FeedBrunnen ist die künstliche
TechnikBrockhaus 1882

Brunnen ist die künstliche, festliegende Fassung örtlich zufließender Flüssigkeit zur Vermittelung ihres Bezugs. Nach der Flüssigkeit unterscheidet man Süßwasser⸗ ineralwasser⸗, Erdölbrunnen u. s. w. Die Süßwasserbrunnen selbst können Cisternen, in denen Regenwasser angesammelt wird, oder auch Quellwasser⸗, Flu wasser⸗, Grundwasser- und Artesische Brunnen (s. d.) sein. I. Nach der Art der künstlichen Fassung sind die B. in Rohrbrunnen, Schachtbrunnen und Brunn-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. III. stuben zu unterscheiden: A. Bei den Rohrbrunnen ist die Fassung, in welcher das Wasser aus der Tiefe emporsteigt ein Rohr. Die Herstellung der5 105 geschieht, indem man entweder mittels des zergbohrers (s. d.) Löcher in den Boden bohrt und diese, wo nötig, mittels Rohre auskleidet (gewöhnliche Bohrbrunnen), oder indem man das Rohr selbst direkt in den Boden durch darauf geführte Schläge einrammt (Rammbrunnen), oder das Rohr durch Einpressen von Druckwasser, welches unten austretend den Boden erweicht, mittels Drehen in die Tiefe er erste Rohrbrunien ebohrte Brunnen). Der erste Rohrbrunnen soll ein zugespitztes, in die Erde etriebenes Bambusrohr gewesen sein, durch dessen Poren ein Neger das Wasser ansaugte. Jetzt entnehmen Tausende menschlicher Wohnstätten und industrielle Anlagen ihr Wasser aus solchen B. Die Rammbrunnen, auch amerikanische, abessinische oder Nortonsche B. genannt, bestehen aus einem schmiedeeisernen Rohre, das unten mit einem spitzen, durchlöcherten Stahlstück versehen ist. (S. Tafel: Brunnen, Fig. 3) und durch aufschraubbare Stücke successive verlängert wird. Das Eintreiben (s. Fig. 1) geschieht durch Heben und Fallenlassen eines Rammklotzes C, welcher durch die Röhre A seine Führung erhält und auf eine Hülse B schlägt, welche mit dem Rohre in fester Verbindung steht. Ist eine brauchbare, wasserführende Schicht erreicht, so wird eine Pumpe (Fig. aufgeschraubt und mittels dieser das Wasser emporgehoben. B. Alsch Art kamen mit Erfolg in Abessinien und im Aschantilande zur Anwendung; sie sind in der engl., österr. und deutschen Armee eineführt. Die Amerikaner nennen als Erfinder William Norton; doch soll ein ähnlicher Vorgang mit „Ramen Rohren schon 1831 von einem Deutschen, Namens Heinrich Malm in Berlin, zur Anwendung gebracht worden sein. Statt der Röhre in der Nähe der Erdoberfläche einen Schlag zu erteilen, wie bei dem eben beschriebenen Nortonschen Verfahren, wird bei der neuern Anordnung von Le Grand u. Sutceliff (Fig. 4) der Schlag durch einen mit Stahl r 95 enen Stempel abgegeben, der im Innern der öhre Platz findet und niederfallend den Stoß direkt 9 die Spitze überträgt, wodurch die Röhren mehr geschont werden und sich nicht biegen, wenn sie auf einen harten Körper stoßen. Die größte Tiefe, bis auf welche ein U zu Deal in Kent durch einfaches Einrammen gesenkt wurde, beträgt 35 m, doch erhalten sie in der Regel geringere Tiefe von 78 m, um das Aufsaugen des Wassers dur en Boden Pumpen zu ermöglichen. In günstigen Bodenarten (grober Sand, Kies, Kalkstein und einigen Mergelarten) kann ein 75 mm weiter Rohrbrunnen liefern. Bei Herstellung größerer Anlagen werden zweckmäßig mehrere B. durch Ansatzstücke an ein gemeinsames, horizontales Hauptrohr —½ und durch Dampfpumpen betrieben. o besitzt eine Brauerei zu Burton am Trent 30 gekuppelte, 75 mm weite zndicer Auhe aus welchen drei Pumpen in 10stündiger Arbeit 2770 ebm Wasser fördern. Die hydraulische Röhrenabteufung ist durch Desenis und Jacobi ausgebildet worden. In Hamburg und Umgebung sind bis 1880 etwa 300 Rohrbrunnen nach dieser Methode bis zu Tiefen von 290 m zur Ausführung gelangt. Dieses Verfahren verspricht eine große Zukunft. B. Die Schachtbrunnen, auch B. mit weitem Kessel genannt, H. in solche mit wasserdichter Umse ließung und in solche, bei denen Mantel und Sohle teilweisen Wasserdurchlaß gestatten. Zu den erstern gehören die Cisternen; diese bestehen aus Büden Reae überwölbten Bassins, die so tief im Boden liegen, daß weder Frost noch Sommerwärme eindringt, sind mit den nötigen Vorrichtungen zur zweckmäßigen Zuleitung des in der Umgebung niederfallenden Regens und Schneewassers, zur Wasserentnahme und Reinigung versehen. Sie speichern das Wasser ph und müssen infolge Ungleichförmigkeit der atmosphärischen Niederschlagsverteilung je nach den klimatischen Verhältnissen den Bedarf von drei bis vier Monaten und darüber fassen können. Sie finden n Beweise in wasserarmen Gegenden, so z. B. in Venedig, Ostfriesland u. s. w., sowie in Festungen, wo Fluß⸗ oder Röhrenwasser mangelt oder im Kriegsfalle vom Feinde entzogen werden könnte, Anwendung. ig. 5 zeigt eine Cisterne Venedigs. Der paßer-Schacht it wasserdicht, der innere unten wasserdurchlässig, oben mit wasserdichten, gebrannten Steinen ausgefüllt und trägt meist ein korinth. Kapitäl aus weißem Marmor; der Raum zwischen beiden Schächten ist mit einer Sandschicht ausge-Dm welche filtrierend und Wasser haltend wirkt. en Euwaß des den B. speisenden Len und Straßenwassers vermitteln ausgemauerte Rinnen. Zu größern Cisternenbauten gab neuester Zeit die Durchführung der Wasserversorgung 111 die Dalmatiner Staatsbahn Veranlassung; so wurde zu Petrowie eine Cisterne von 6800 ebm Fassungsraum rlaeane „Sie erhält das Wasser eines Niederchlagsgebietes, welches zum Teil (2800 qm) in eton mit Cementüberzug gedichtet und geglättet, zum Teil (11500 qm) mit Platten abgepflastert, zum Teil (10000 qm) roh planiert ist. Der Brunnen mit offener Sohle dient Nuß zum Bezuge von Grund-coder benachbartem lußwasser, welches aus dem damit gesättigten oden eindringt; sobald der dufen 8der im B. auf künstliche Weise, dies⸗ Schöpfen oder Pumpen, gesenkt wird, da B. dieser Art in feinem Sande angelegt sich leicht mit Sand füllen, versanden, hat man die Sohle von unten nach oben mit allmählich grobkörniger werdendem Sand und Kiesschichten gefüllt und zur Vermehrung der Ergiebigkeit mit durchlässigem Mantel versehen, den man früher ser in aus Trockenmauerwerk, in neuerer Zeit besser mittels zweier Cylinder von verschiedenem Durchmesser herstellt, zwischen welche man fein zerteiltes Steinmaterial füllt. Ein B. dieser Art in Berlin wester, bei 4,29 mäußerm und 1,57 m innerm Durchmesser, 16,9 m Wasserstand und 1,57m Senkung des Wasserspiegels stündlich bis zu 1855001 Wasser. Bisweilen werden B. teilweise mit dichtem, teilweise mit durchlässigem Mantel ausgeführt; dies ist namentlich der Fall, wenn sich, wie 3. B. bei der natürlichen Filtration des Flußwassers, in den obern Schichten des Bodens unbrauchbares, in den untern Schichten dagegen brauchbares Wasser findet. Die Herstellung der Schachtumkleidung erolgt in Holz mit Hilfe einer Bretterverkleidung, ie sich gegen aufgehangene hölzerne Rahmen, die Brunnenkränze (Zig. 6), stützt, durch Mauerung oder in Guß-oder Schmiedeeisen. Die Mauerung geschieht häufig mit Zuhilfenahme eigener Ziegel, welche die Aufführung kreisförmiger Umschließungen erleichtern. Bei nachgiebigem Boden (Sand u. s. w.) wird die Mauer anfänglich auf einen eisernen oder hölzernen Brunnenkranz gesetzt. Vei Aushebung des Schachtes und Untergrabung des Kran2* senkt sich derselbe samt der auf ihm ruhenden auer. (S. Fig. 8 u. 9.) Diese wird von oben aus successive erhöht, ein Verfahren, welches man mit Vorteil nicht nur bei der Herstellung von Schächten überhaupt, sondern auch bei Fundierungen von Brunnenpfeilern u. s. w. mit Vorteil in Anwendung gebracht kun Re ganz ähnlicher Weise kann die Versenkung eiserner B. erfolgen. Große B. mit offener Sohle finden wir vielfach für Wasserversorgungszwecke größerer Städte als Bezugsquellen der Wasserleitungen angelegt; so zu Dresden, Berlin, Prag, Elberfeld u. s. w. Sehr tiefe B. finden sich auf dem Königstein, in Silberberg, auf dem Wendelstein in Thüringen u. s. w. In den Städten sucht man von der Wasserbeschaffung mittels Sammelbrunnen im Stadtinnern in neuerer Zeit aus Gesundheitsrücksichten meist abzugehen. Denn beim Zusammenleben einer großen Bevölkerung auf einem verhältnismäßig kleinen Raume häufen sich Abfälle, welche nicht immer entfernt werden können, sondern vielfach eine Infizierung des städtischen Grund und Bodens herbei führen, dadurch eine allmähliche Vergiftung der B. bewirken und Brutstätten von Epidemien erzeugen. Die B. sind, in unmittelbarer Nähe von Dungstätten und Aborten in den Höfen angelegt, häufig zu Reservoirs für die abfiltrierte Stadtlauge geworden, die von den Bewohnern, durch die Grundwasser verdünnt, getrunken wird. ie neuesten Forschungen deran ergeben, daß eine derart auf unreines Wasser angewiesene Bevölkerung zur Zeit des Auftretens von Typhus, Cholera u. s. w. 3½ mal so viele Todesfälle erleidet als eine solche, welche reines und gesundes Wasser trinkt, und daß die mit fäcalen und andern Bestandteilen infizierten B. die besten Träger der Stoffe sind, welche Epidemien verbreiten. Auch in sonst guten wird das Wasser zuweilen, wenn es längere Zeit steht oder durch sonstige Zufälligkeiten, schlechtschmeckend, trübe. Diesem Übelstande hilft man ab durch eine nach der Quantität des Wassers bemessene Menge Kochsalz oder Steinsalz, das man in den B. wirft, den man einige Tage ruhen läßt. Überhaupt ist es zweckmäßig, diese Reinigung jährlich einmal, namentlich im hohen Sommer vorzunehmen. Die Wasserergiebigkeit bestehender B. kann durch Durchlässigmachung des Mantels, Vergrößerung des Durchmessers oder durch Vertiefung erzielt werden, wenn bekannt ist, daß die tiefern Schichten wasserführend sind. Mitunter hat man von der Brunnensohle ein System von durchlöcherten Sammelröhren ausgehen lassen, welches die einzelnen Wasseradern aufsaugt und dem B. zuführt. Einen B. dieser Art zeigt Fig. 11. In primitiver Weise können Schachtbrunnen durch hölzerne Tonnen ersetzt werden, die man im Niveau des Grundwassers in die Erde versenkt und durch Gräben und Deckel vor dem Eindringen des Tagwassers schützt; eine Notbrunnenanlage dieser Art, wie sie im Felde angewendet wird, zeigt Fig. 7. C. Brunn⸗ oder Brunnenstuben, auch Wasserschlösser uni dienen zur Auffangung direkt an der Erdoberfläche hervorbrechender Quellen. Sie bestehen aus hölzernen oder gemauerten bassinartigen Umschließungen, über welchen meist ein eigener Aufbau als Decke zur Abhaltung atmosphärischer Einflüsse sich erstreckt. Sie sind mit Ausläufen zur Abführung des häufig überschüssigen Wassers versehen und bilden ebenfalls die Ausgangspunkte größerer Wasserversorgungen. Hervorragende Beispiele dieser Art zeigen das Wasserschloß des Kaiserbrunnens im Höllenthale der Wiener stube der Frankfurter Ouellenleitung (Fig. 10). II. Nach der Vermittelungsart des Bezugs sind Springbrunnen, Auslaufbrunnen und Hebebrunnen 0 unterscheiden. A. Springbrunnen sind B., bei denen das Wasser kraft des in der Leitung wirkenden naraklich Der Drucks, welcher entweder durch natürliche Verhältnisse, wie bei den Artesischen B., geboten sein kann oder künstlich durch Druckwerke hervorgerufen wird, in freiem Strahl über das Niveau der Ausmündung tritt. (S. Auslaufbrunnen, auch fließende Brunnen, sind B., an welchen das Wasser im Niveau des Bezugs aus einer Röhre tritt. In dieser Form erscheinen die B. meist als die Endpunkte tünstlich angelegter Wasserleitungen und bilden in Verbindung mit Springbrunnen vielfach Gegenstand künstlerischer Schöpfungen. Wir geben als Beispiel in 12 den auf Kosten des Hrn. Probasco für seine Vaterstadt Cincinnati nach Entwürfen von Kreling in der Erzgießerei zu München von F. von Miller u. Söhne 1871 ausgeführten prächtigen B. Eine den Regen als segenspendendes Prinzip charakterisierende Figur breitet ihre Hände über vier Gruppen, welche die Wohlthaten des Wassers als Heilquelle, als Bad,‚ feuerlöschendes und Pflanzen speisendes Medium verkörpern. Wasser aus einem — Niveau durch eigene Vorrichtungen in n eres Niveau geschafft wird. Nach der Art der Emporförderung unterscheidet man a) Schöpfbrunnen, bei welchen die Wasserförderung mittels Eimer geschieht, und zwar so, daß entweder an einem Seile zwei Eimer hängen, von denen ein voller Eimer emporsteigt, während der andere leer sich dem Wasserspiegel nähert (Radbrunnen), oder es kann ein Eimer mittels einer Kette an dem längern Arme eines Hebels, dessen beschwerter kürzerer Arm dem vollen Eimer nahezu das Gleichgewicht hält und dadurch das Heraufsebn erleichtert, befestigt sein (Schwengelbrunnen). ). Pumpbrunnen. Die Wasserförderung erfolgt mit Hilfe einer Saug⸗ oder Druckpumpe, oder einer Saug⸗ und Druckpumpe. Die unter A, B, C genannten Arten sind häufig mit einem Baf sin in Verbindung, welches momentan größern Bezug ermöglicht und mit einer hen .. tung für das überflüssige Wasser versehen ist. Litteratur: Hagen, Handbuch der Wasserbaukunsto (3. Aufl., Bd. 1: Die Quellen, B. u. s. w.», Berl. 1870); Petermann, «Anlage und Ausführung von B. und Wasserleitungeno (Stuttg. 1871); Fink, Theorie und Konstruktion der Brunnenanlageno (2. Aufl., Berl. 1878); Franzius und Sonne, «Handbuch der Ingenieurwissenschafteno (Bd. 3: „Der Wasserbau», Lpz. 1879); Sonne, „über Ausführung und Erfolg von Rohrbrunnenp. Im uneigentlichen Sinne benennt man in der Kriegsbaukunst, speziell im Minenwesen mit B. diejenigen Schächte, die zum Zwecke der Anbrindung von Minen auf der Brunnensohle (Angriffsrunnen) oder am Ausgangspunkt unterirdischer Minengänge (Galerien) I1 B. werden. — Im Schiffbau wird das Wort B., wohl auch Brune, für einen Verschlag im Schiffsraume gebraucht, in welchen man das eingedrungene Seewasser durch Rinnen leitet, um es von da auszupumpen. BVrunnen, Dorf im schweiz. Kanton Schwyz, 440 m über dem Meere, am rechten Ufer des Vierwaldstättersees unweit der Mündung der Muotta gelegen, besitzt ein großes Sust⸗ oder Warenhaus und mehrere Kurhäuser und Gasthöfe und ist als Station der Gotthardbahn und der Dampferlinie Luzern-Flüelen einer der wichtigsten Uferorte des Sees mit ch emes Touristen⸗ und Warenverkehr, zugleich auch seines milden Klimas und seiner schönen Lage wegen ein sehr beliebter Luftkurort. Die bemerkenswertesten Punkte der reizenden Umgebung sind die Kurhäuser Axenstein, Axenfels und Fahr alp, die Axenstraße und das Dorf Ingenbohl, das mit B. eine Gemeinde von (1880) 2457 C. bildet und ein Frauenkloster mit einer he besht. In B. und einer großen Wallfahrtskirche besitzt. In B. erneuerten am 9. Dez. 1315 die drei Waldstätte (s. d.) nach der Schlacht am Morgarten ihren 1291 geschlossenen Bund. runnenfaden, Pilzart, s. Crenothrix.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 627Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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