FeedAuersperg
GeschichteBrockhaus 1882

Auersperg, ein altes und vielverzweigtes Geschlecht in Osterreich, das vom Schlosse Auersberg Ursberg) in Schwaben seinen Namen führen, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh. nach Krain ausgewandert sein und daselbst die Stammburg A. erbaut haben soll. Diese Stammburg liegt bei dem (etwa 32 km von Laibach entfernten) Marktflecken A., der etwa 1000 E. zählt. Als Stammvater des Hauses wird Adolf von A. (erwähnt 1067) genannt, durch dessen Bruder Oderich in Friaul eine besondere Linie gestiftet wurde, deren Glieder später als Herzoge von Cocagna genannt werden und von der mchrere ital. Familien ihren Ursprung herleiten. Engelhard von A. (gest. 1466) wurde 5. Jan. 1463 von Kaiser Friedrich III. zum Erblandmarschall und Erbkämmerer in Krain und der Windischen Mark ernannt, welche Würde der jedesmalige Alteste des Geschlechts mit dem Seniorat verwaltet. Durch die beiden Söhne des letztern, Pankraz (gest. 1496) und Vollrad (gest. 1495) teilte sich das Haus in die noch bestehenden zwei Hauptlinien. Die (lältere) Pankrazsche Linie erwarb 1531 durch den kaiserl. Rat Trajan von A. (gest. 1540) die reichsfreiherrliche und 1630 durch Joh. Andreas von A. Hat 1664) die reichsgräfl. Würde. Herbart, der Vater des letztgenannten (gest. 1618), und sein Bruder Dietrich, beide Söhne Christophs, des Enkels von Pankraz, wurden die Begründer der ältern und der jüngern Pankrazschen Linie. Die ältere Pantrazsche Linie zerfiel in fünf Aste, nämlich: 1) A.⸗Auersperg, gestiftet von Wolfgang Engelbert (gest. 1696), und noch bestehend mit dem Grafen Joseph Maria von A., Freiherr auf Schönberg und Seisenberg, Herrn der Stamm⸗ und Majoratsgrafschaft Auersperg u. s. w., geb. 14. März 1812; 2) A. zu Kirchberg am Wald, bestehend mit Graf Julius von A., geb. 5. Jan. 1852, Herr zu Kirchberg am Wald in Steiermark; 3) A.⸗Mokritz, am 23. Jan. 1880 erloschen mit Graf Gustav Nikol. Herri Victor von A., geb. 7. Juli 1815, Herr der errschaften Mokritz und Tschadesch in Krain; 4) A.⸗Schönberg, erloschen mit dem Grafen Karl Joseph, gest. 1841; 5) A. zu Thurn-am-Hart, mem ermit Graf Alfons, Zic 16. April 1842, einem Verwandten des als Dichter unter dem Ramen Anastasius Grün bekannten Grafen Anton Alexander (. d.). Die 4• Pankrazsche Linie wurde von Dietrich von A. begründet, welcher 16. Sept. 1630 die Reichs rafenwürde erhielt. Sein Enkel war Johann Weikart von A., geb. 11. März 1615, der Günstling und Minister Ferdinands III., welihn 17. Sept. 1653 mit der Grafschaft Wels Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. belehnte und zum Reichsfürsten nach dem Rechte der Erstgeburt erhob. Am 28. Febr. 1654 erhielt er Sitz und Stimme im reichsfursil. Kollegium; 30. Juli desselben Jahres überkam er die Herzogtümer Münsterberg und Frankenstein in Schlesien zu ufs Außerdem erkaufte er 1664 die gefürstete Graf Haft Thengen in Schwaben. Als ihm Kaiser Leopold JI., den er als Prinz vernachlässigt, ein Gesuch um Beihilfe zur Erlangung der Kardinalswürde abschlägig beantwortet hatte, wendete er sich mit demselben an Ludwig XIV. von Frankreich. Der Papst verriet dies dem Kaiser. A. wurde des-Feun zum Tode verurteilt, jedoch begnadigt und auf seine Güter verwiesen, woselbst er 13. Nov. 1677 starb. Der Fürst Karl Rerbel est. 1800) verkaufte 1791 Münsterberg und Fran Wher indessen wurde (11. Nov. 1791) die herzogl. Würde auf die Grafschaft Gotschee, und 21. Dez. 1791 der Fürstenstand auf alle Nachkommen dieses Zweigs übertragen. Die Grafschaft Thengen wurde 1806 zu Gunsten Badens mediatisiert und 1811 vom Fürsten Wilhelm (geb. 1782, gest. 1827) an Baden verkauft. Das gegenwärtige Haupt der jüngern Pankrazschen Linie ers Karl Wilhelm von A. (s. d.). Außer vielen kleinern Herrschaften bilden dessen Besitz: das Herzogtum Gotschee in Krain mit 770 akm, die Herrschaft Dotsern in Mähren mit einer Stadt und 19 Dörfern, die Allodialherrschaft Wlaschim in Böhmen mit 165 akm und 42 Ortschaften, die Grafschaft Wels, die Herrschaft Gschwend in Oberösterreich u. s. w. Auch die Besitzungen der übrigen fürstl. .4 sind bedeutend. Ein Bruder des Fürsten Wilhelm war der 1 Feldmarschalllieutenant Prinz Karl von A. (geb. 17. Aug. 1784, gest. 18. Dez. 1847), ein anderer Bruder Frinz Vincenz von A. (gest. 16. Febr. 1812). Der Sohn des letztgenannten, Prinz Vincenz von A., geb. 16. Rer⸗ 1812, Besitzer der *Opeslam schaften Nasseberg, Zleb und Tupadl, Oberstkämmerer und Oberst-Erblandmarschall in Tirol . k. Wirkl. Geheimrat, widmete sich dem Staatsdienste, kämpfte 1848 als Freiwilliger mit den tiroler Schützen gegen die Piemontesen. Er wurde 1860 als außerordentliches Mitglied in den verstärkten Reichsrat und 1861 als erbliches Mitglied in das Herrenhaus berufen. 95 dem Tode des Grafen Lanckoronsti (1863) zum Oberstkämmerer erhoben, erhielt er auch die oberste Leitung der kaiserl. Hofbühnen. Auch als Schriftsteller hat sich A. versucht und gilt als Verfasser der Broschüre Zwischen Stamm und Rindey (Wien 1863). Er starb zu Hietzing bei Wien 7. Juli 1867. Die (jüngere) Vollradsche Linie des Geschlechts, welche 15. Juli 1673 in den Grafenstand erhoben wurde, zerfiel in sechs Aste, und zwar: 1) vormals zu Altschloß-Purgstall, bestehend mit Graf Gottfried von A., geb. 19. Dez. 1818, k. k. Ge-Wae Feldzeugmeister a. D. und Inhaber des 40. ufanterieregiments; 2) zu Alt⸗ und Neuschloß-Purgstall, welcher Ast mit dem Grafen Ludwig von A. (geb. 29. März 1797, gest. 17. Nov. 1863), dem Bruder des bereits 1857 verstorbenen Grafen Joseph von A., erloschen ist; 3) zu Wolfpässing, erloschen mit Graf Maximilian von A., geb. 21. Jan. 1771, welcher sich als Militär in den Feldzügen gegen die Franzosen und nachher als Kommandant in Galizien, Oberösterreich, dem Banat und als Generalkommandant (seit . in der vereinigten Banal-Warasdiner-Karlsstädter Grenze vielfache Verdienste erwarb, und, seit 1848 nach 62jähriger Dienstzeit in den Ruhestand versetzt, zu Wien 30. Mai 1850 starb; 4) zu Alt⸗ und Neuschloß-Purgstall, welcher Ast mit dem Grafen Karl von A., geb. 20. Aug. 1783, gest. als österr. Feldmarschalllieutenant 19. Juni 1859, ebenfalls im Mannsstamm erloschen ist; 5) der Ast zu Weinern, dessen letzter Vertreter Graf Alois von A. (geb. 15. Sept. 1780, gest. 26. März 1858) war; 6) der Ast vormals zu 7 der mit dem Grafen Franz Xaver von A. (geb. 20. Febr. 1784, gest. 1868) ebenfalls erloschen ist, sodaß von der ganzen jüngern Hauptlinie nur der erste Ast noch fortbesteht. Außer den Genannten zählt das Geschlecht der A. noch eine ganze Reihe von Männern, die sich in dem öffentlichen Leben hervorgethan Jahrh Namentlich waren es in den verflossenen Jahrhunderten die Türkenkriege, in denen sich mehrere Glieder aus4. 460.1 So Herbard VIII., Freiherr von „geb. 11. März 1528, welcher als General in den kroat. Grenzen 22. Sept. 1575 in einem hitzigen Gefechte gegen die Türken bei Budatsky fiel, sowie Andreas, Freiherr von A., Sohn Wolfgang Engelberts von A., geb. 1557, der sich besonders durch seinen glänzenden Sieg über die Türken unter Hassan, Pascha von Bosnien, 22. Juni 1593 an der Kulpa Ruhm erfocht und 1594 starb. Vgl. Radics, aHerbard VIII., Freiherr zu A.v (Wien 1862). —— Fran Karl, Fürst von A., Lur 22. Nov. 1660, zeichnete sich ebenfalls in den Türkenkriegen aus, wurde 1701 Feldzeugmeister, 1707 in den Fürstenstand erhoben und starb 6. Nov. 1713 zu Gschwend. — Am bekanntesten wurde Karl, Fürst von A., geb. 21. Okt. 1740. Er trat frühzeitig in das Heer, war 1790 bereits Generalmasor und wurde 1793 von den Franzosen in den Niederlanden gefangen genommen, 1795 aber ausgewechselt. Noch dasselbe Jahr zum Feldmarschalllieutenant ernannt, befehligte er im Kriegsjahre 1805 zu Wien und, als die Osterreicher weichen mußten, die Nachhut des sich 25. Nov a Heers. Marschall Lannes benutzte (25. Nov.) das allgemein verbreitete Gerücht von einem Waffenstillstande, um A. zu überreden, die Donaubrücke nicht abzubrechen. Die himnberu marschierten hierauf im Sturmschritt hinüber und nahmen jenseits feste Stellung, wobei ihnen noch ein österr. Artilleriepark in die Hände fiel. A. wurde deshalb vor ein Kriegsgericht gestellt, zur Kassation und Festungsstrafe verurteilt, später aber begnadigt. Er starb 26. Dez. 1822.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 177Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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