Astrognosie (grch., d. i. Sternkenntnis) nennt man die Vertrautheit mit den Konstellationen, welche die Fixsterne am Firmament bilden, sowie mit den Namen und Bezeichnungen der Sterne und Sternbilder. Durch sie kann man unter allen Umzeigt, sowohl annähernd die Zeit als auch die Richtung (Himmelsge +. bestimmen. Daher findet man Leifan e Kenntnisse unter irgendeiner Form bei fast allen, selbst den noch rohen Völkerschaften, sowie bei Hirten und Feldarbeitern, die häufig nachts im Freien bleiben. Da man übrigens nur am Aquator das ganze Firmament, an allen übrigen Punkten der Erde nur einen größern oder geringern Teil desselben 1* Gesicht bekommt, so hat jede Zone ihre eigene A. Hilfsmittel zum Studium derselben sind Himmelsgloben und Sternkarten. Da nun aber nicht alle an einem Orte überhaupt sichtbaren Sterne auch gleichzeitig sichtbar bar und jede Jahreszeit wie jede Nachtstunde anere Sterne zeigt, so it es wichtig, zu wissen, welche Gegenden des Himmels zu einer gegebenen Zeit sichtbar sein werden, was man am beten durch einen orientierten Globus erfährt. Dieses Orientieren Jumut fe folgenderweise: 1) Man dreht den Globus samt seinem Gestelle so, daß der Meridian (der messingene Kreis, welcher durch die beiden Pole geht) in der Richtung von Süd nach Nord zu liegen kommt, wozu man sich entweder einer Magnetnadel bedient, oder auch, da hier keine große Genauigkeit gefordert wird, nach der wenigstens ungefähr bekannten Lage des Nord- und Südpunktes richtet. 2) Man stellt den Globus auf die Polhöhe seines Ortes, d. h. man dreht die Kugel in + Gestelle mit dem Pole auf⸗ oder abwärts, bis der sichtbare Pol, also in Europa der Nordpol, ebenso 28 Heitelt dem Horizonte, dem Ditees Ringe des Gestells, steht, als die geogr. reite des Ortes beträgt, z. B. für Leipzig auf 51.20, 3) Man bringt den Ort der Sonne in der CEkliptik, wo sie sich an dem Tage, für welchen der Globus orientiert wird, gerade befindet, unter den Meridian und stellt den Zeiger der Stundenscheibe auf 12 Uhr. Diesen Ort der Sonne findet man für jeden Monatstag auf dem Horizonte des Erad bemerkt, so z. B. für den 17. Dez. den 25. Brad des Schützen, die Länge der Sonne gleich 8 Zeichen 25 Grad. Man sucht daher auf dem Globus in der Linie der Ckliptik das Zeichen des Schützen und in diesem den 25. Grad und bringt diesen Punkt unter den messingenen Meridian, während man den Zeiger der Stundenscheibe auf 12 Uhr stellt. Auf diese Weise ist nun der Globus orientiert, d. h. er stellt die Lage des Himmels und aller seiner Sternbilder genau so dar, wie er an diesem Tage zu Mittag an dem Beobachtungsorte in der That erscheint oder erscheinen würde, wenn man um Mittag die Gestirne sehen könnte. Will man daher auf dem Globus die Lage des Himmels für irgendeine nächtliche Stunde dieses Tages haben, z. B. für 10 Uhr abends, so dreht man die Kugel um ihre Achse so lange von Ost gegen West, bis der Zeiger der Stundenscheibe, der erst auf 12 Uhr stand, 10 Stunden durchlaufen hat und mithin auf 10 Uhr steht. In dieser Lage wird der Globus als ein getreues Bild des Himmels anzusehen sein. Feahe muß man sich bei dem Gebrauch einer künstsch in den Mittelpunkt der Kugel zu versetzen, um ichen Himmelskugel immer erst daran gewöhnen, das auf der Oberfläche derselben Dargestellte demgemäß am Himmel aufzusuchen. Wollte man sich nicht im Mittelpunkte denken, so würde man großen Irrtümern ausgesetzt sein, weil der Natur der Sache nach am Himmel dasjenige rechts uuhen bet was auf der Oberfläche des Globus, von außen betrachtet, links zu sehen ist, und umgekehrt. Wenn man erst einige Fixsterne kennt, ist es leicht, mittels Sternkarten sich am Himmel zu orientieren und eine Kenntnis der Sternbilder und wichtigsten Sterne — erlangen. Kleinere Karten befinden ich in geogr. tlanten; besonders zu empfehlen sind Argelanders und Heis' Uranometrie. Eine für den Unterricht in der A. sehr zweckmäßige Methode ist die der Alignements, bei welcher die Sterne in Gedanken durch gerade Linien verbunden und durch diese ihre Verlängerungen die orter anderer Sterne bestimmt werden. Beschränkt man sich an Enun die größern Sterne, so kann man in wenigen Stunden einer hellen Nacht den ganzen sichtbaren Teil des Himmels kennen lernen. Außerdem suche man sich vor allem die Sternbilder des Tierkreises einzurägen weil dieselben in der Astronomie und ysischen eographie fortwährend nwendung finden. Vgl. Bode, «Anleitung zur Kenntnis des gestirnten Himmelso (11. Aufl. von Bremiker, Berl. 185⁵8/); Möllinger, Lehrbuch der A.v (Zür. 1878).