Bildsäule, f., Statue, f., Standbild, n., franz. statue, k., engl.statue, griech. ½es. Bildsäulen nennt man Werke der plastischen Kunst, durch welche menschliche Gestalten in Holz, Thon, Gips, Stein oder einem der verschiedenen Metalle dargestellt werden; doch giebt man auch den aus diesen Stoffen verfertigten Thiergestalten den Namen B.n, obgleich eigentlich mit Unrecht. Man unterscheidet eigentliche Standbilder, Pedesterstatue, frz. statue pédestre, engl. pedestrian statue und Reiterstatue, Equesterstatue, frz.statue équestre, engl. equestrian statue. Die Bin sind ihrer Aufstellungsweise nach in selbständige u. zu einem Gebäude in Beziehung stehende zu trennen. 1. Selbständige Bildsänlen. In der Regel sind diese monumentalen Charakters; sie stellen dann gewöhnlich berühmte, verdiente Männer dar. Solche Bin müssen vor allen Dingen porträtähnlich u. nur insofern etwas idealisirt sein, als dies die Hervorhebung besonderer Charaktereigenthümlichkeit der darzustellenden Person verlangt, od. als etwa die betreffende Persönlichkeit irgend eine offenbare Häßlichkeit an sich trägt, deren treue Wiedergebung die B. zur Karikatur machen würde. Durch passende Attribute muß man auf das Hauptverdienst, die Hauptthätigkeit der dargestellten Personen, anspielen, und wo dies nicht hinreicht, kann man am Postament durch Reliefs etc. diese Anspielungen noch deutlicher od. verständlicher machen. Sowohl bei der Kostümirung der Figur selbst, als bei der Anordnung u. Darstellung des Reliefs, hüte man sich vor Anachronismen; dahin gehören z. B.bei Personen aus dem Mittelalter oder der Neuzeit römische oder griechische Heroentracht, bei Binchristlicher Personen Darstellungen mythologischen Inhalts etc. Eine etwaige Inschrift sei in der Landessprache verfaßt, kurz, das Ganze jedem verständlich, denn die Bin sollen nicht nur Zeichen der Anerkennung, sondern auch Anspornungen zur Nacheiferung sein und müssen deshalb vom ganzen Volk verstanden werden können. Blos dekorative Ban lassen mehr Freiheit in ihrer Behandlung zu u. sind in der Regel allegorischer Natur; man muß jedoch bei der Wahl des Gebietes, aus der man die Allegorie entlehnt, auf den Stil der etwa in der Nähe befindlichen Gebäude Rücksicht nehmen. Eine Flora z. B., in einem Garten als Göttin der Blumen ganz passend, dürfte nur in der Nähe eines römischen oder griechischen Gebäudes angebracht werden, oder in einem in römischem oder griechischem Stil dekorirten Raum; bei einem gothischen Gebäude muß man die darzustellenden Begriffe in mittelalterlicher Weise auffassen etc. Was nun die Größe der Bin betrifft, so richtet sich dieselbe ebenfalls nach der architektonischen Umgebung: kolossale Statuen sind nur auf ganz großen freien Plätzen anzuwenden; Statuen in unmittelbarer Nähe von Gebäuden mache man nicht über Lebensgröße (s. unter 2). Die Mäße der Postamente richten sich nach den Bin; sie dürfen nicht so schmal sein, daß die Figur dadurch beengt erscheint, als wenn sie sich nicht bewegen dürfe, ohne herabzufallen; aber auch nicht so breit, daß ihre Ausladung einen Theil der Figur verdeckt; nicht viel niedriger als die Figur, aber auch nicht so hoch, daß die Figur dem Auge sich zu sehr verkürzt darstellt. 2. Bildsäulen als Dekorationstheile des Gebändes. Diese stehen entweder in Bilderblenden, welche dann geräumig genug, aber auch nicht zu groß sein müssen: dabei hat sich der Architekt mit dem Bildhauer zu verständigen; oder sie stehen auf Brüstungspostamenten, und es gelten dann zunächst die unter Langeführten Regeln; oder sie stehen auf Konsolen an Wandflächen, dann dürfen die Wandflächen nicht so massig sein, daß sie der Wirkung der Bin schaden, aber sie müssen ruhig gehalten sein. Die Konsolen unterliegen denselben Bedingungen wie die Postamente; s. übr. d. Art. Konsole. Die Größe der Bin an Gebäuden muß in richtigem Verhältnis mit den Mäßen der architektonischen Gestaltungen stehen, sollte aber nie die natürliche Menschengröße überschreiten, weil das Auge unwillkürlich die Größe der Bn als Mäßstab für die Größe des Gebäudes annimmt, u. daher ein Gebäude mit Statuen von Ueberlebensgröße leicht kleiner erscheint als es ist. Ueber Bin als Theile architektonischer Gestaltung s. d. Art. Karyatiden; Säulen mit Bin, s. d. Art. Säule.