August der Jüngere, Herzog zu Braunschweig und Luneburg, geb. 10. April 1579 zu Dannenberg als siebentes und jüngstes Kind des Versolet Heinrich von Braunschweig, erhielt eine sunde tige Erziehung studierte 1594—99 in Rostock und Tübingen und ließ sich dann nach einigen Reisen in Hitzacker nieder, wo er 30 Jahre hindurch seinen gelehrten Neigungen lebte. Unter dem Namen Gustavus Selenus schrieb er hier das lange 4, berühmte Werk «Das Schach⸗ oder Königsspie ERr 1616) und Cryptomenyticae et Cryptographiae libri IX (Lüneb. 1624). Nachdem 1634 das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel erloschen war, erhielt A. das Fürstentum Wolfenbüttel, mußte Woln in der Burg zu Braunschweig residieren, bis Wolfenbüttel 1643 von den Kaiserlichen geräumt wurde. Als Regent erwarb er sich große Verdienste um die Wiederherstellung der Ordnung in seinem durch den Lande. Er erl Krieg sehr heruntergekommenen Lande. Er erließ 1651 eine ausgezeichnete Schulordnung, 1657 eine Kirchenordnung, sorgte für Regulierung des Rechtswesens und der Steuerverhältnisse. Seine in Hitzacker begründete Bibliothek vermehrte er in Wolfenbüttel bis auf 180000 Bände; auch trieb er seine Studien fort und gab 1640 eine 4Geschichte des Herrn Jesud und 1644 eine „Evang. Kirchenharmoniev». Er starb 17. Sept. 1666. Vgl. Bethmann, «Herzog A. der Jüngere v (Wolfenb. 1863). Anugust, Kurfürst von Sachsen 1553—86, Sohn Herzog Heinrichs des Frommen aus der Che mit Katharina von Mecklenburg, wurde 31. Juli 1526 uFreiberg geboren, wo sein Vater, bis ihm 1539 die egierung des Albertinischen Stammlandes zufiel, ů hielt. Er besuchte die Schule seines Geburtsorts, hielt sich dann einige Zeit am Hofe König Ferdinands zu Prag auf, wo er mit dessen Sohn Maximilian, dem nachherigen Kaiser, Freundschaft schloß, ust (Kurfürst von Sachsen) 21⁵ und bezog hierauf die Universität Leipzig. Im Er 1541 empfing er zugleich mit seinem Bruder Moritz (s. d.), nachdem dieser die Regierung der väterlichen Erblande übernommen hatte, die Huldigung. Seitdem lebte er, wenn er nicht seinen Bruder in der Regierung vertreten mußte, meist in Weißenfels. Er vermählte sich 1548 mit Anna (s. d.) der Tochter Christians III. von Dänemark, die sich als strenge Lutheranerin und sparsame Hausfrau —.½½ Achtung erwarb. Nach seines Bruders Tode 1553 zur Regierung und zur Kurwürde berufen, hatte er die polit. Verwickelungen zu lösen, die aus des Bruders Fehden und aus dem Zwiespalt mit den Ernestinischen Vettern hervorgegangen waren, und zugleich die Wunden zu heilen, die der Krieg dem Lande geschlagen. Hatte Moritz sein Erbe mit dem Schwerte vergrößert, so wußte A. durch kluge Benutzung der Ereignisse und durch des Kaisers Gunst seine landeshoheitlichen Rechte auszudehnen und Gebietserwerbungen zu machen. Doch gerade in diesen Bestrebungen zog er sich Vorwürfe zu, die nicht unberechtigt erscheinen. Daß die drei geistlichen Stifter Merseburg, Naumburg und Meibem in entschiedenere Abhängigkeit von der landesfürstl. Gewalt kamen, war eine Folge der Reformation. Viel weniger zu rechtfertigen aber war der „Gebietszuwachs, den er 1567 durch die Achtsvollziehung gegen den von dem meuterischen Wilhelm von Grumbach (s. d.) verleiteten Herzog Johann Friedrich (s. d.) von Gotha gewann, der zu ewigem efängnis verurteilt wurde. Auch läßt es sich kaum verteidigen, daß er, die zudringlich übernommene daan Bideime über seine Vettern, die Söhne Johann Wilhelms von Weimar, benutzend, zum Nachteil seiner Mündel durch diplomatische Künste die älfte der „Hoftheoldaen Erbschaft sich zueignete. rch seine Hoftheologen für die calvinistische Ansicht in der Abendmahlslehre geneigt gemacht, mußten die Geistlichen nicht nur im eigenen Lande, sondern auch im Gebiete seiner weimar. Vettern diese Ansicht lehren, wenn sie nicht abgesetzt und vertrieben werden wollten, bis A. wieder umlenkte und den heimlichen Calvinismus noch strenger verfolgte als früher das strenge Luthertum. Im J. 1580 brachte A. die Konkordienformel zu Stande, welche die prot. Lehre in starre Formen bannte. Dagegen ist nicht zu übersehen, ult er als Gesetzgeber, als sorgsamer Pfleger jeder Kulturanstalt, als ewissenhafter und sparsamer Ordner des Staatsba alts sein Land auf eine hohe Stufe der wirtchaftlichen Entwickelung hob. Von klugen Räten unterstützt, mit seinen Landständen oft sich beratend, legte er einen guten Grund der Staatsverwaltung, der freilich durch die Mißgriffe seiner Nachfolger und durch äußere Stürme wieder erschüttert wurde. In der Finanzwirtschaft wurden die Steuern von den Kammereinkünften geschieden und jene der ständischen Verwaltung überlassen. Die Rechtspflege wurde durch eine verbesserte Gerichtsorganisation und durch neue Gesetze gehoben, welche unter dem Namen der Konstitutionen (21. April 1572) ein gleichförmiges, die alten deutschen Rechtsgewohnheiten duech röm. Normen einheitlicher gestaltendes Landrecht einführten. Die glänzendste Seite seiner Regierungsthätigkeit aber war seine Sorgfalt für die Belebung von Ackerbau, nach allen d. und Handel. A. bereiste sein Land nach allen Richtungen, ließ 1566 durch Hiob Magdeburg eine Karte von Sachsen entwerfen, ermunterte zum Anbau wüsten Landes, zur Obstkultur und zur Teilung großer Gemeindeguter; speziell den Ackerbau beförderte er durch das Beispiel der musterhaften Bewirtschaftung der fürstl. Domänen. Nicht minder sorgte er für bessere Betreibung der ib erhöhte er d und des Bergbaues. Den Gewerbfleiß erhöhte er durch Aufnahme der ihres Glaubens wegen vertriebenen Niederländer, welche die Tuchmanufaktur hoben und die Anfänge der Baumwollmanufaktur nach Sachsen brachten, sodaß sich damals 30000 Tuchmacher und 60000 Zeug⸗ und Leinweber in Sachsen befanden. Den Handel förderte er durch Begünstiung der leipziger Messen, durch Verbesserung der Hauptstraßen und durch finanzielle Operationen. Während er in den Amtern bedeutende Kapitalien niederlegte, um unverschuldet Verarmte durch Darlehen gegen Wucher zu schützen, wurden nicht minder ansehnliche Summen zu großen Bauten in Dresden und andern Städten verwendet, wie er unter anderm den Königstein befestigte und die Schlösser Augustusburg und Annaburg baute. Auch die geistige Bildung des Volks fand Förderung. Die innern Einrichtungen der Schulen wurden geordnet, auf beiden Universitäten neue Le rstühle errichtet, botan. Gärten angelegt und die Studienpläne bis ins einzelne vorgezeichnet. Die Bibliothek zu Dresden verdankt lur ihre Grundlage, auch die meisten andern Sammlungen für Wissenschaft und Kunst, namentlich das Grüne Gewölbe, stammen aus 5 ner Zeit. Seine Lieblingsbeschäftigung war neben dem Drechseln die Alchimie. Die Kurfürstin Anna teilte letztere Neigung; als sie 1. Okt. 1585 gestorben war, vermählte sich A. 3. Jan. 1586 wieder mit Hedwig, der 13jährigen Tochter des Fürsten Joachim von Anhalt. Doch schon 12. Febr. 1586 starb er zu Dresden und wurde im Dome zu Freiberg begraben. Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Christian I. Seine junge Witwe Ha sich wieder mit dem Herzoge Johann von Holstein. Vgl. sen iu „Die Geschichte des Kurfürsten A. von Sachen in volkswirtschaftlicher Beziehungo (Lpz. 1868). 1 Cachs II. (Friedrich), ader Starkev, Kurfürst von Sachsen 1694—1733 und seit 1697 auch König von Polen, der zweite Sohn Johann Georgs III., Kurfürsten von Sachsen, und der dän. Prinzessin Anna Sophia, ward 12. Mai 1670 zu Dresden geboren. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung, welche durch Ubung in allen ritterlichen Künsten seine außerordentliche Körperstärke entwickelte. Von 1687—89 bereiste er Deutschland, Frankreich, Holland, England, Spanien, er Reie di Italien und Ungarn. Während auf dieser Reise die üppige Pracht, die er an den Höfen von London und Versailles fand, ihn blendete, ward n Vorn durch die Huldigungen, die seine persönlichen Vorzüge empfingen, sein Ehrgeiz genährt. Als sein Vater 1691 gestorben war, ging er nach Wien, wo er mit dem röm. zolittr Wesent I. eine emüußte Nachdem die seine Politik wesentlich beeinflußte. Nachdem er sich 1693 mit Christine Eberhardine von Brandenburg-Kulmbach vermählt hatte, 405 27 er durch seines Bruders 00 und Georg IV. od 27. April 1694 zur Kurwürde und übernahm den Oberbefehl über das österr.⸗sächs. Heer egen die Türlen in Ungarn, den er aber nach der Schlacht bei Olasch, 27. Aug. 1696, wieder niederlegte. Er kehrte nach Wien zurück, wo er den Plan faßte, um den durch den Tod Johann Sobieskis erledigten poln. Thron „ zu bewerben. Nachdem sein Bevollmächtigter, Feldmarschall Flemming, den franz. Gesandten in Warschau, Abbe von AH der den Prinzen von Conti auf den po n. Thron zu bringen suchte, beseitigt und von den feilen Großen die Krone für 10 Mill. poln. Gulden erworben hatte, entfernte A. das letzte Hindernis seiner Wahl, indem 2. Juni 1697 zu Baden bei Wien zur kath. Kirche überging; doch gewährleistete er seinen Unterthanen ungeschmälerten Fortbestand der prot. Kirche im Lande. Um die Kaufsumme aufzubringen, verkaufte und verpfändete er mehrere Teile seines Erblandes, ia stun an Brandenburg die letzten Ueberreste der Besitzungen des Stammhauses Wettin. Am 27. Juni ward A. von dem poln. Reichstage zum Könige erwählt. Da indes eine Partei sic für 1909 onti erklärte, rückte er mit 10000 Sachsen in Polen ein, und während 15. Sept. seine Krönung in Krakau ald fühlte jedoch der Kurstaat Sachsen die Last der neuen Krone seines Fürsten. Bei seiner Thronbesteigung hatte A. versprochen, die an Schweden abgetretenen poln. Provinzen wieder mit Polen zu vereinigen. Dessenungeachtet waren die poln. Großen dem Kampfe abgeneigt, und der König mußte ihn nun meist mit . Truppen auf Kosten seines Erblandes führen. (S. Nordischer Krieg.) A. verband sich mit Dänemark und dem Zar eter. Doch Karl XII. von Schweden nötigte änemark zum Frieden von Travendal (18. 340 1700), und die Russen besiegte er bei Narwa. Nachdem Karl (19. Juli 1702) bei Klissow auch die Sa sen völlig besiegt und 1. Mai 1703 die Reste des sächs. Heeres bei Pultusk vollends geschlagen hatte, erklärte 14.5 Schwedens Einfluß der poln. Reichsrat A. 14. Febr. 1704 der poln. Krone verlu tig, worauf 12. Juli 1704 Stanislaus Leszzynski, Wojwode von Posen, zum Köni Sachser wurde. Das Vordringen Karls XII. nach Sachsen, infolge des Sieges bei 4½4½ 13. Durg 1706) über den eldmarschall Graf Schulenburg, nötigte A. zum rieden von Altranstädt (s. * m 18. Dez. 1706 esuchte A. im Lager zu Altranstädt den König Karl XII., der ihn demütigend zwang, dem neuen Könige von Polen mit einem Glückwünschungsbriefe die Rendea. und die Archive der poln. Krone zu übersenden. Unter fremdem Namen wohnte A. 1708 unter dem Prinzen Eugen dem Feldzuge gegen die Franzosen bei und ließ zu Eugens Heere in den iederlanden 9000 Sa sen stoßen. Er rüstete zu einem neuen Zuge nach Polen, als er die Rachricht von Karls XII. Niederlage bei Pultawa er ielt, worauf er in einer AIugPon Altran vom 8. Aug. 1709 sich von dem Vertrag von Altranstädt lossagte. Mit einem glänzend gerüsteten Heere air d er nach Polen und verband sich aufs neue mit dem Zar Peter. Es begann wieder der Krieg mit Schweden, der nach Karls XII. Rückkehr aus der Türkei mit größter Erbitterung entbrannte, bis ihm der Tod des letztern bei Friedrichshall (1718) eine entscheidende Wendung gab. Die nächste Folge war der Waffenstillstand mit Schweden Dez. 1719, der aber erst 1732 in einen Frieden verwandelt wurde. A. wurde darin als König von Polen anerkannt. In olen hatte sich jedoch gegen die sachs. Truppen eine onföderation gebildet, an deren Spitze Stanislaus Ledochowski, ien Puulten Palatin von Volhynien +½ Auf allen Punkten wurden die Sachsen durch die Konföderierten angegriffen und mußten sich ergeben. Endlich kam es unter russ. Vermittelung 1716 zwischen A. und der Republik Polen zu dem sog. Warschauer Vertrage, zufolge dessen die sächs. Truppendas Königreichverließen. So sah sich A. genötigt, den Gedanken, die poln. Nation mit Gewalt unterwürfig Wutte en, aufzugeben, und suchte nun durch andere Mittel seinen Zweck zu erreichen. In der That gelang es ihm, die 508 durch den Reiz eines länzenden und Rolae de ofs zu gewinnen. Sachsen aber hatte infolge dessen sch gen, und bald geriet der Staatshaushalt des ohnedies schon verarmten Landes vollends in Zerruüttung. Günstlinge, schöne Frauen, natürliche Kinder und nebenbei Goldmacher, welche Lebenstinkturen zu bereiten versprachen, verschlangen ungeheuere Summen. Zwar verschönerte A. die Hauptstadt Leiche Erblandes, in welche der Glanz des Hofs zah mahe Fremde lockte, aber während 1719 bei der Verma ung seines Sohnes in Dresden 4 Mill. vergeudet wurden, war Teurung im Lande und Hungersnot im ezuchung Die Wissenschaften hatten sich seiner Unterstützung wenig zu erfreuen und die Kunst meist nur, insofern sie seiner Prachtliebe diente. An den Verbesserungen in der Gesetzgebung und Rechtsflege, die man während seiner Regierun versuchte, hatte er persönlich wenig Anteil. Auß einer Reise nach Warschau zum Reichstage starb er in der poln. Hauptstadt 1. Febr. 1733 und ward in Krakau begraben. Seine Gemahlin, die lutherisch geblieben und getrennt von ihm lebte, war schon 5. Sept. 1727 gestorben. Sie hinterließ ihm einen einzigen Sohn, Friedrich August III. (s. d.), der dem Vater in der 2.. den folgte. Die Gräfin von Königsmark hatte A. den Cosen den Moritz Graf von Sachsen, die Gräfin Cosel den Grafen Rutowsti geboren. Vgl. Jarochowski, Geschichte der Regierung des Königs A. II.„ (Pos. 1871).