Auerbach, Stadt im königl. sächs. Regierungsbezirk Zwickau, an der Göltsch und den Linien wickau-Olsnitz und Herlasgrün-Falkenstein der chsischen Staatsbahn, ist Sitz einer Amtshauptmannschaft und eines Amtsgerichts, hat zwei Kirchen, einen alten Wartturm, ein Lehrerseminar nebst haftiihe Wun eine Handelsschule, eine landwirtschaftliche interschule, Fabrikation von Weißwaren, Spitzen, Stickereien, Papier, Pelzwaren, Wachstuch u. s. w. „chem. Bleichereien, Spinnerei und Er Nae snd Te und zählt (1880) 6258 E. der Nähe sind Torfstiche, Pechsiedereien und rennereien. uerbach (Berthold), deutscher Dichter und Schriftsteller, geb. 28. Febr. 1812 Nordstetten bei Horb im württemb. 7 waldkreise, von jüd. nft, erhielt seine Schulbildung in Hechinen und Karlsruhe, wo er auch das Gymnasium esuchte. Den Gymnasialkursus vollendete er in Munchen und studierte w1832 — 35 in Tübingen, München und Heidelberg und zwar escht 8 Jurisolge der Untersuchung, 6b 1. 18 die —½ ½ chaftlichen Bestrebungen, saß A. 1836 einige Monate in Haft auf der U Kene Hohenasperg. In demselben Jahre erschien seine erste Schrift: „Das Judentum und die neueste Litteratur⸗ (Stuttg. 1836), der eine Reihe von Romanen aus der Ge⸗ —7 des Judentums unter dem Gesamttitel „Das Ghettos» folgten; es erschienen davon auch besonders »Spinoza (Mannh. 1837; 6. Aufl., Stuttg. 1871) und „Dichter und Kaufmannv (Mannh. 1839; 2. Aufl., Stuttg. 1871). Hieran schloß sich die mit einer kritischen Lebensbeschreibung begleitete Übersetzung von «Spinozas sämtlichen Werken» (5 Bde., Stuttg. 1841; 2., neu bearbeitete Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1871). Eine neue Richtung, in deren Verfolgung er seine gelungensten Arbeiten lieferte, schlug A. ein mit der Schrift Der gebildete Bürger, Buch für den denkenden Mittelstande (Karlsr. 1842). Dieser folgten die „Schwarzwälder Dorfgeschichtend (2 Bde., Mannh. 1843, neue S.le 3. u. 4. Bd., 1853 — 54; 10. Aufl. 1868; Volksausgabe, 8 Bde., Stuttg. 1871), die raschen und verdienten Beifall erhielten und in fast alle europ. Sprachen übersetzt wurden. A. gibt in diesen originell und fesselnd geschriebenen und humorvollen Erzählungen Bilder von Land und Leuten seiner Heimat und erweist sich namentlich als Meister in der Schilderung von Gemütszuständen und psychologisch interessanten Charakteren. Zu den Do Lreen. gehört auch die Novelle Die Frau Professorind, die zuerst in dem Taschenbuch Urania v Jahrg. 1847) erschien und von Charlotte Birch⸗-Pfeiffer gegen des Dichters Willen zu einem Drama (Dorf und Stadte) benutzt wurde. Dieser Richtung schließt sich auch der unter dem Titel »Der Gevattersmann von A. 15467 Druumi Volkskalender an (Karlsr. 1845 u. 1846; Braunschw. 1847 u. 1848), gesammelt und mit neuen Volkserzählungen vermehrt unter dem Titel: „Schatzkästlein des Gevattersmannes „(6. Aufl., Stuttg. 1875). Diese Schriften entstanden meist in Frankfurt a. M., Mainz und der helnd gegend. Seit Frühjahr 1845 lebte A. abwechselnd in Weimar, Leipzig, Breslau, Wien, Dresden, Berlin und Stuttgart, seit 1859 aber wesentlich in Berlin. Von den Werken A.s seit 1845 sind besonders hervorzuheben: »Schrift und Volk. Grundzüge der volkstümlichen Litteratur, angeschlossen an Erzählungen »Deutsche Abende» (Mannh. 1850; 4. Aufl., Stuttg. 1855, Neue Folge 1867), das Drama aus dem Volksleben, Der Wahrsprucho Har 1856), die Lehrgeschichte Neues Lebenv (3 Bde., nnh. 1851; 4. Aufl., Stuttg. 1872), die Erzählungen „Barfüßele v 40on W 1856; 16. Aufl., Stuttg. 1873; illustriert von Vautier 1872), Joseph im Schnee, (Stuttg. 1860; 3. Aufl. 1871, illustriert von Kindler 1867), Edelweißv (7. Aufl., Stuttg. 1874), und der geistvolle Roman «Auf der Höher (Stuttg. 1871; 10. Aufl., 4 Bde., 1872; vgl. Dalton, A.s Roman Auf der Höhe. Vortrago 12. Aufl., Petersb. 1870). Eine interessante kritische Schrift war Goethe und die Erzählungskunstz (Stuttg. 1861). In den Jahren 185869 gab A. einen Volkskalender heraus, dessen Hauptinhalt unter dem Titel: „Zur guten Stunde, gesammelte Volkserzählungeno (2 Bde. mit 334 Bildern, Stuttg. 1872; 2. Aufl. 1874 — 75) erschien. Seine gesammelten Schriften wurden erst in 20 Bänden (Stuttg. 185759), dann in 22 Bänden 1 1863—64; 2. Aufl. 1871) peröffentlicht. Auch in den spätern Jahren entwickelte A. noch eine Wlepen ahr uDas Land Thätigkeit. Zeugnis davon legen ab: »Das Landhaus am Rheinv (5 Bde., Stuttg. 1869; 4. Aufl., Stuttg. 1874); «Waldfried, eine vaterländische Familiengeschichtes (3 Bde., Stuttg. 1874; 2. Aufl. 1875); «Drei einzige Töchter. Novellend (Stuttg. 1875; 4. Aufl. 1878); «Tausend Gedanken des Kollaboratorso (Berl. 1875); MNach dreißig Jahren. Neue Dorfgeschichten (3 Bde., Stuttg. 1876); «Landolin von Reutershofeno (Berl. 1879); Unterwegs. Kleine Geschichten und Lust-Bert. (Berl. 1879); «Der Forstmeistero (2 Bde., erl. 1879; 2. Aufl. 1880); «Brigitta (Stuttg. 1880; 2. Aufl. 1881). A. starb 8. Febr. 1882 in Cannes. Die Leiche wurde nach seinem Heimatsdorf Nordstetten gebracht und dort 15. Febr. beerdigt.