Athos, jetzt gewöhnlich neugriech. Hagion Oros (woraus türk. Aineros), d. i. heiliger Berg, bei den Italienern Montesanto genannt, eine 37 km lange und bis 11 km breite Gebirgsmasse, welche halbinselartig von der östlichen macedon. Küste aus zwischen dem Strymonischen und Singitischen Busen in das Agäische Meer vorspringt und durch einen schmalen, nur 1,8 km breiten Isthmus, welchen gegen 480 v. Chr. der Perserkönig Xerxes durchstechen ließ, mit dem Festlande zusammenhängt. Die höchste Spitze der an schönen Punkten reichen, erbebt st zum Teil prächtig bewaldeten Halbinsel erhebt sich im Südosten bis zu einer Höhe von 1935 meüber dem Meere. Im Altertum lagen fünf Städte: Dion, Olophyros, Thyssos, Kleonä und Akrothoon, auf derselben. Seit der zweiten Hälfte des 9. Jahrh., wo die ersten Spuren mönchischen Lebens daselbst erscheinen, wurde sie allmählich mit Klöstern bedeckt (Zographu wird schon 919 urkundlich erwähnt), von denen jetzt, außer vielen Klausen, Kapellen u. s. w. noch 20 E Shete Die größten sind die Klöster Iwiron (der Iberer, entstand gegen 980) und Hagia-Laura (lentstand gegen 963), das reichste Vatopädi (entstand um 980). ihnen wohnen im ganzen 4 — 6000 Mönche aller Nationen, meistens Griechen, aber auch Bübubim Slawen, welche eine Art mönchischer Republik unter Hoheit der Türken bilden, denen sie jährlich einen Tribut von etwa 70000 Mark entrichten müssen. Die Regierung besorgt das Protaton, zu welchem jedes Kloster einen Epistaten oder Igumen (Hegumenos, d. i. Abt) mit Vollmacht auf vier Jahre als Repräsentanten sendet; aus ihnen wird jährlich der Vorstand zur Verwaltung der Einkünfte und Rechtspflege gewählt. Der Sitz des Protaton ist zu Karyäs, dem Hauptflecken der Aarals mit 1000 E. Daselbst residiert auch ein Aga als Vertreter der türk. Regierung. Die Mönche folgen der im Orient allgemein gültigen Regel des heil. Basilius und leben in strengster Ascese, genießen nur Gemüse, Früchte und Fische, beschäftigen sich mit Ackerbau, Gartenbau und Bienenzucht, und fertigen für den Bedarf und zum Verkauf Amulette, Gerätschaften, Heiligenbilder, Kruzifixe u. dgl. aus Horn und Holz, auch kunstvolle Stickereien u. s. w. Unförmliche Bilder von Heiligen, Ansichten der Klöster u. dgl. werden auch zu Karyäs in einer Art von Druckerei gedruckt. Nur Männern ist der Zutritt zu den in Karyäs abgehaltenen Märkten gestattet, da alle Frauen (und alle weiblichen Tiere) von der Halbinsel verbannt sind. Die bedeutenden Wallfahrten sind Hauptquelle der Einkünfte. Während gegenwärtig die Mönche auf einer sehr niedrigen Bildungsstufe stehen und Ackerbau und Verkehr in Verfall geraten sind, war der Berg A. im spätern Mittelalter Hauptsitz der griech. Wissenschaft und der christl.⸗byzant. Malerei. Die Bibliotheken, von denen fast jedes Kloster eine besitzt, liegen jetzt unbenutzt und ver —— Außer Handschri finden sich in denselben noch viele griech. Handschriften, von denen manche in neuester Zeit von Minas Minoidis und andern untersucht und nach dem Abendlande gebracht worden sind. Für die klassische Litteratur gewähren sie nur wenig Ausbeute, mehr für Bibel und Kirchenväter; von Wichtigkeit sind die Handschriften in georg. (zu Iwiron) und namentlich in altslaw. (bulgar.) Sprache (z3. B. zu Docheiru). Auch findet sich hier ein Schatz interessanter Urkunden. Die Klööster selbst, stets von einer hohen Mauer mit einem einzigen Thore umgeben, sind im Stile der Markuskirche in Venedig aufgeführt worden und bergen fast sämtlich treffliche Schnitzereien und Goldschmiedearbeiten. Auch finden sich überall Malereien im byzant.⸗christl. Stil; namentlich verdienen die Malereien zu Hagia-Laura und Vatopädi Beachtung, die von sehr hohem Alter sind und dem Michael Panselinos beigelegt werden. Seit Febr. 1882 sind die Klöster auf dem A. telegraphisch mit Salonichi verbunden. Vgl. außer den Reisewerken von Zachariä, Fallmerayer und Grisebach: Pischon, Die Mönchsrepublik des Berges A.» im «Histor. Taschenbuch⸗ (4. Folge, 1. Jahrg., Lpz. 1860); W. Gaß, Zur Geschichte der Athosklösters (Gieß. 1865); Langlois, Le mont A.r (Par. 1866). (neten.