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PflanzenreichBau-Lexikon 1881

Balsam, m., frz. baume, m., engl. balm, balsam, ein mehr od. weniger dickflüssiges Gemenge von Harz u. ätherischem Oel, welches in verschiedenen Pflanzen erzeugt wird und entweder freiwillig od. aus in den Pflanzenkörper gemachten Einschnitten ausfließt. Ursprünglich bezeichnete man als B. blos das ätherisch-aromatisch-harzige Exkret des Balsambaumes, frz. balsamier, m., engl. balmtree (Balsamodendron gileadense), den sogenannten Mekka-⸗Balsam, s. u. 5; gegenwärtig aber gilt die Benennung für eine große Anzahl von flüssigen oder festen, aromatisch riechenden Pflanzenprodukten der verschiedensten Abstammung. In Frankreich nennt man B. alle harzartigen Körper, welche sich durch einen Gehalt von Zimmet- oder Benzossäure auszeichnen, ohne dabei auf die Konsistenz od. das Vorhandensein von aromatischen Oelen Rücksicht zu nehmen. Die bekannteren Balsamarten sind: 1. Tolubalsam; durch Einschnitte in den Stamm eines in den Gebirgen von Turbako und Tolu sowie am Magdalenenstrom wachsenden Baumes gewonnen. Frisch ist der B. gelblich, vollkommen durchsichtig und flüssig wie Terpentin; bei der Aufbewahrung verändert er sich ziemlich schnell und wird braun; hat aromatischen Jasmin⸗ u. Citrongeruch und dient als innerliches Arzneimittel sowie zu Parfümerien. 2. Perubalsam, frz. baume de Pérou, von den Myroxylon-Baumarten im centralamerikanischen Freistaat San Salvador. Im Handel kommen mehrere Sorten vor, deren Verschiedenheit durch die Bereitungsart veranlaßt wird. a. Der weiße Perubalsam, aus den Früchten der genannten Baumarten durch Auspressen gewonnen, hat einen angenehmen Melilotgeruch; b. der trockene Perubalsam soll aus dem weißen durch Erhärten an der Luft entstehen; 6. der schwarze Perubalsam wird aus dem Stamm der Myroxylon-Arten gewonnen, indem man die Rinde theilweise ablöst, zwischen Rinde u. Stamm Tücher schiebt und durch ein um den Baum angezündetes Feuer den B. zum Ausfließen bringt. Nach mehreren Tagen haben sich die Tücher mit B. vollgesogen und werden dann durch Auspressen u. Auskochen mit Wasser vom B. befreit. Nur der schwarze findet in der Medizin, als innerliches und äußerliches Arzneimittel, in der Chokoladefabrikation als Surrogat für Vanille und in der Parfümerie Anwendung. 3. Der kanadische Balsam, von der in Kanada, Virginien u. Karolina einheimischen Koniferenart Abies balsameéa, sammelt sich unter der Rinde der Bäume u. wird durch Einschnitte zum Ausfließen gebracht. Er ist frisch schwach gelblich, wird bald klar und riecht aromatisch, an Muskatöl erinnernd. Reiner Kanadabalsam wird, mit geringen Mengen gebrannter Magnesia zusammengerieben, sehr fest; er dient in der Optik zum Zusammenkitten achromatischer Linsen und in der Mikroskopie zum Aufbewahren von Präparaten. 4. Der Copaivabalsam stammt von mehreren Copaifera-Arten in Peru, Mexiko, Brasilien u. auf den Antillen. Man gewinnt ihn aus den Bäumen, indem man nach der Regenzeit Einschnitte in dieselben macht; er fließt aus den Einschnitten so reichlich ab, daß oft ein einziger Schnitt 10 Pfund B. liefert. Im Handel kommen mehrere Sorten vor. Der brasilianische ist der am meisten geschätzte. Der von den Antillen ist zäher und dunkler., Verfälscht werden diese Balsame bes. mit Terpentin und Ol. Die Anwendung des Copaivabalsams ist sehr manchfaltig, z. B. zur Darstellung von Lackfirnissen, s. d. Art., und Durchzeichnenpapier, hauptsächlich aber in der Medizin. 5. Der Mekkabalsam oder B. von Gilead stammt von einem strauchartigen Gewächs Arabiens. Der feinste B. soll aus den Blüten dieses Gewächses ausschwitzen; er riecht höchst angenehm nach Citrone und Rosmarin. Eine andereSortefließt freiwillig od.aus gemachtenEinschnitten an den Asten aus; eine dritte wird durch Auskochen der Zweige mit Wasser gewonnen. Sie ist etwas dickflüssiger als Copaivabalsam u. wird, in der Hand gerieben, seifenartig und weiß. Der Mekkabalsam wurde früher auch bei uns als Arzneimittel angewendet, jetzt nur noch als Räuchermittel. 6. Die angeführten Balsame sind natürliche; es giebt aber auch eine Menge künstliche, die meist äußerlich od. innerlich als Arzneimitttel dienen; z. B. Opodeldok, eine weingeistige, freies Ammoniakenthaltende Seifenlösung; der Hoffmannsche Lebens-B., eine Lösung verschiedener ätherischer Ole in Alkohol; der Wund-B., eine Mischung von Myrrhe, Thymianöl, Alkohol, Weinessig etc.; der Muskat-B. und dergl. mehr.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 242Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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