Arsenige Säure, weißer Arsenik, Rattengift, Aeldum arsenicosum As. O., das Anhydrid der für sich nicht darstellbaren Säure AS(OH),, wird gewonnen durch Rösten von Arsenkiesen und andern A. enthaltenden Kiesen und mancherlei Hüttenprodukten unter Luftzutritt, wobei das A. zu der bei 185 flüchtigen arsenigen Säure verbrennt, die Dämpfe werden in Kondensationsräume, Gifttürme, geleitet, in denen sich perdichunreine Arsenigsäure als graues Giftmehl verdichtet, welches durch Sublimation gereinigt wird und dann zum Teil Arsenglas, zum Teil weißes Arsenmehl liefert. Die Abröstung von Arsenikalien erfolgt in Muffelöfen oder Flammöfen, die an vielen Snen Kanat geheizt werden; dieselben sind dur einen Kanal mit den Kondensationsräumen verbunden. Letztere bestehen aus mehrern gemauerten Kammern, von denen die erste mit dem Röstofen, die letzte mit dem Schornstein kommuniziert. Je stärker der Zug hier ist, um so rascher wird der Dampf verdichtet, da damit einer Erwärmung der Kammern vorgebeugt wird; zugleich wird das Arsenmehl feiner, bei hoher Temperatur der Kammern können Krystalle gebildet werden. Um einem Entweichen von Dämpfen ½½ sollte zwischen der letzten Kammer und dem Schornstein stets ein nasser Kondensator eingeschaltet werden, was aber wegen der daraus erwachsenden höhern Betriebskosten selten geschieht. Die Sublimation erfolgt in der Regel in einem vom Feuer bespulten ee Kessel von 75 em Tiefe und 60 em Zeite, welcher 225 kg Giftmehl faßt; auf diesen Kessel sind, außerhalb des Bereichs der Feuerung, drei cylindrische eiserne Ringe von 70 em Höhe gestellt, und von diesen kommuniziert der oberste mittels eines trichterförmigen Fortsatzes mit einem Kondensations ammersystem, in dessen erste Kammer die Ableitungen einer Anzahl von Sublimationskesseln münden. Die Sublimation dauert etwa 12 Stunden. Nach Ablauf derselben läßt man die Kessel erkalten und nimmt die cylindrischen Ringe ab, deren innere Wandung dann mit einer dicken Schicht von glasartig durchsichtiger amorpher arseniger Säure bedeckt ist, während sich in den Kondensationsräumen der Rest in Form eines weißen, aus den Me ischen Oktasdern und Tetraédern bestehenden Mehls findet; bei richtig geleiteter Operation, bei der es darauf ankommt, eine zu starke Erhitzung der Aufsatzringe zu verrsenikglas und 10 Proz. Mehl. Die krystallisierte arsenige Säure ist dimorph, sie tritt in den Formen des regulären Systems, Oktaéder, Tetraeder, außerdem aber auch in rhombischen Prismen Laf Das amorphe Glas erhält sich, wenn es unter Wa ser oder Spiritus aufbewahrt wird, lange Zeit unverändert, an der Luft verliert es zuerst an der Außenfläche, igeBescha nach innen fortschreitend seine durchsichtige Beschaffenheit und wird porzellanweiß, indem es aus dem amorphen in den krystallisierten Zustand übergeht; mit dieser Umwandlung geht eine Veränderung mehrerer Eigenschaften Hand in Hand. Das ddeziische Gewicht der amorphen Säure ist 3,238, das der 3 Leiten falt⸗ 3,6so, die amorphe Säure ist in 25 Teilen kaltem Wasser löslich, die krystallisierte erfordert 80 Teile Wasser seh Lösung. Die 7½ Säure a in Lösungen ehr leicht in den krystallisierten Zustand uber, 8 z. B. beim bloßen Kochen; stellt man eine hei wässerige Lösung unter Zusatz von etwas Salzsäure er und läßt sie in einem dunkeln Raume erkalten, o bemerkt man bei dem umg Die der Krystalle fortdauernde Lichtentwickelung. Die wässerige Lösung reagiert deutlich sauer und hat einen süßlichen Geschmack. In verdünnten Säuren ist die arsenige Säure leichter löslich als in Wasser; beim Kochen mit Salpetersäure wird sie in Arsensäure verwandelt. Erhitzt man arsenige Säure mit Cyankalium oder leitet man ihren Dampf in einem Glasrohr über ein Stückchen glühender Kohle, so wird sie reduziert, und es scheidet sich schwarzes glänzendes A. als Belag an der Wandung ab den mit Schweßel Ebenfalls wird ihr beim Erhitzen mit wefel Phosphor, Natrium, Zink sowie durch Wa erstof und Kohlenoxyd der Sauerstoff entzogen. Schwefelwasserstoff bringt in der sauren wässerigen Lösung einen citrongelben Niederschlag hervor, der in Schwefelammonium löslich ist; metallisches Zink scheidet aus der sauren Lösung A. ab, während sich Bab⸗ Arsenwasserstoff entwickelt, durch dessen erhalten die geringsten Spuren nachgewiesen werden können. In der Medizin wird arsenige Säure bisweilen angewendet, entweder in Form von Pillen, Pulvern oder als Löfung ihres Kalisalzes, Liquor Kali arsenicosi, Fowlersche Tropfen; letztere werden bereitet, indem man 1 Teil arsenige Säure mit 1 Teil eil Waseer ko Kali mischt und nach Zusatz von 1 Teil Wasser kocht, bis eine vollständige Löung erfolgt. Nach dem Erkalten wird noch so viel er zugefügt, daß das Gesamtgewicht der lüssigkeit die 90fache Menge der angewendeten arenigen Säure beträgt. Bei der Verwendung der arsenigen Säure ist mit größter Vorsicht zu verfahren, da sie 50 den stärksten dosen gehört. Unter Umständen bewirken schon Dosen von O0,oso g den Tod, eine Gabe von 0,20—0,25 g ist fast immer tödlich; die höchste Gesamtdosis, welche vom Arzt verordnet werden darf, beträgt 0,o10 g in 24 Stunden. Es kann jedoch der Organismus sich an dieses Gift in höherm Maße als an irgendein anderes gewöhnen; wenn dasselbe in kleinen Mengen anfangend dauernd gebraucht wird; sse sollen manche der namentlich unterc6e Arsenikesser (s. d.), deren es namentlich unter Gebir ange Siure manche gibt, täglich bis zu 0,25 g arterh äure konsumieren. Tieren erteilt eine geringe Menge arsenige Säure ein glattes Haar und belebten Blick, weshalb sie von Roßtäuschern higket gebraucht wird; auch soll sie die rohlen igkeit der Tiere befördern, und es ist empfohlen worden, den Masttieren täglich aden in Säure zu Brade y doch i ein solches Vorgehen im höchsten Grade verwerf 19• da man nicht weiß, wie viel von dem Gifte im Organismus zurückgehalten wird und inwieweit das Fleisch solcher Tiere gesundheitsgefährlich ist. Es liegt in dieser Richtung nur eine sich aner von Sonnenschein vor, welcher das Fleisch einer Kuh untersuchte, die in sechs Monaten angeblich 506 g arsenige Säure gefressen hatte; das Fleisch dieser Kuh enthielt so wenig arsenige Säure, daß eine 1— beim Genusse desselben allerdings nicht zu befürchten stand; doch hielt dieser vorsichtige Beobachter damit den Gegenstand durchaus nicht für erledigt, sondern aeingehender sanitätlicher Erwägung bedürftig und Wiederholung für wünschenswerto. Die Verabreichung von arseniger Säure an Masttiere sollte daher durchaus nicht geduldet, die an Milchtiere aber mit schweren Strafen belegt werden, da der übergang des Giftes in die Milch im höchsten Grade wahrscheinlich ist. Bei eingetretener Arsenikvergiftung ist ein Gemisch von Eisenoxydhydrat und gebrannter Magnesia das wirksamste Gegenmittel. (S. Arsenikvergiftung.) ö Die Salze der arsenigen Säure leiten sich teils von dem Hydrat As(0OII), teils von Anhydro-Natrium⸗ und Ammoniumsalze sind leicht löslich und krystallisierbar, die meisten übrigen unlöslich; alle werden durch verdünnte Säuren, die löslichen sogar durch Kohlensäure leicht zersetzt; beim Erwärmen mit saurem weinsauren Kali entsteht eine krystallisierbare, dem Brechweinstein der Antimonreihe entsprechende Verbindung.