Athiopier (grch. und lat. Aethiöpes, von aldo, verbrennen, und äch, Gesicht, also die mit sonnverbranntem Gesicht) hießen +* den ältesten geogr. Vorstellungen der Griechen alle Völker, die den südl. Rand der bekannten Erde bewohnten. Schon Homer schildert dieselben in seinen Dichtungen und unterscheidet munt den AÄ. des Ostens und Westens. Denselben Unterschied kennen auch Herodot und die spätern Geographen der Griechen und Römer. Athiopien galt ihnen für alles Land südlich von Libyen und Agypten. Nach Plinius wurde das östl. Athiopien durch den Nil vom westlichen geschieden. Das östl. Athiopien, welches auch in der alten Geographie vorzugsweise Äthiopien genannt wird, umfaßte den alten Kulturstaat Meroẽ 2* Mittelpunkt sich im heutigen Nubien befanb. an pflegt daher jetzt, wo die Gegenden am mittlern Nil Gegenstand wissens Rundenen Reft. olter geworden sind, die dort vorgefundenen Reste alter Kultur, Denkmäler u. s. w. äthiopische zu nennen. Ebenso heißt die 25. Dynastie der Agypter die äthiop. Dynastie, weil sie von Sewek oder Sabakon, einem aus Nubien einbrechenden Eroberer, begründet wurde. Als später im heutigen Abessinien ein christl. Reich entstanden war, wurde der Name bald man (s. d.) auch auf dieses übertragen, weshalb man noch jetzt von äthiop. Christen, einer äthiop. Kirche u. s. w. spricht, und auch die Schriftsprache der christl. Abessinier, das Geez, äthiop. Sprache zu nennen pflegt. Für das Land selbst ist der Name Athiopien kaum noch im Gebrauch, sondern durch Abessinien (s. d.) verdrängt worden. Dasselbe Schicksal hat der Name Athiopisches Meer gehabt, mit welchem nur noch selten, auf Seekarten gar nicht mehr, der südl. Teil des Atlantischen Oceans belegt wird. Da schon bei den Alten die dunkle oder schwarze Farbe als die hervorstechendste Eigenschaft der A. galt, so hat auch Blumenbach in 11 Einteilung der Menschenrassen die Negervölker Afrikas unter der Benennung Enthrod e Rasse (s. d.) Tegentämiicer thiopische Kirche, ein eigentümlicher Zweig der christl. Kirche. Die Meinung, daß das Christentum schon im 1. Jahrh. durch den Kämmerer der Königin Kandake (Apostelg. 8, 21) nach Abessinien gebracht wurde, beruht auf Namensverwechselungen und ist grundlos. Auch daß in Abessinien vor seiner Bekehrung zum Christentum das Judentum geherrscht habe, ist eine ungeschichtliche Annahme; das Judentum scheint erst etwas später von Südarabien aus Eingang und Verbreitung gefunden zu haben. Nach den sichern Nachrichten der griech. Kirchenschriftsteller faßte das Christentum in Abessinien zuerst Fuß durch die 5088 tigkeit des Frumentius und Adesius, der Söhne Meropius, welche als Sklaven an den Hof von Axum kamen, und von denen später, etwa 350 n. Chr., Frumentius vom heil. Athanasius, Bischof von Alexandria, zum ersten Bischof von Axum geweiht wurde. Die spätern einheimischen Berichte verlegen diesen Vorgang unter die Brüder-Könige Wiscrorelb und Atzbeha, und nennen den ersten das Ehri ba Salämä. Größere Fortschritte machte das C Dureh im Lande erst im 5. Jahrh., besonders durch die aus Agypten eingewanderten monophysitischen Mönche. Auch die Könige scheinen erst gegen Ende des 5. Jahrh. übergetreten zu sein; im 6. Jahrh. war das Reich in der Hauptsache christlich. Damals, wenn nicht schon früher, müssen auch die Bibelbücher übersetzt und der Kultus einigermaßen organisiert gewesen sein. Aber noch tief im Mittelalter, nachdem viele christlich gesinnte Könige regiert hatten, waren nicht blo zahtreiche Deiche sondern auch manche heidnische Stämme im Reiche. Im Leben des großen Heiligen Takla-Haimanöt im 13. Jahrh. werden sehr glaubwürdige Nachrichten von seiner Bekehrung ganzer heidnischer Distrikte (in Damot, Dawaro) gegeben, und noch König Zar'a-Jacob (im 15. Jahrh. arbeitete an der Ausrottung des Heidentums aus seinem Reiche. Die äthiop. ber sie ist eine Tochter der ägyptischen, mit welcher sie immer in engster Verbindung blieb. Wie die Hauptmasse der ägypt. Christen, so schlossen sich auch die Verhaublun einfach und, wie es scheint, ohne alle Verhandlungen und Streitigkeiten dem monophysitischen Bekenntnis an und blieben fortan dem monophysitischen oder jakobitischen Patriarchen von Alexandria unterthan. Das Kirchengesetz, nach welchem nur dieser den Metropoliten von Abessinien weihen durfte, wurde streng eingehalten; alle ihre wichtigern dogmatischen und kirchenpolit. Schriften haben die Athiopen von den ägypt. Jakobiten bezogen. zader äthiow Rirche Rachrichten über die Entwickelung der sihner irche im Mittelalter fehlen; das Verzeichnis ihrer Metrooliten (95 an Zahl von Frumentius bis zum 1613), welches in Umlauf 70 ist wenigstens in seiner ersten Hälfte unzuverlässig. Einzelne Notizen über die äthiop. Kirche dieser Zeit finden sich bei arab. Schritsellern über die kopt. Kirche. Die Kirche war und blieb durch das Mittelalter hindurch die Trägerin der Kultur und litterarischen Thätigkeit. Diese letztere bestand in der ersten Zeit überwiegend, aber auch später noch großenteils in Übersetzung der Bibel und der wichtigsten christl. Schriften der ägypt. Kirche, anfangs, als in Agypten noch die griech. Sprache herrschte, aus dem Griechischen, später auch aus dem Koptischen, in den drei letzten DSN des Mittelalters namentlich aus dem rabischen. Zu den eigenen Produktionen der ältern äthiop. Kirche gehören vielleicht, wenigstens zum Teil, die Hymnenbücher und Antiphonarien, deren Abfassung insgemein dem heil. Jared unter König Gabra-Masgal zugeschrieben wird. Vom 13. bis ins 15. Jahrh., wo auch in der kopt. Kirche das wissenschafkliche Leben wieder erwachte, war in Abessinien ein reges litterarisches Leben: die meisten ihrer selbständigen Schriften sind in dieser Zeit geschrieben und die wiederholte Revision der Bibelübersetzung gibt Zeugnis von dem Streben 2e Euntem der Erkenntnissen. Aber das immer tiefere Sinken der kopt. Mutterkirche, der polit. Verfall des Reichs vom 16. Jahrh. an, die in den Kriegen zunehmende Verwilderung des Volks, die Verwüstung seiner alten Heiligtümer und Litteratur, das Absterben der Geezsprache (in der alle heiligen und kirchlichen Schriften abgefaßt sind), das Eindringen der moslemischen Hude den schen Völker die Jaht auch der äthiop. Kirche den Untergang. Die Zähigkeit seines monophysitischen Glaubens zwar, welche das Volk den röm. Bekehrungsversuchen im 16. und 17. Jahrh. entgegensetzte, hat sich dort noch immer erhalten, aber der Geist des Christentums und das christl. Leben ist längst daraus geschwunden. Nur die leeren Formen sind geblieben. In grober Unwissenheit und wüstem Aberglauben wetteifern die Christen des Landes jetzt mit den Moslems, und in Sittenlosigkeit übertreffen sie diese vielleicht noch. Das Feld, welches diese so gänzlich verfallene Kirche für die Missionsthätigkeit der europ. Kirchen darbietet, ist im 19. Jahrh. abwechselnd von deutsch-engl. und röm.⸗kath. Sendboten angebaut worden, aber ohne n der Glaubenslehre schließen sich die Abessinier an die alte Gesamtkirche bis auf die Halobonische Synode und von da an die monophysitische Kirche an. Sie erkennen den von den drei ersten ökumenischen Synoden festgestellten Glauben an und gebrauchen das nicänische Symbol als Glaubensformel, verdammen zwar auch den Eutyches, nicht aber den Dioskur, und verwerfen die Festsetzungen der vierten ökumenischen Synode über die zwei Naturen. Ihr dogmatisches Hauptwerk „Haimanöta Abau (der Glaube der Väter), eine sehr weitschichtige müsen derd von Zeugnissen und Glaubensbekenntnissen der sich ha utoritäten, in Agypten verfaßt, bewegt sich hauptsächlich um das monophysitische Dogma. Glaubensquellen sind ihnen die Schrift, die apostolischen Kanones und die Festsetzungen der Konzilien und anerkannter Lehrer ihrer Kirche. Das Alte und Neue Testament haben sie vollständig (in verschiedenen, revidierten libers etzungen), daneben noch die Apokryphen (mit Ausnahme der Makkabäerhücher, welche erst spät unter dem Einfluß der kath. Missionare aus der Vulgata übersetzt wurden) und ——15 raphen, ohne über deren kanonif e Dignität zu t geltenden Normen gekommen zu sein. Nach dem hat für sie die nächste Autorität der „Synodosv, eine Sammlung der apostolischen, synodalen und kirchenväterlichen Kanones, aber schon in sitischer Bearbeitung. In den vom monophysiti Hen Dogma nicht berührten Glaubenslehren zeigen sie von der alten Kirche kaum eine Abweichung, außer daß sie den Heiligen Geist nur vom Vater ausgehen lassen. Auch in ihren Gebräuchen 05710 sie noch viel aus der allerältesten christl. Kirche, ja sogar aus dem Alten Testament bei Den cd Die Taufe der Erwachsenen (be-Elten Heiden oder Moslems), die bei ihnen nicht selten ist, wird fast ganz nach urchristl. Ritus vollzogen. Die Taufe der Kinder ist bei Knaben am 40., bei Mädchen am 80. Tage nach der Geburt. Mit der Taufe verbunden ist Salbung und Kommunion; Kindern wird ein Tropfen Wein aus dem Kelche, in welchen das Brot getaucht war, eingeflößt. Auch Milch und Honig bekommt der Täufling nach altchristl. Sitte. 1105 die Beschneidung haben sie am 8. Tage nach der eburt, zugleich mit der Namengebung. Für die Kommunion haben sie eine der griech-kath. und der Messe sehr ähnliche Feier, wie auch ihre liturgischen Formulare dafür sich meist an die ältern Formulare der allgemeinen Kirche anschließen. Die Beichte geschieht nur im allgemeinen, und die Absolution geschieht durch einen gelinden Schlag mit einem Olzweige. Das System der kirchlichen Pönitenzen ist sehr ausgebildet. Außer dem Sonntag feiern sie den Sabbat nach altchristl. Sitte, aber nicht durch jüd. Ruhe, sondern durch Kommunion, Gottesdienst, Enthaltung von der Feldarbeit, und Ieralen ihn hinter den Sonntag zurückstellend. Sie halten die altkirchlichen Feste: Mariä Empfängnis, Weihnachten, Beschneidung, Tauffest, Passionswoche, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, auch ½½½ (Rakeb) genannt, an welchem nach alter Regel die Synoden gehalten werden sollen; sonst feiern sie noch (abweichend von der alten Sitte) monatliche Gedächtnistage Christi, der Maria und des Erzengels Michael, auch ein Takla-Haimanotfest, ein Fest der Kreuzeserfindung und viele Heiligentage. Die beweglichen Feste werden etwas anders berechnet als bei uns. Ihre Fasten sind sehr streng und häufig, und gelten bei ihnen als ein Hauptstuck des Christentums; schon die Kinder werden von frühester Jugend auf daran gewöhnt. Im gewöhnlichen Gottesdienst haben sie nur Gebet, salmenvortrag und Lektionen aus der Bibel (die durch Lektionarien in altkirchlicher Weise geregelt sind), ½½ nicht, obleich bei besondern Watem abae eden und Homiien von berühmten Vätern abgelesen werden. An Festen und Heiligentagen werden auch die Hymnen und Antiphonien mit Musikbegleitung und zum Teil wilden mimischen Gestikulationen gesungen; dazu kommt der Kommuniondienst. ** „Die Che wird vor Zeugen geschlossen; die kirchliche Einsegnung ist dagegen nicht notwendig. Mo-Iπ gilt zwar als Regel, und kein Polygam soll zur Kommunion zugelassen werden, ehe er die überzähligen Weiber entlassen hat; aber dem König und den Magnaten wird diese Vorschrift nachge⸗ . Vor dem Gesetz dagegen ist die Polygamie geduldet und auch die Scheidung durch den urgerlichen Richter sehr leicht zu erlangen. Kleriker, die ihr Weib entlassen oder nach dem Tode der ersten rau eine zweite heiraten, müssen ihr Amt niederlegen. Die Begräbnisse finden statt unter kirchlicher Feier, mit Gebeten, Psalmsingen, Bibellektionen, eräucherung und Besprengung mit Weihwasser. Der Beerdigungsplatz ist geweiht, und der Abessinier hält viel darauf, in geweihtem Boden begraben zu werden. Kirchen hatten und bie. sie H„ viele; die ältern waren besser gebaut, die jetzigen sind sehr unansehnlich, kreisrund, meist aus Flechtwerk und Lehm gemacht, außen weiß getüncht, oben kegelförmig, mit Rohr und Stroh gedeckt „darauf ein messingenes Kreuz, gewöhnlich an einem Wasser angelegt, mit Bäumen umpflanzt. An eigentümlichen Gebräuchen haben sie, außer den erwähnten, auch noch die Haltung gewisser alttestamentlicher Reinigkeitsgesetze und die Enthaltung von einigen im Alten Testament oder Apostelg. 15 29, 16, 4 verbotenen Speisen. Die Bekreuzung ist herrf ende Volkssitte. Als christl. Abzeichen tragen die bessinier eine blaue Schnur um den Hals, Mateb genannt. Der Glaube an Zauberei, Amulete u. s. w. war wohl nie ganz ausgerottet, hat aber seit dem 16. Jahrh. sehr uüberhandgenommen. Fasten, Almosen, Schenkungen an Bettler, Pilger, Priester, Kirchen und Klöster gelten als gute erle, ebenso chutzherr und Oberhaupt der Kirche ist der König, der den Metropoliten vom Patriarchen erbittet, Synoden zusammenrufen kann und die richterliche Gewalt gegen Geistliche und Mönche ausübt. Das geistliche Oberhaupt der Kirche ist der Metropolit, Pappas oder Abuna genannt, in Glaubenssachen die höchste Autorität, als Schiedsrichter auch in Staatszwistigkeiten dann und wann an erufen. Er wurde vom alerandrinischen Patriarchen geschickt und sollte nach späterer Praxis kein geborener Abessinier sein. Unter den Metropoliten standen einst die Bischöfe. Mehr als sieben sollten nach einer ältern Kirchenregel nicht in Athiopien sein; aber schon zu Ludolfs Zeit gab es gar keine Bischöfe mehr in Athiopien, sondern nur Qömös, Priester und Diakonen. Seit die kopt. Kirche in Agypten unter den Arabern sbn Verfall gekommen war, und die Patriarchen selbst oft nur notdürftig lesen konnten, ermangelten natürlich auch die von ihnen nach Athiopien geschickten Metropoliten meist jeder Befähigung zu ihrem Amte. Der Metropolit hatte seinen Sitz meist in Axum, in neuerer Zeit in Gondar. Die größern Kirchen haben außer ihren Diakonen und Priestern noch einen besondern Vorsteher, Qömös genannt, welcher, an Rang über dem Priester, die weltlichen Angelegenheiten der Kirche verwaltet, auch Streitigkeiten unter den Klerikern —s Arer Die Geistlichen tragen als ihr Abzeichen das Kreuz in der Hand. Das Mönchtum scheint von Agypten aus sich ziemlich früh in Athiopien verbreitet zu haben. Der gefeierte Mönch und Abuna Takla-Haimanöt im 13. Jahrh. gab den Mönchen eine bestimmte Regel, unterwarf sie einem Großprior, Itschege genannt, mit dem Sitz auf dem Deser Rurch des Ordens, Dabra-Libanos in Schoa. ieser — 71⁷ genießt in Abessinien großes Ansehen und ist die zweite geistliche Person des Reichs. Die Klöster seines Ordens sind die verbreitetsten. M jedem Kloster rer unter dem Abt verschiedene ufseher, worunter der Alaka oder Gutsverwalter. Ein anderer Ordner des Mönchslebens war Abba Eustathius, dessen Nachfolger aber kein gemeinern in Häusern, meist in der Nähe der Kir en, leben, ihr Feld bauen, bürgerliche Gewerbe treiben, sonst nur durch das Kreuz und das Mönchskleid, das sie tragen, durch den Cölibat und durch die frommen übungen, die sie wenigstens der Monche sich von Laien unterscheiden. Die Zahl der Mönche in Abessinien ist sehr groß.