FeedArtischocke (Cynara Scolymus L.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Artischocke (Cynara Scolymus L.), eine im südl. Europa wildwachsende, aber wahrscheinlich aus Asien stammende Pflanze aus der Familie der Kompositen. Sie ist ein perennierendes, distelähnliches Kraut mit bis mannshoch werdendem Stengel (wenn man ihn wachsen läßt), teils gefiederten, teils uneteilten, ziemlich stacheligen, unterseits weißfilzigen lättern, von denen die grundständigen bis 0,5 m lang werden und eine große Rosette bilden, und endständigen, eiförmigen, bis 7,5 em dicken, von eiförmigen, abgerundeten, am Grunde fleischigen Hüllschuppen umgebenen Blütenkörbchen voll purpurvioletter Röhrenblüten. Man unterscheidet drei Spielarten: die große englische, die stachelige und die glatte A., welche alle, vornehmlich aber die letztere, in Gärten als ein gesundes und W er des Gemüse gezogen werden. Der eigentlich eßbare Teil ist der dicke, fleischige Fruchtboden oder sog. „Käsen. Auch ißt man den untern verdickten Teil der Hüllschuppen. Die Blütenkörbchen werden zu diesem Behufe, bevor sie sich öffnen, abgeschnitten und, in Wasser Gemnse ver gekocht oder mit Butter geröstet, als Gemüse verspeist, wohl auch mit Essig und Ol als Salat; in Italien werden meistens nur die fleischigen Fruchtböden gegessen, und zwar nicht in Fleischbrühe oder Wasser, sondern in Ol gekocht. Die Kultur der A. erfordert große Sorgfalt und kann nur in Gegenden von mildem Klima mit Erfolg betrieben werden. Man findet sie daher vorzüglich in 1 namen und Südeuropa verbreitet, in din Otert »namentlich in den Rheingegenden, auch in Osterreich. Man steckt die Pflanzlinge in 0,6 m voneinander entfernten Reihen, jede Pflanze in 1,25—1,66 m Entfernung von der nächsten, in gutgedüngte, kräftige, wilde Dammerde, und bedient sich zu Pflanzlingen der Wurzelsprossen, welche die alten Pflanzen im Spätsommer treiben, nachdem sie abgeblüht haben oder ihnen die Köpfe enommen worden sind. Die Entnahme dieser urzelsprossen geschieht im März, die Ernte der Köpfe Ende August (in Deutschland). Man läßt nur die am Ende des Stengels und der Hauptäste sich bildenden Blütenkörbchen (die Hauptköpfe) sich entwickeln, alle übrigen bricht man ab, damit erstere recht groß und schön werden. Nach der Ernte bricht man die Stengel nahe am Boden ab, entfernt im Spätherbst alle noch vorhandenen Wurzelblätter und bildet über jedem Stock einen Erdhaufen, bedeckt ihn mält 1 noch mit Mist, um ihn gegen die Winterkälte zu schützen. Es wird auch noch eine andere Art der Gattung Cynara als Gemüsepflanze gebaut, die sog. Cardonen oder spanische A. (C. Cardunculus L., eine sehr dornige Staude, von welcher nicht die Blütenköpfe, die bei ihr viel kleiner sind, sondern die fleischigen Stiele der großen grundständigen Blätter als bef. N benutzt werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 27Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6