Artemisia (Beifuß) nannte Linné eine Pflanzengattung aus a der Kompositen, Abteilung der Korymbiferen, deren zahlreiche Arten, teils ausdauernde Kräuter, teils Halbsträucher, über die ganze nördl. Hemisphäre verbreitet, vor-Aden aber in der gemäßigten Zone Europas und siens zu Hause sind. Sie haben sämtlich kleine, mit einem ziegelschuppigen Hüllkelch versehene Blütenkörbchen voll kleiner Röhrenblüten, von denen die randständigen, fadenförmig gestalteten gewöhnlich weiblich, die übrigen Zwitterblüten, aber oft unfruchtbar sind, und glatte, kahle Achenen. Die Blütenkörbchen sind meist ähren⸗, trauben⸗ oder rispenförmig angeordnet, die Blätter am häufigsten hand-oder fiederförmig zerteilt, oft filzig oder silberrau, die Stengel sehr gewöhnlich rutenförmig. Die rtemisien zerfallen in vier Gruppen: 1) Dracunculus, mit nacktem Fruchtboden und unfruchtbaren Scheibenblüten 2) Seriphidium, mit nacktem Fruchtboden und lauterfruchtbaren Zwitterblüten;3)Abrotanum, mit nacktem Fruchtboden und fruchtbaren Scheibenblüten; 4) Absinthium, mit behaartem Fruchtboden und lauter fruchtbaren Blüten. Über die Arten der letzten Gruppe, zu denen unter andern auch die von den Alpenbewohnern sehr geschätzte und gesuchte Edelraute, A. Mutellina 2II. (s. 400 19. enpflanzen, Fig. 9 gehört, ö Zur ersten Abteilung sandit A. campestris L., unter inth. der Feldbeifuß, ein auf sandigem und trockenem Boden, an felsigen Orten und wüsten Plätzen häufig vorkommendes Kraut mit meist niedergestreckten, dünnen, harten Stengeln, Hätter bis dreifach fiederspaltigen, seidengrauen Blättern und eiförmigen, latten Korbhüllen, dessen Blütenkörbchen unter dem amen Semen A. rubrae offizinell waren, und A. Dracunculus L., der Dragon oder Estragon, eine sibir. Pflanze mit holzigen, aufrechten Steneln und unzerteilten, lineal-lanzettförmigen, kahen Blättern, welche als Küchengewürz und auch in der Heilkunst benutzt werden, weshalb diese Art sich häufig in Küchengärten angebaut findet. Zur zweiten Abteilung gebören die asiat. Arten, welche den als Wurmmittel berühmten Zittwersamen oder Wurmsamen (Semina Cinae oder Santonici) liefern. (S. Zittwersamen.) Zur dritten Abteilung belkert der gemeine Beifuß, A. vulgaris L., welcher überall in Deutschland und einem großen Teile Europas an Mauern, Hecken, in Steinbrüchen und andern Orten wächst und bis mannshohe, aufrechte, elastische Stengel mit fiederspaltigen, kreibt grünen, unterseits graufilzigen Blättern treibt, die lange Rispen Wrhenu h Blütenkörbchen tragen; ferner der römische Beifuß, A. ontica L., im mittlern und südl. Europa wachsend, in allen Teilen kleiner, mit doppelt-⸗fiederteiligen Blättern und gelben Blüten; endlich die Eberraute, A. Abrotanum L., aus Südeuropa, ein Strauch mit aufrechten rispigen Stengeln, doppelthen, Aunelnen chmal-linealen Blättern und kleinen, kugeligen Blütenkörbchen. Die Blätter der letztgenannten Art (Herba Abrotani), die Stengelspitzen der beiden andern (Summitates Absinthii pontici und Artemisiae) und der Wurzelstock des gemeinen Beifußes (Radix Artemisiae) sind offizinell. Letzterer galt und gilt noch immer für eins der wirksamsten Mittel gegen Epilepsie. Die mit Blütenkörbchen dichtbesetzten Aste der Rispe von A. vulgaris werden bekanntlich als Küchengewürz, namentlich zu Gänse⸗ und Entenbraten benutzt. Sie enthalten, gleich denjenigen der andern Arten, ätherisches Ol und bittere, aromatische Stoffe und werden ebenso wie diejenigen von A. pontica und Abrotanum innerlich bei allgemeiner Schwäche, gestörter Verdauung, 4—1 äußerlich zu Umschlägen bei Kolik, Quetschungen, Verrenkungen angewendet. Zur Abteilung Abrotanum gehört auch eine häufig, namentlich in Bauergärten, zur Zierde oder wegen des Wohlgeruchs ihrer Blätter kultivierte, halb trauchige rt, die A. cehamaemelifolia Vill. aus Südeuropa, welche zahlreiche, bis m hohe, dichtbeblätterte Stengel treibt, feinzerteilte, ein-bis dreifach fiederschnittige Blätter besitzt und bei uns selten blüht. Aus den Stengeln einiger chines. und japanes. Arten, die ebenfalls zur Abteilung Abrotanum gehören, besonders aus den feinen, baumwollähnlichen Fasern der A. chinensis L. und A. Moxa Bess. werden die so „Moxen ismus in Anwendung kommen, verfertigt. „Artenay, Hauptort eines Kantons im Arrondissement Orléans des Depart. Loiret, in der Landchaft Beauce an der Straße und der Eisenbahn von Paris nach Orléans „19 km nördlich von Orleans, mit 1041 E. Hier stieß General von der Tann 10. Okt. 1870 bei seinem Vormarsche nach der Loire mit der 1. bayr. Division, der Korpsartillerie und der 2. und 4. preuß. Kavalleriedivision auf die Vorhut der franz. Loire-Armee (leine Division des 15. Korps unter General Reyan) und schlug dieselbe vollständig. Trotz ihrer .— an Artillerie hielten die Franzosen von 10 bis 3 Uhr nachmittags nördlich von A. wacker stand, wurden aber von der preuß. Kavallerie auf beiden Flügeln umgangen und, nachdem A. um 3 Uhr von den Bayern erstürmt, gegen 5 Uhr in den Wald von Orléans zurückgeworfen. deeß in den spätern Kämpfen der Deutschen mit der franz. Loire-Armee (1I. bis 4. Dez.) wird A. öfter genannt.