FeedBarométer
TechnikBrockhaus 1882

Barométer (grch., d. i. Druck⸗ oder Schweremesser) ist ein ysik. Instrument, mittels dessen man den Druck der atmosphärischen Luft bestimmt. Zu seiner Erfindung gab eine Beobachtung florentinischer Brunnenmeister die Veranlassung. Dieselben versuchten das Wasser in einer ungewöhnlich langen Saugpumpe auf eine größere —— als früher gebräuchlich, zu heben. Das Wasser stieg aber in der Saugröhre, ungeachtet des fortgesetzten Pumpens, nicht über 10 m (etwa 32 pariser Fuß). Diese Beobachtung wurde Galilei mitgeteilt, dessen Schüler Torricelli bald nachher (1643) den wahren Grund der erwähnten Erscheinung in dem Drucke der atmosphärischen Luft nachwies. Torricelli wiederholte jenen Versuch der Brunnenmeister mit einer schwerern Flüssigkeit als Wasser, nämlich mit Quecksilber. Er füllte zu abem Behufe, nach einem * erst von Viviani angegebenen Gedanken, Quecksilber in eine an dem einen Ende zugeschmolzene Glasröhre (Fig. 1) von etwa 800 mm (ziemlich 30 pariser Zoll) Länge, schloß dieselbe mit dem Finger, kehrte sie um und tauchte sie mit dem offenen Ende in ein mit Quecksilber efülltes Gefäß. Nach dem Hinwegziehen des Fngers sank das Quecksilber bis auf eine Höhe von etwa 760 mm %½ 28 pariser Zoll) herab, während der oberhalb der Quecksilbersäule gelegene Teil der Glasröhre leer wurde. Torricelli erkannte nun, daß das Gewicht dieser 770mm langen Quecksilbersäule gleich wäre dem Gewichte einer 10 m langen Wassersäule von gleichem Querschnitte. Er schloß daraus, daß durch eine Quecksilbersäule von 760 mm Höhe nicht nur einer 10 mhohen Wassersäule, sondern auch dem Druck das Gleichgewicht gehalten werde, welchen die Atmosphäre auf die freie Flüssigkeitsoberfläche des Gefäßes ausübt, in welche das Glasrohr eingetaucht ist. War dies in der That der Fall, so mußte auf [ beshr Bergen das Quecksilber in der ebeneschriebenen Röhre niedriger sber als in Fig. 1. der Ebene, weil die unterhalb gelegene Luft auf das auf der Berghöhe befindliche Quecksilber nicht mehr drücken konnte. Pascal erhielt durch Mersenne Nachricht von dem erwähnten Versuche Torricellis und veranlaßte (1648) infolge dessen seinen Schwager Perrier zu Clermont in der Auvergne, den Versuch auf dem gegen 1610 m hohen and, daß indi u wiederholen. Die Beobachtung ergab, daß in dieser Höhe die Länge der in der Röhre gehobenen Quecksilbersäule um .—591 80 mm (etwa 3 5010 kürzer war als in der Ebene: ein Beweis, daß allein der äußere Druck der atmosphärischen Luft die Quecksilbersäule (und ebenso auch die Wassersäule in den Saugröhren des Brunnens) in der angegebenen Höhe hält. In den jetzigen B. sieht man nur eine Anwendung des Torricellischen Versuchs. Ein solches B. besteht aus einer an dem einen Ende zugeschmolzenen Glasröhre von ungefähr 800 mm Länge, welche mit Quecksilber gefüllt und mit ihrem offenen Ende in ein Gefäß mit Quecksilber eingetaucht ist. Um den Raum in der Glasröhre oberhalb des Quecksilbers luftleer zu machen, wird das Quecksilber in der Röhre ausgekocht und dann erst in das Gefäß mit Hönederd eingesetz. Zur genauern Abmessung der Höhe der durch den Druck der Luft im Gleichgewicht gehaltenen Quecksilbersäule dient ein neben der Röhre angebrachter rinn nrr. dessen Nullpunkt stets auf das Niveau des Quecksilbers im Gefäß eingestellt wird, während derjenige Punkt desselben, welcher dem Niveau des Quecksilbers in der Röhre entspricht, die Länge der durch den Luftdruck getragenen Queck-Nully oder den Barometerstand angibt. Um Nullpunkt der Skala immer an die „ Wt Quecksilbers im Gefäß bringen zu können, macht bei genauen Gefäßbarometern (Fig. 2) den ö Boden des 1πm so, daß er sich ö obern Gürtel des B. abgelesen wer-Fig. 2. den, so braucht man von der Skala den obern Teil; es wird daher auch nur diegewöhnlich angebracht. Von dem genauen Gefäßbarometer verschieden ist das gewöhnliche Gefäßbarometer (Fig. 3), welches man zum Unter2⁰⁰ 4 das Heberbarometer F angebracht sein, daß sich *5 ö sein Nullpunkt stets genau I auf das Niveau des Queck-N silbers im kürzern Schenkel — V einstellen läßt; den Baro-Illlll I meterstand erhält man Sig. 3. Fig. 4. dann wie vorhin durch die Punktes des Maßstabes, welcher mit dem Niveau Quecksilbers im verschlossenen Schenkel in gleicher Höhe liegt. Das Heberbarometer stammt Boyle (1694) und ist seitdem mannigfach verbessert worden. Die gewöhnlichen B. (Zimmerbarometer) dienen nur dazu, die Variationen des Luftdrucks beiläufig zu erfahren, nicht aber die Höhe Barometersäule mit Genauigkeit zu messen, wie bei meteorolog. Beobachtungen des Luftdrucks bei barometrischen Höhenmessungen nötig ist. Behufe solcher Höhenmessungen wendet man in der Regel Heber⸗ oder auch genaue Gefäßbarometer an, welche so eingerichtet sind, daß man sie ohne Gefahr des Zerbrechens der Röhre transportieren kann (Reisebarometer). Man hat auch sehr kompendiöse Heberbarometer (von Gay-Lussac, 1826), bei welchen der Nullpunkt der Skala höher als der Quecksilberspiegel im kürzern Schenkel liegt und bei welchen die Biit dene nach oben und nach unten fortschreitet. Um den Barometerstand zu erfahren, man dann nur die an beiden Schenkeln abgeesenen Zahlen zu summieren. Eine eigentümliche sinnreiche Verwendung findet das Heberbarometer in dem von Wolff konstruierten Mikrobarometer (so genannt, weil man damit auch 7 kleine Schwankungen im Luftdruck mit freiem luge erkennen kann). Dasselbe unterscheidet sich von den gewöhnlichen Instrumenten dieser Art nur durch die beiderseitigen Erweiterungen der Glasröhre. Auf der untern Quecksilberfläche liegt ein Schwimmer aus Hartgummi, welcher mit einer Platte unbeweglich verbunden und durch diese wieder mit einem System von Platten, Stahlfeder und Zeiger an einer Kreisscheibe vereinigt ist. Das Weitere s. unter Mikrobarometer. Gänzlich verschieden von den Quecksilberbarometern sind die Aneroidbarometer (s. d.). Das zuerst (1847) von Vidi erfundene Aneroid besteht aus einer ungefähr 8 em im Durchmesser haltenden und 6mm tiefen Metallbüchse, welche luftleer gemacht und dann luftdicht verschlossen wird. Der eine Boden ist gefertigt aus einer dünnen, zur Vergrößerung der Elasticität mit konzentrisch eingedrückten Kreisen versehenen Metallplatte, deren Mittelpunkt mit dem einen Arme eines in der erwähnten Büchse befindlichen Hebelwerks verbunden ist. Letzteres überträgt die jenem Arme mitgeteilte Bewegung 6—700mal vergrößert auf einen Zeiger, der über eine Scheibe mit einer Teilung geht. Wenn der Luftdruck steigt, so wird der elastische Boden etwas nach innen gedrückt, während er beim Nachlassen desselben etwas nach außen zurückkehrt; hierdurch wird das Hebelwerk und der Zeiger in Bewegung gesetzt. Die Einteilung, über welcher der Zeiger sich bewegt, muß empirisch gefunden werden, indem man seine Stellung mit dem Stande eines guten B. vergleicht. Bei dem Aneroid von Bourdon (1853) ist die Vidische luftleere Kapsel durch eine luftleere Krummröhre ersetzt, welche sich beim Steigen des Luftdrucks noch stärker krümmt, bei abnehmendem Luftdruck dagegen in der Krümmung nachläßt. Diese Bewegung der Krummröhre wird durch einen Mechanismus vergrößert und auf einen Zeiger übertragen, welcher an einer Millimeterskala spielt. In neuerer Zeit ist man jedoch wieder zur Konstruktion nach Vidi zurückgekehrt. Die Aneroiden sind in der Regel empfindlicher als die Quecksilberbarometer und eignen suh, bei Einhaltung gewisser Vorsichten, besonders als Reisebarometer. Sie lassen sich auch zum barometrischen Höhenmessen verwenden, so z. B. bei Luftschiffahrten und beim vorläufigen Nivellieren, um schnell ein beiläufiges Bild von dem Terrain zu erhalten. Da einerseits viele B. noch immer eine Skala nach pariser Zoll und Linien haben, andererseits aber Angaben über den Barometerstand meist schon nach Millimeter mitgeteilt werden, so wird in vielen Fällen eine Reduktion der einen Skala auf die andere erforderlich, zu deren Erleichterung die nachstehende Tabelle dient: — Verwandlung von pariser Zoll un par.] par. par. ar. 179403,70 239 Millimeter. 543,65 301679,o0 545,91 302 681/,26 548,1⁷ 303683,52 550,42 304685,77 552,,68 30⁵ „03 557,19 307692,54 559,45 308 694,80 563,96 310699,31 566,21 11701,56 575,24 315710,59 579,7⁵ 317715,10 582,0 318717,35 584,26 319719,61 586,52 320721j„8⁷ 588,77 321724,12 593,28 323728,63 600,05 326 735,40 606,82 329742,17 6²2⁰0,35 335755, 70 624,86 337 760,21 629,38 339764,73 633,89 341769,24 636,14 342771,40 638,40 343773,75 640,66 344776,1 64⁵, 17 346780,52 654,19 350789,54 656,45 351791,80 663,21 354 798,56 665,47 355800,82 667,73 356803,08 669,98 357805,33 672j½24 358807,59 Schon zur Zeit der Erfindung des B. bemerkte Torricelli, daß der Barometerstand an einem und demselben Orte bald steige, bald falle. Um das Gesetz dieser Barometerschwankungen 1 ermitteln, müssen die Barometerbeobachtungen in regelmäßigen Zeitintervallen geschehen. In neuerer Zeit läßt man die B. ihren Stand selbst registrieren; derartige B. nennt man Barometrographen. Das erste Instrument dieser Art wurde von Changeux (1780) erfunden. Die Barometrographen kamen jedoch erst in bendung Zeit unter achern Baren Formen zur Anwendung. Bei einfachern Barometroraphen läßt man im offenen Schenkel eines Heberarometers einen bte oder Stahlcylinder schwimmen, welcher die Schwankungen des B. in entge an Nechan Sinne mitmacht. ittels eines einfachen Mechanismus werden die Hebungen und ührwert r⸗ jenes Schwimmers auf einer von einem Uhrwerk regelmäßig bewegten Papierfläche selbstthätig so notiert, daß auf der letztern eine Kurve entsteht, welche dem täglichen Gange des B. entspricht. Die jedem Punkte dieser Kurve entsprechende inen sehr empfindlichen Barometrographen gibt das Wagbarometer. Dieses besteht aus einem eisernen, mit Quecksilber gefüllten Barometerrohr, welches an dem einen Arme eines Wagebalkens hängt, während demselben am andern Arme eine Gegenlast Gleichgewicht hält. Das untere, offene Ende des Rohrs taucht wie gewöhnlich in das Quecksilber eines Gefäßes. Wächst der Luftdruck, so steigt aus letzterm Quecksilber in das Rohr, welches sich in-Ban dessen mit seinem Wagarme etwas herabsenkt. eim Fallen des Luftdrucks geschieht das Gegenteil. Dieses Schwanken des Wagarms wird mittels eines am Wagbalken befestigten Stifts auf einer gleichmäßig von einem Uhrwerk bewegten Schreibtafel ersichtlich gemacht. Das Wagbarometer wurde von Morland erfunden (1670) und schon frühzeitig als Barograph verwendet. In letzterer Eigenschaft —½ es Secchi (1857) wieder zur Geltung. Auch die Erhebungen und Senkungen der Vidischen Kapsel des Aneroids können auf einen Schreibhebel übertragen werden, welcher auf einer regelmäßig malich u Schreibfläche den Barometerstand automatisch notiert. Sowohl mittels regelmäßiger Beobachtungen als guch mittels der Barometrographen hat sich ergeben, und die Schwankungen des Luftdrucks ihre tägliche und jährliche Periode haben. Im allgemeinen verändert 46 der Luftdruck bei Tage am stärksten, in der Nacht am I ten. In den großen Kontinenten ist durchschnittlich der Luftdruck im Winter öher als im Sommer. In der Regel ist der durchchernont oder mittlere Gang des B. jenem des ermometers entgegengesetzt. Als mittlerer Barometerstand oder als normale Barometerhöhe am Niveau des Meers bei 0 C. werden 760 mm allgemein angenommen, obschon man jetzt weiß, daß diese Größe je nach den Breitegraden etwas verschieden ist. Die Linien, welche die Orte von gleichem mittlern Barometerstande verbinden, heißen Isobaren. Ihre Kenntnis ist für die Meteorologie und Klimatologie von hoher Wichtigkeit. Nach der neuen Theorie des Windes (s. d.) von Buijs-Ballot (1857—60) strömt die Luft von den Orten nobare nach denen niedern Luftdrucks, also von der Isobare mit höherm nach der mit tieserm Barometerstande. Je größer der Unterschied zweier einander näher liegender Isobaren ist, desto stärker bläst der Wind. Die Winde übertragen den Zustand der Atmosphäre pvon den bereits durchstrichenen auf die noch zu beder Bande Orte. Da nun die Richtung und Stärke er Winde von der Abhingen, of im Luftdrucke der betreffenden Orte abhängen, so ist die Kenntnis der Veränderungen des Barometerstandes für die Witterungskunde von der größten Bedeutung. Die den reat en Barometerschwankungen sind a für en regelmäßigen Gang der Winde maßgebend. Da es jedoch außer den regelrechten Variationen des B. auch unregelmäßige gibt, so sind letztere für den Umschlag des Wetters von Vorbedeutung. Die letztere gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn zur Beobachtung des B. noch jene der Thermo⸗, Hygro⸗ und Anemometer, der Wolken und anderer Witterungszeichen hinzukommt. Im allgemeinen läßt sich bei tiefem Stande des B. Elle schlechtes als gutes Wetter erwarten. Ein ** es und starkes Sinken des B. bringt in der egel Sturm. Das Gegenteil kann als eine Pronose für schönes Wetter angesehen werden. Wahrehe für einen Tag bestimmte Voraussagen es Wetters lassen sich von den Meteorologen aus den telegr. Witterungsberichten konstruieren. Hierauf beruhen die warnenden Sturmsignale, welche Buijs-Ballot in den Niederlanden (1860) eingeführt hat; diesem Beispiel folgten England (1861), Frankreich (1863) u. a. m.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 495Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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