdreich entfernt, senktsich das Mauerwerkherunter; dann wird oben wieder fortgemauert und das Senken so lange wiederholt, bis der B.tief genug ist, und dann weiter aufgemauert. Dabei dienen die Ankerbolzen bgleichzeitig als Hängeeisen zu Erhaltung einer gleichmäßigen Einsenkung. Das Ausheben des Bodens geschieht meist mit Schaufel u. Spaten, bei zu hohem Wasserstand mit Schöpfschaufeln. Statt des Grabens kann man aber, wie erwähnt, auch mittels des Bohrens die Brunnengrube herstellen. Sowohl hierzu als zu dem Ausheben des Bodens unter dem Mauerwerk, welches sich senken soll, ist der in Fig. 1005 u. 1006 in ½½6 natürlicher Größe dargestellte Trichterbohrer aus 1 ½ mm. starkem Eisenblech sehr zweckmäßig. B sind angenietete Bügel, Oeine tannene Stange; B ist um e drehbar. Beim Bohren wird C bis B gedreht und die Hülse füber Bgeschoben. ceist eine Lederklappe, die den Schlitz bb verschließt. Der Bohrer wird in den Sand eingedrückt und in der Richtung des Pfeils gedreht; dabei schneidet b in den Sand ein und dieser dringt in den Trichter; die Arbeiter stehen auf einem Gerüst über der Grube. Das Bohren der B. erfolgt auch wohl mit großen Anbrechbohrern (s.d.), auch Brunnenbohrer genannt. Vgl. auch d. Art. Artesischer Brunnen, Bergbohrer, Endbohrer, Erdbohrer etc. In Fig. 1007 ist eine Vorrichtung zu Benutzung eines ähnlichen Bohrers dargestellt. Aist der halbeylindrische, unten mit einer Schneide versehene Bohrer, welcher mittels der Stange B durch ein Seil D innerhalb eines Dreifußes aufgehängt ist. Die Ausführung der Arbeit ist aus der Abbildung leicht verständlich. — Bei sehr tiefen B. legt man wohl auch Dunstzüge hinter der Ummauerung an. Hat die Brunnenmauer das Erdniveau erreicht, so ist der eigentliche Brunnenbau vollendet. Soll eine Pumpe darin eingesetzt werden, so müssen in der Mauer einige Löcher übers Kreuz gelassen werden, um bei etwaiger Reparatur hinuntersteigen zu können. Der Bedarf des Materials für Brunnenmauern aufeinen steigenden m.bei 1,¾Im. Lichtenweite ist: bei 43 em. Stärke 3½ obm. Bruchsteine, ½ ebm. Kalk od. ½ ebm. Cement; 520 Stück Ziegel große Form, ½ Cbm. Kalk oder ½½5 ebm. Cement; 560 Stück Ziegel kleine Form, /i% ebm. Kalk oder /u ebm. Cement; von Formziegeln, große Form, 521 Stück, /½ obm. Kalk, ½ cbm. Cement; von Formziegeln, mittlere Form, 616 Stück, ½%½ ebm. Kalk, ½ ebm. Cement. Bei 2m. Lichtenweite: von Bruchsteinen mit 43 em. Stärke, 4½¼ ebm. Steine, 1 ¼½ ebm. Mörtel od. / ebm. Cement; von Ziegeln, große Form, 700 Stück, ¾½2 ebm. Kalk, / ebm. Cement; von Ziegeln, mittlere Form, 820-Stück, ½ ebm. Kalk od. ½ ebm. Cement; von Formziegeln, große Form, 704 Stück, ½2 Cbm. Kalk oder ½ ebm. Cement; von Formziegeln, mittlere Form, 825 St., ½ ebm. Kalt od. ½ Cbm. Cement. Nach Gestaltung des Oberbaues, sowie nach den verschiedenen Vorrichtungen zur Emporhebung des Wassers, theilt man die B. ein wie folgt: AI. Schöpfbrunnen (Zieh⸗, Galgbrunnen), engl. drawwell. Radbrunnen, frz. puits àroue, wo das Wasser durch Treibung eines Rades (Brunnenrad) geschöpft wird, das in einen Drehling greift, der an einer Welle od. Rolle befestigt ist, worüber zwei Eimer an Ketten oder Seilen gehen. b) Ziehbrunnen mit Scheibe, Flaschenzug etc., frz. puits à poulés; hier hängt an dem Holm eines hohen, aus zwei, oben durch eben jenen Holm verbundenen Säulen bestehenden Gerüstes oder sonstwie über der Brunnenöffnung ein Kloben, und über denselben läuft ein Seil od. eine Kette, an deren Enden die Brunneneimer angehängt sind und abwechselnd heruntergehen, welche aber auch in ähnlicher Weise nach dem Stockwerke eines Gebäudes hinaufgezogen werden können. e) Schwengelbrunnen, frz. puits à bras, àlevier (Plumpe), blos bei seichten B. statthaft, miteiner aufrecht stehenden SäuleBrunnensäule), auf welcher sich in der Brunnenschére mittels eines Bolzens ein langer Schwengel(Brunneuruthe, püttschwengel) bewegt. an dem Stangen, unten mit einem Eimer, in die Oeffnung des B.s hängen. Das Aufziehen des Eimers wird dadurch erleichtert, daß der Schwengel am hinteren Ende schwerer ist als am vorderen. d) Haspelbrunnen, nu., puits à treuil, engl. windlass-well. Das Aufziehen der Eimer mittels eines Haspels ist zwar leicht, aber sehr zeitraubend. B. Pumpbrunnen, frz. puits Apompe, engl. pump-well. Die in den B. eingelegte Hebevorrichtung, die Pumpe, frz. pompe, engl. pump;kann verschiedener Art sein: a) Saugpumpe, eine 7—22 cm. weite Röhre, unten verschlossen, ist inmitten des B.s mittels einer Verzimmerung befestigt. In diese Röhre wird ein genau hineinpassender, hohl ausgedrehter Cylinder von Eichenholz eingestoßen, auf den eine Klappe (Ventil) von Leder genagelt ist, die das durch eine 55 cm. vom Grund in die Röhre gebohrte O Oeffnung tretende Wasser in die Höhe läßt und sich dann schließt, so daß es nicht wieder hinab kann. Diese Klappe hat oben einen eisernen Bügel, woran sie bei vorkommenden Reparaturen herausgezogen wird. Oberhalb des Ventils bewegt sich in der Röhre an einer eisernen Stange (Ziehstange)/ ein durchbohrter und ebenfalls mit lederner Klappe versehener Wzemer Stempel (Pumpenkolben); auf die Hubhöhe desselben ist die Röhre mit Kupfer gefüttert. Wird nun der Stempel mit der Ziehstange durch den in einer Angel gehenden oder an ein Rad mittels Krummzapfens befestigten Brunnenschwengel in die Höhe gezogen, so verdünnt sich die über dem Wasser befindliche Luft, das Wasser steigt in die Höhe, stößt die Ventilklappe auf, die sich, wenn das Wasser bis zur Stempelklappe gekommen ist, wieder schließt; durch wiederholtes Pumpen steigt das Wasser durch die Stempelklappe und so fort bis zum Ausfluß. b) Eine neuere Art von Pumpbrunnen sind die sog. amerikanischen, abessinischen Rohr-od. Ramm-⸗ brunnen, welche sich bes. da empfehlen, wo schnelle Anlage eines B.s geboten ist; vorausgesetzt ist dabei, daß das Wasser sich nicht tiefer als 78 m. befindet oder doch soweit durch den Erddruck heraufgepreßt wird, weil sonst das Ansaugen desselben nicht mehr möglich ist. Die Anlage eines solchen B.s besteht darin, daß man ein dünnes schmiedeeisernes Rohr allmählich unter Zusammenschrauben bis zu gehöriger Tiefe in den Boden einrammt u. zuletzt oben mit einer kleinen Saugpumpe in Verbindung setzt. Die Erfindung solcher Rammbrunnen soll schon 1831 von einem Techniker Heinrich Malm in Berlin, allerdings nur unter Anwendung hölzerner Röhren, gemacht worden, durch dessen Auswanderung nach Amerika gebracht u. dort vervollkommnet worden sein. Die Amerikaner nennen als Erfinder William Morton. Der Rohrbrunnen in seiner gewöhnlichen Anordnung ist nicht fähig, Felsen oder feste Gesteine zu durchbrechen, wohl aber vollkommen geeignet, in sehr harte u. dichte Bodenarten einzudringen; auch durch Kalkgerölle mit Kieselsteinen kann er hindurch gebracht werden, u. selbst wenn feiner Sand in der wasserführenden Schicht sich befindet, kann man denselben noch gangbar erhalten. Das erste Rohrstück wird miteinem spitzen Stahlschuh versehen und an das oberhalb der Erdoberfläche befindliche Rohrende ein Muff od. eine Kluppe befestigt, auf welche der Rammklotz aufschlägt, wobei man gleichzeitig das Rohr öfter etwas dreht; auf diese Weise kann selbst festes Gestein durchstoßen werden. Sobald ein Rohrstück bis aufeine gewisse Tiefe eingerammt worden ist, wird ein neues Stück angeschraubt und so lange in dieser Weise fortgefahren, bis die wasserführende Schichterreicht worden ist, worauf häufig das Wasser sofort von selbst zu Tage tritt. e) Druckpumpe; eine solche besteht aus zwei, mittels einer dritten verbundenen Röhren. In der einen kurzen Röhre, in welcher sich das Ventil und der Stiefel mit dem Stempel befindet, tritt das Grundwasser heran; nachdem sich das Ventil geschlossen, drückt der Stempel das Wasser durch eine im Stiefel befindliche Oeffnung in die Verbindungsröhre und durch dieselbe in die andere Röhre (Steigröhre), in welcher es durch wiederholtes Pumpen bis zum Ausfluß in die Höhe steigt. Näheres s. im Art. Pumpe. C. Springbrunnen, frz. fontaine montante, engl.springwell, living fountain, span. chorrito, lat. silamus, ital. saltadero, kann ein natürlicher oder künstlicher sein. In bergigen Gegenden kann ein hochliegender Quell sich durch die Erde durcharbeiten bis zu einer niedrigen Stelle und dann aus einer Oeffnung vermöge des hydrostatischen Drucks in die Höhe springen,s. Artesischer B., od.das Wasser wird durch unterirdische Röhren in ein Thal geleitet, oder es wird ein Druckwerk errichtet, welches das Wasserzwingt, eine entsprechende Höhe anzunehmen; s. Springbrunnen. D. Sammelbrunnen, Cisternen oder Brunnenkessel müssen mindestens 1,½3 m. unter der Erdoberfläche liegen u. werden in Lehm vermauert, die Lagerfugen durch Moos verdichtet. Dabei braucht man über obige Ansätze für den Mörtelbedarf auf jeden Kubikm. Mörtel ½ ebm. Lehm, ½ ebm. dichtzusammengedrücktes Moos; hingegen bei Quellbrunnen, die in Kalkvermauertwerden sollen, auf 160böm. Mörtel ½¼% ebm. ungelöschten Kalk u. ½ ebm. Sand. Ueber die bes. Einrichtung der Cisternen s.d.betr. Art. — 2.(Schiffb.) s.v.w Brune (s.d.). — 3. frzpuits, m.zengl.shaft(Kriegsb.), in Minen s. v. w. Schacht, d. h. der vertikale Niedergang beim Minenbau, der meist in Form eines Rechtecks niedergesenkt wird, um von der erreichten Tiefe aus die horizontalen Gänge fortzutreiben oder auch frische Wetter in bereits vorhandene Gänge zu bringen. — 4. Senkbrunnen, s.v.w.Senkgrubels.d.). —5. Gründungsbrunnen, s. Brunnengründung. — 6. Weihbrunnen ;in vielen katholischen Kirchen sind in der Kirche selbst oder im Kreuzgang besondere B. angelegt, um das Weihwasser zu schöpfen. Mehr s. in M. M. a. W. — 7. Reinigungsbrunnen finden sich in Vorhöfen der altchristlichen Basiliken und der Moscheen; vgl. M. M. a. W. — 8. Taufbrunnen (s. d.).