FeedArta oder Narda
ErdkundeBrockhaus 1882

Arta oder Narda, das alte Ambrakia, Stadt im alten Epirus, seit 1881 die Hauptstadt der aus bisher türk. Teilen von Epirus neugebildeten griech. Nomarchie Athamania, 75 km südlich von Jannina am linken Ufer des vom Metzowogebirge Lakmonj herabkommenden reißenden Arta Ru x se 8 (Aretho oder Arachthus), 12 km oberhalb seiner Mündung in den Golf von A. (Sinus Ambracicus) des Jonischen Meers. Der Ort Sitz eines griech. Bischofs, zählt etwa 6000 E., hat blühenden Handel und ringsum in der fruchtbaren Ebene guten Ackerbau, Wein⸗ und Orangenpflanzungen, leidet aber an der Malaria. Eine pittoreske venet. Brücke führt über den Bergstrom, und ein 1357 von Nikephorus gebautes Fort in Ruinen liegt auf der Stelle der alten Citadelle. Das alte Ambrakia in Epirus wurde in einer anfangs von Dryopern bewohnten, dann hellenisierten Landschaft um 640 v. Chr. durch die Korinther unter Fuhrung des Gorgos, eines Sohnes des Tyrannen Kypselos, am Nordfuße des langgestreckten, steilen Hügels Perranthes ge ründet, später aber, nach Vertreibung der Herrscher aus dem Stamme der Kypseliden, in eine demokratische Reblik verwandelt. Dieselbe wurde bald mächtig und ehauptete ihre Selbständigkeit, ungeachtet sie im Bunde mit den Peloponnesiern 426 durch die Athener und Akarnanier eine schwere Niederlage erlitt, bis Philipp von Macedonien sie durch Intrigue in seine Gewalt brachte. Nachdem sie Alexander, der Sohn des Kassander, an den Aakiden Pyrrhus von Epirus abgetreten, machte sie dieser zu seiner Haupt- und Residenzstadt und schmückte sie mit Prachtbauten sowie mit Kunstwerken aller Art, welche sämtlich bei der Eroberung durch die Römer unter M. Fulvius Nobilior 189 v. Chr. geraubt und nach om der Vernn wurden. Mit dieser Eroberung begann der Verfall der Stadt, der besonders, nach der Schlacht bei Actium, durch die Gründung von Nikopolis, zu welcher sie einen Teil ihrer Einwohner hergeben mußte, vollendet ward. Zur Zeit ihrer Eroberung hatten ihre Mauern, von welchen noch Reste der Seereit sind, einen Umfang von 4,5 km. Von der Seeseite war die Stadt, außer einem durch Dämme geschützten und durch Ketten verschließbaren Hafen, noch durch das mitten in den Sümpfen nahe dem Strande gelegene starke Kastell Ambrakos gedeckt, das dem heutigen, auf hellenischen Grundlagen ruhenden Phidokastron (Schlangenschloß) entspricht, welches westlich von der alten Mündung des Arachthus auf einer kleinen Rust in der Lagune Lo gari liegt. In der spätern aiserzeit hob sich der Ort wieder und war unter den Byzantinern eine wichtige Festung, die schon im 12. Jahrh. unter dem Namen A. oder Zarta vorkommt. Sie wurde 1083 von dem Normannen Bohemund von Tarent erobert, der den Kaiser Alexius in einer blutigen Schlacht zurückschlug. Die Venetianer entrissen sie 1688 unter Morosini den Türken, 1797 besetzten sie die Franzosen, und 1798 eroberte sie Ali Pascha von Jannina. Am 24. Nov. 1821 wurde die Stadt von Rhangos und den beiden Hiskos bis auf die Citadelle eingenommen, im Dezember aber von den Türken zurückerobert. Bei dem Dorfe Kombotti, im Süden der Stadt, erlitten 24. Juni 1822 die Türken eine Niederlage, siegten aber unter Reschid Pascha über die Hellenen und Philhellenen unter Maurokordato und Normann 16. Juli bei Peta, einem nahen Dorfe im Nordosten der Stadt. Am 28. Jan. 1854 proklamierten die Griechen des Distrikts von A. ihre Unabhängigkeit von der Pforte, nahmen 8. Febr. die Stadt und belagerten das Fort, aber schon 1. April wurden die Aufständischen bei Peta und 6. April bei Metzovo auseinandergesprengt. Infolge der den Griechen im Berliner Vertrag von 1878 zugestandenen Grenzerweiterung wurde A. 1881 an Griechenland abgetreten und 6. Juli 1881 von General Soutzos besetzt. Seitdem ist A. die Hauptstadt des griech. Lomos Athamania. Der 915 von A., ein Bassin von 654 qkm, —— den Handel günstig zwischen Griechenland und er Türkei gelegen, im Altertum viel besucht und durch die H cum und Anaktorion belebt, bilbdet eine Wa erfläche, die, wenn einmal die Barre an dem nur 640 m breiten Eingange bei der durch Augustus Seesieg berühmten flachen Landzunge Actium jetzt La Punta; griech.) und der Siegesstadt Nikopolis bei Prevesa (s. d.; türk.) passiert ist, für die größten Seeschiffe fahrbar bleibt. Die Küste rings um den Golf zeigt Spuren ihrer frühern sung 10 noch mehr aber ihrer jetzigen Verwahrlosung. Auch der Gesundheitszustand der Bevölkerung muß einst besser gewesen sein. Jetzt ist dagegen die ganze Golfgegend in den Sommermonaten sehr ungesund, indem intermittierende Fieber von bösartigem Charakter in den Niederungen 96 0 sind. vazd.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 15Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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