Hohenschwangau, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Füssen, in prachtvoller Alpengegend, 5 km im SO. von filen zählt 180 E.; dabei das gleichnamige Lustschloß des Königs von Bayern, an der Grenzscheide Icher Bayern, Schwaben und Tirol, in herricher Lage zwischen Seen und Bergen. Die alten Schwangauburgen (Vorder- und Hinter-Hohenschwangau) lagen am Abhang des Neudeckberges und sind längst zerfallen. An ihrer Stelle erhielt das gegenüber am Marmorberge liegende Schloß Schwanstein (894 m) den Namen H. Es war ursprünglich im Besitz des Welfenhauses, wurde von deren Ministerialen verwaltet und kam 1191 an die Herzöge von Schwaben aus dem Hause der Hohenstaufen. Konradin, der letzte Hohenstaufe, verabschiedete sich hier im Aug. 1267 vor der Reise nach Italien von seiner Mutter. Jahrhunderte hindurch wechselten die Besitzer aus dem Geschlecht der Schwangauer, bis nach dem Erlöschen ihres Stammes 1536 das Schloß an den kaiserl. Rat und augsburger Patricier Paumgarten gelangte, dessen Söhne, zu Ständen des Reichs erhoben, 5. mit großem Aufwand in ital. Geschmack restaurierten, aber mehr und mehr verschuldeten, sodaß die Besitzung nach langem Streit 1567 an land. Albrecht von Bayern kam, zuerst als Nebenand, von 1715 an als selbständiges Pflegamt und Gericht verwaltet, 1803 erfolgte die Einverleibung in das Landgericht und Bezirksamt Schongau. Inzwischen war das Schloß verfallen, da es in vielen Kriegen hart mitgenommen wurde von Schärtlin von Burtenbach und Moritz von Sachsen, den schwed. und span. Truppen bis zu den Osterreichern und Tirolern in den Erbfolgekriegen, zuletzt noch 1809. Da erwarb 1832 der damalige Kronprinz, später König Max II., die Ruine und ließ durch Quaglio und Ohlmüller die Burg in ihrem ursprünglichen Stil wiederherstellen, welche dann von Schwind, Lindenschmitt, Ruben, Monten, Neher, Adam, Schaller, Lorenz Quaglio, Schwanthaler und andern Künstlern ausgeschmückt wurde. König Ludwig II., der alljährlich hier sich längere Zeit aufhält, begann 1869 am Neudeckberge, wo das alte Vorder-Hohenschwangau zerfiel, eine fürstl. Burg, Neuschwanstein (1008 m), im Stil der Wartburg zu erbauen nach den Plänen und unter der Leitung des königl. Hofoberbaudirektors von Dollmann. gl. Hormayr, «Goldene Chronik von H.» (Münch. 1842); Muffat, „Geschichte des Schlosses und der ehemal. Reichsherrschaft H.»(Münch. 1837).