Brennerei, Zranntweinhrennerei, f. frz.distillerie, engl. distillery of brandy, Anstalt zu Verarbeitung zucker-od. stärkemehlhaltiger Substanzen auf Branntwein od. Spiritus. Hierbei wird ein Gährungsprozeß eingeleitet u. dann der flüchtigeAlkohol vomWasser abdestillirt. Die am meisten hierzu benutzten Materialien sind: Kartoffeln, Getreide, Rüben, Rübenmelasse, Reis, Weinreben und Zuckerrohrabfälle. Wir haben hier nur die Kartoffel-, Getreide-, Melasse-und Rübenbrennerei zu betrachten. A. Kartoffel- und Getreidebrennerei. Die nöthigen Apparate sind: 1. Das Dampffaß; pro hl. Kartoffeln hat es O¾ ebm. Inhalt u. ist meist auf 10—15 hl. berechnet; das Dämpfen fordert ½ — ½ Stunden. — 2. Das Maischfaß, pro kg. Malz od. trockene Kartoffelsubstanz 8 kg. Wasser od. pro hl. Malz ca. 0,½%½ ebm. Maischraum u. pro hl. Kartoffeln mit 12—181J. Malzschrotca. 0½5 ebm. Maischraum. In beiden Fällen ist ¼% Steigraum für die Gährung schon eingerechnet. Die größten Maischfässer halten etwa 3500 1. Der Gährungsprozeß der Maische dauert 2—3 Tage, u es sind deshalb bei ununterbrochenem Betrieb 2- od. Zmal so viel Maischfässer nöthig, als per Tag erforderlich sind. — 3. Destillirapparate u. Kühlfässer; siesind nach derangewendeten Methode verschieden: a) das alte Verfahren erfordert für die täglich zu verarbeitende (zu verschwelende) Masse 1—2 Maischblasen und eine Wein-(Wien-)Blase, zu jeder Blase 1 Kühlfaß. Pro hl. Malz sind ½ ebm. Blasenraum, u. pro hl. Kartoffeln mit ½ Malz ,4ebm. nöthig. Nach dem preußischen Gesetz müssen täglich wenigstens 606 Quart (etwa 691˙1.) verschwelt werden (kein Maischfaß soll daher unter 300 Quart 3431J.) halten; nimmt man nun an, daß eine Blase in der gesetzlichen Brennfrist von 14 Stunden täglich mindestens Imal abgetrieben wird, so muß die Maischblase (od. beide müssen zusammen) für jeden hl. der täglich zu verschwelenden Maischblase pro hl. Malz 036 ebm., oder bei Kartoffeln ,J8Sebm. Raum enthalten. — 51. Maische geben 1J. Lutter; da aber in einer Blase täglich 2mal Lutter zu Branntwein abgetrieben werdenkann, so braucht die Wienblase nur ,¾½ des Inhalts der Maischblase zu haben. Der Durchmesser verhält sich zur Höhe der Blase wie 5:2. Das Kühlfaß ist eben so weit wie die Blase u. die Höhe desselben etwa gleich doppeltem Durchmesser. b) Zum einfachen. Pistorius-Apparat: gehören 1 Blase, 1 Maischvorwärmeru. 1Kühlfaß. Die Blase hat pro hl. MalzOeebm., u. pro hl. Kartoffeln mit ½ Malz 0, ebm. Inhalt. In 14 Stunden kann 6mal gefüllt werden. e) Zum doppelten Pistorius-Apparat gehören 2 Blasen, 1Maischvorwärmer u. 1 Kühlfaß. Jede Blase muß pro hl. Malz 0%%½% Cbm. und pro hl. Kartoffeln mit ¼ Malz 0,3s ebm. Inhalt haben. In 14 Stunden kann 10mal gefüllt werden. Gegenwärtig wird der Pistorius-Apparatnichtmehrdurch offenes Feuer, sondern durch Dampf mittels Schlange geheizt. d) Die Kolonnenapparate bestehen aus Blase (oder Kocher) mit Dampfschlange, Kolonne, 16—18 Rektifikatoren, Schlangen- od. Beckendephlegmator u. 1Kühlfaß mit Schlangenrohr. Die Größe dieser Apparate ist verschieden, indem sie zu Verarbeitung von 15 000 Quart (172 hl.) bis 200 000 Quart (2290 hl.) Maische in 24 Stunden konstruirt werden. Ueber die Resultate lauten die Angaben verschieden; aa) nach Treller: 2½ Eg. Malzod. 10J. Kartoffeln (in 41J. Kartoffeln ist 1Kg. Trockensubstanz) auf 23 J. Maische; aus dieser werden erhalten ca. 46 J. Lutter u. daraus 1,½5 J. Branntwein zu 50% Alkoholgehalt; bb) nach Anderen 1hl. Hardosleln pro 16hl. Maische Steigraum 5J. pro hl., pro 55 J. Kartoffeln 3 Kg. Malz. Aus 1 hl. Kartoffeln erhält man 12. J. Spiritus von 80½/. Um 1 Wispel (13,¾ hl.) Kartoffeln in 14 Stunden zu verarbeiten, ist ein zweipferdiger Dampfkessel nöthig. Als Beispiel wählen wir die Anlageeiner Brennerei zur täglichen Verarbeitung von 50 hl. Kartoffeln. Der Keller enthält Kartoffel-, Malz- u. Spiritusraum. Im ersten Stockwerk befinden sich die Kartoffelwäsche, die Dampfmaschine, der Dampfkessel u. der Destillirapparat, ferner der Vormaischraum, die Hefenkammer, der Gährungsraum u. das Wohnzimmer für den Brenner. Das Dampffaß zum Dämpfen der Kartoffeln steht in einem Anbau über der Kartoffelwäsche und zwar höher als der Vormaischbottich, so daß die Kartoffeln, welche mittels eines Elevators unmittelbar von der Wäschmaschine in das Dampffaß gehoben werden, nachdem sie gedämpft worden sind, in einer Rinne nach der Kartoffelquetsche gehen, die auf dem Rand des Vormaischbottichs steht. Im Vormaischraum befinden sich außerdem noch eine Malzeinquetsche u. zwei Quellbottiche. Im oberen Stockwerk ist ein Kühlschiff mit Kühl- u. Röhrvorrichtungen aufgestellt, außerdem noch ein Wasserreservoiru ein Maischbehälter. In einem Raum neben dem Kühlschiff steht eine Schrotmühle. Der Dampfkessel ist 7½½½ m. lang u. hat 1,½57 m. Durchmesser; er ist mit einem Feuerrohr versehen. — Die Dampfmaschine hat 6—8 Pferdekräfte u. dientzum Betrieb der Kartoffelwäsche, des Elevators, der Kartoffel- und Malzquetsche, Maischmaschine, Maischpumpe, Kühlapparate u. Schrotmühle. Das Hauptgebäude hat 20 m. Länge bei Dr m. Breite, ist zweistöckig, nebst Keller u. Bodenraum. Der Anbau für Kartoffelkeller, Wäsche u. Dampffaß hat 10, m. Länge bei 5¾,ᷣ m. Breite, das Kesselhaus 15 m. Länge u. 33 m. Breite. B. Melasse- u. Rübenbrennerei. Die Melasse, welche wegen beträchtlichen Gehaltes von Salzen u. widerlichen Geschmackes nicht als Sirup zu verwerthen ist, dient zur Gewinnung von Alkohol. Ihr Gehalt an gährungsfähigem Zucker variirt von 40 —45/. Sie wird in heißem Wasser aufgelöst, durch Schwefelsäure (1—1½% der Melasse) angesäuert, dann verdünnt u. schließlich in Gährung gebracht. Der Ertrag ist 13—14 J. pro Ctr. Melasse oder 5—6 vom Liter Maischraum. Die Zuckerrüben eignen sich sehr gut zur Brennerei, indem 1 Ctr. Rüben 3, —42 J. giebt. Vortheilhaft ist eine Verbindung von Melasse⸗ u Rübenbrennerei. Eine Rübenbrennerei, welche täglich 400 Ctr. Rüben verarbeitet, erfordert nach Eduard Siegels Handbuch über Melassen-u. Rübenbrennerei folgende Einrichtung: eine . ein Elevator u. Rübenschneidmaschine, für deren Betrieb eine 4pferdige Dampfmaschine 4 Mode-D Dunnsaft, für den * Branntwein und für den Destillirapparat: 3 Gährbottiche von 39—40 hl. Gährraum, und ein Maischreservoir von gleichem Inhalt; eine Filterpresse zum Abpressen der Maische —.— Bodensatz. keit bei Erzeugung eines Produktes von 40— 50% Tralles nebst dem damit verbundenen Rektifikateur erfordert einen Dampfkessel von 15—20 Pferdekräften. Soll gleichzeitig Melasse verarbeitet werden, so ist noch ein Auflösebottich nebst Pumpe oder ein Montejus erforderlich; s. auch De⸗