Feedallégir
Bildende KunstBau-Lexikon 1881

allégir, v. a., frz., abschwächen, verdünnen. SerMre E. die anschauliche Darstellung einer abstrakten V Zorstellung oder eines ganzen Gedankens, einer lichen Bild, also eine elb rte Metapher. Daher kann jede ne Mede eine doppelte, d. h. eine allaemeine oder besondere Bedeutung haben. In der Architektur bezeichnet man mit dem Namen A. in der Regel die in Gestalt einer Statue oder Gruppe freistehend, in Relief oder Malerei“ ausgeführte sinnbildliche Darstellung eines moralischen! Satzes, einer Tugend, eines Lasters, eines Gewerbes oder dergl., doch pflegt man auch wohl eine auf erstere oder letztere Weise deutbare historische od. mythologische Scene, obwohl nicht ganz richtig, als A. zu bezeichnen. A. Eine A. muß, wenn sie ihrem Zweck entsprechen soll folgende drei Hauptbedingungen erfüllen: 1. Sie muß Lu Rien sein und daher nur solche Bilder enthalten, deren Bedeutung jedermann errathen und für Zeichen des Abstractums annehmen kann, welches man darstellen wollte; und 2. müssen die Bilder selbst so ausgeführt sein, daß 260 beim Beschauer Wohlgefallen erregen; 3. darf eine A. nicht so, wieein Symbol behandeltwerden. Eine A. drückt durch eine od. mehrere handelnde Figuren das Darzustellende vollständig und deutlich, in der Regel aber blos nach seiner äußern Erscheinung aus, muß und wird daher immer lebende Wesen darstellen, während ein Symbol sowohl aus D arstellungen lebender Wesen als aus todten Gegenständen bestehen kann, dabei aber mehr abstrahirend auf das innere Wesen des Darzustellenden eingeht; so wird z. B. die weise Gerechtigkeit eines Regenten durch eine Themis oder eine Darstellung des Urtheils des Salomo allegorisch, durch Wäge u. Richterstab od. durch Christus als Weltrichter symbolisch dargestellt. B. Allegorien können bestehen: 1. In einer einzelnen allegorischen Figur, z. B. die Themis unter der Gestalt einer ernsthaften u. geflügelten Frau, mit einem Zaum in der einen, einem Mäßstab in der andern Hand, und mit einem Fuß auf einem Rad stehend, durch welche begleitende Zeichen — Attribute genannt — sie als Göttin der weisen Gerechtigkeit anschau-⸗ lich gemacht wird; denn der Mäßstab bedeutet Wiedervergeltung nach Mäßgabe des V Perbrechers der Zaum: Zurückhaltung und Hemmung des Lasters; die Flügel: schneller Heranbruch der Rache; das Rad: schnelle Anderung der Umstände, Unsicherheit der Besitzthümer, die man sich auf unerlaubten Wegen erworben hat etc. 2. In einer Gruppe mehrerer allegorischer Figuren, 9 B. die drei (ältesten) Musen, um die drei verschiedenen Tonarten zu bezeichnen; die drei Parzen als Sinnbild des Lebens etc. O. Nach den Bereichen, denen sie entnommen sind, könnte man die Allegorien nennen: ö 1. physisch, wenn sie einen Gegenstand der Natur abbilden, z. B. die vier Jahreszeiten etc.; 2. historisch, wenn sie auf Begebenheiten deuten, z. B. auf die Gründung einer Stadt, auf errungene Siege re. 3. moralisch, wenn sie eine Beobachtung aus der moralischen Welt behandeln, z. B. Mitleid oder Barmherzigkeit unter der Gestalt eines freundlichen Frauenzimmers mit entblöster voller Brust, welches in der einen Hand einen Ölzweig hinreicht, die andn gegen ein ihr entgegenlaufendes Kind ausstreckt. Der Olzweig nämlich ist hier als Bild des Friedens und Schutzes gewählt; 98 Kind bedeutet Hülfsbedürftigkeit, die volle Brust: Bereitwilligkeit zu geben und zu helfen etc. D. Die Allegorien sind in der Baukunst insofern nützlich, weil sie wie die Symbole geeignete Mittel abgeben, den Zweck anzudeuten, den gewisse Gebäude haben, und nebenbei auch mit als Verzierung dienen. So pflegt man z. B. durch Armaturen oder Trophäen, oder durch eine Statue der Bellona, des Wodan, des heiligen Georg etc. anzudeuten, daß die Gebäude, woran sie sich befinden, zu militärischen Zwecken bestimmt sind. Die Griechen und Römer entnahmen natürlich den Stoff zu ihren Allegorien meist ihrer Mythologie. Auch die altchristliche Kunst (s.d.) nahm vielfach zu den mythologischen Gestalten des Heidenthums ihre Zuflucht. Selbst das Mittelalter behielteinzelne dieser Gestalten bei. Wir aber sollten uns eigentlich sehr hüten, bei allegorischer Darstellung unsere Zuflucht zu Gegenständen der griechischen oder römischen Mythologie zu nehmen, weil solche A. bei uns durchaus nicht allgemein verständlich, auch nicht aus dem Volkscharakterentsprungen sind. Auch bietet die Bibel mit ihren Gleichnissen, Visionen und Weissagungen Stoff genug zu Allegorien. Vgl. auch d. Art. Allegorie in M. M.a. W.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 76Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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