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BaukunstBau-Lexikon 1881

Balkenfaches von den Umfassungsmauern entfernt, wo der letzte Hauptbalken (C, welcher die Stichbalken EF für die Walmschifter aufzunehmen hat und deshalb auch, obgleich unkorrekt, Hauptstichbalken heißt, zu liegen kommt. Ungleiche Eintheilung ist gerechtfertigt, wenn durch ein Engerod. Weiterlegen der Balken bei vorkommenden Auswechselungen das Abtrumpfen von Hauptbalken umgangen werden kann. Ist CO gelegt, so werden die zu Aufnahme der Gratsparren erforderlichen Gratstichbalken DD, Grundlinie der Grate BD, in dendiesem der mittlere Stich Efür den Walmen, und von diesem, in gleichen Entfernungen gegen den Gratstich eingetheilt, die übrigen Sparrenstiche EF. Der Hauptstichbalken CO, welcher durch das Einzapfen der Grat- und Sparrenstiche sehr geschwächt wird, erhält deshalb größere Breite als die 1 übrigen Balken. Bei Dächern mit Widerkehr entsteht auf! der innern Seite eine Kehle (bei E) u. nach außen ein Grat ! (bei G). Ist wie hier die Widerkehr im rechten Winkel, und haben die beiden Arme der sich widerkehrenden Gebäude auch bei ungleicher Breite gleiche Firsthöhe, so fällt der Grundschlag für Kehle und Grat in eine gerade Linie GE, und es kann, wenn sonst die Anordnung der B.es gestattet, ein ganzer Balken nach dieser Diagonallinie gelegtwerden, welcher den Gratstich G und den Kehlstich Eersetzt u. als Grat- u. Kehlbalken zu bezeichnen ist. In Fig. 358 ist statt des durchgehenden Gratbalkens eine nach beiden Balkenrichtungen abwechselnde Auswechselung angewendet, so daß zuletzt ein Gratstich diese Auswechselung schließt. Der durch die sich anschließenden Balken Die in Fig. 359 gegebene B. für ein stumpfer Wiederkehr und gebrochenen Ecken bei Anordnung von Gebälken für Geunregelmäßigen Grundrissen als Anhalt zu Zwischengebälken müssen diejenigen Balken, welche Umfassungsmauern benutzt werden gegen die zu verankernden Mauern ebenso wie die Dachbinderbalken, nicht Kehl- u. Gratstiche bei Dachgebälken, größeren Schub zu widerstehen haben als die Sparrenstiche, werden durch ein Eisenband oder mit dem Hauptstichbalken, oder bei Ueberblattung mit mehreren Balken durch Aufschrauben eines darüber gelegüber mehrere Balken greift, gegen das Ausweichen gesichert. „In den Fällen, wo man, wie bei Überdachung großer Räume, kein )durchgehendes Gebälke anwendet, sondern nur die Binderbalken durchgehen läßt, zwischen denen Wechsel zu Aufnahme der Sparrenstiche eingelegt sind, muß Fürsorge getroffen werden, daß diese Wechsel nicht nach außen gezogen werden können. Fig. 360 stellt eine Sicherung zu diesem Zweck dar, indem über die Stiche eine Kopfschwelle a b nach innen gelegt und durch Streben bd und ad, welche gegen das Ende der Binderbalken sich stemmen, zu einem horizontalen Sprengwerk verbunden sind. Diese Verbandstücke werden mit den darunter befindlichen Hölzern verschraubt. B. Versenkte Balkenlage. In Gebäuden, welche ein flaches Dach haben und deren Bodenraum doch noch benutzt werden soll, legt man gern die Balken mehr oder weniger jenen Rähmen aufliegen und die Sparren tre tend holzsparend ist es jedoch, die Zangen d Stempel aufzuzapfen (wobei man blos auf den Bindern Stempel braucht) und auf die Köpfe der Zangen einen Rähmen zu legen, auf obem dann die Sparren aufgeklauet werden. Man kann übrigens bei jeder Dachkonstruktion und jedem Dachprofil versenkte Gebälke anwenden; vgl. d. Art. Dach, Balken etc. O. Englische Balkenlage mit Polsterhölzern aufHaupttramen, frz.empoutrerie anglaise composée de solives sur des poutres, engl. case-bay-work. Als Beispiel geben wir in Fig. 361 u. 362 die Ueberdeckung eines Raumes von 6 m. Breite bei 9 m. Länge, zu dessen Gebälke nach der gewöhnlichen deutschen Manier 13 gewöhnliche Balken erforderlich wären, wenn dieselben 03 m. von Mitte zu Mitte auseinander gelegt würden, und die Stärke dieser Balken, an beiden Enden aufliegend angenommen, müßte mindestens 06 und 0½½ m. betragen. Nehmen wir nun an, daß fünf Balken, auf die Hochkante gestellt u. parallel der schmalen Seite von 6 m.. in gleicher Entfernung von einander gelegt, nach Fig. 362 die gleiche Last tragen sollen, so werden diese fünf Balken bei einer Breite von 0,½ m. eine Höhe von 0,s m. erhalten müssen. Werden nun quer über diese etwa 2 m. von einander entfernten Balken A, mit ihnen stark überkämmt, auf 0,3 m. Entfernung (also 9) Bohlen B von 0, 4 m. Breite und 0,12 m. Höhe als Polsterhölzer gestreckt, so wird bei gleicher Tragfähigkeit die Hälfte an Holzmasse erspart. D. Doppelte englische Balkenlage aus Balken, Fehltramen u. Polsterhölzern, frz. empoutreérie anglaise composée de solives entrée deux rangs de soliveaux, engl. double floor. Wird die B. nach Fig. 362 disponirt, aber die Deckverschalung entweder an, unten quer über die Balken genagetle, Fehltramen oder nach Fig. 363 an eingezapfte Rähmlinge Ogenagelt und unter den Fußboden ein Blindboden gelegt, so fällt die bei anderen unumgängliche Ausfüllung der Balkenfache! können dann, bei viel geringerer Belastung d die Hauptträger in noch geringeren Dimensionen angewendet werden. E. Englische Balkenlage mit in die Träger eingezapften Balken, franz. empoutrerie anglaise à solives mortais6es, engl. kramed floor. Diese in England und einem Theil von Frankreich üblichen B.n (Fig. 364 - 366) sind insofern von den in Fig. 361 — 363 dargestellten verschieden, daß in starke, quer über den zu überdeckenden Raum (6 gelegte Träme A, frz. Poutres, engl. girders, maintimbers, schwächere Längbalken B, frz. solives, engl. binding-joists, mit Versatzung eingezapft und über diese, in gleicher9 den Trämen, noch schwächere Polsterhölzer O, veaux, liernes deé plancher, engl. bridé boardings-joists, in geringer Entfernung v direkt auf die den, so daß auf sie und auf die Tramen selbst, welche die Gebälken fast Gesamthöhe der beiden Bin haben, der Fußboden befestigt weg, und es werden kann. Zum Befestigen d. Deckenschalung werden in des Gebälkes, die unteren Längebalken Querriegel, Fehlträme, frz. Iam-Wi mit bourde de plafond, soliveau inférieur, engl. ceiling „franz. soli-joists, D mit eingeschleif ten Zapfen, u. zwar gerade unter ging- joists, die Polsterhölzer Oeingesetzt. Da bei dieser Anordnung Hon einander die Sicherheit der Bin allein von den Hauptträmen und der in Fig. 367 dargestellten geringen Verbindung des Längenbalkens Bmit dem Tramen A abhängt, so muß diese Verbindung durch geeignete Eisenarmirung gesichert werden. F. Französische Zallenlage, frz. empoutrérie à lambourdes accolées aux poutrelles, engl. french frameéd floor. Die Konstruktion ist fast wie bei den vorigen, nur die Verbindung der Balken mit den Trägern wird nicht nach Fig. 367, sondern n Man Fig. 369. Strahlenförmige Balkenlage. Fig. 370. sieht leicht ein, daß man dem Träger (poutrelle), da er gar nicht geschwächt wird, bedeutend kleineren Querschnitt geben kann, so daß man selbst inel. der Seitenverstärkungen (dambourdes accolées) noch an Holz spart, und dennoch an Zuverlässigkeit gewinnt. G. Strahlenförmige Balkenlage, franz. plancher à enrayure, enrayure, f., engl. radiant flooring; bes. bei guadratischen (Fig. 370), polygonen u. runden (Fig. 369) Decken ist diese B. häufig von Vortheil, die überdies noch den Vorzug hat, daß man meist kurze Hölzer dazu verwenden kann, während sie anderseits wiederum den Nachtheil bietet, daß die Last sich zum großen Theil auf den Hauptzugbalken, franz. entrait, engl. tie-beam, a a, Fig. 369 u. 370, überträgt; in diesem stecken zwei Halbzugbalken, b b. frz. demi-entrait, engl. half-tie-beam, dann folgt der Schrägwechsel, frz. gousset, engl. gusset, C; in diesem steckt der Gratstich, frz. Coyér, engl. arrisebeam, d, der bei polygonem Raum wiederum durch Schrägwechselsese, Fig. 369, mit à u. b verbunden ist etc., während bei viereckigen Räumen in ihm die Gratbalkenstiche f, Fig. 370, stecken. H. Versprengte Balkenlage für große Säle. Fig. 371 giebt die Decke eines Säles im Schloß Viarmes. Der Raum ist etwas über 14 m. ins Quadrat groß. Fig. 372 giebt eine etwas einfachere, aber auf ähnlichem Prinzip beruhende Konstruktion, die vor der ersteren außer der Einfachheit auch noch den Vorzug hat, daß die vielen Uberschneidungen, welche in Fig. 371 die strahlenförmigen Hauptbalken abschwächen, hier wegfallen. Es giebt begreiflicherweise noch sehr viele Arten, wie man Bin disponiren kann, doch würde die Aufzählung derselben Raum und Aufgabe eines Lexikons überschreiten. MS.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 235Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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