FeedAbbt (Thomas)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Abbt (Thomas), vhi os. Schriftsteller, geb. 25. Nov. 1738 zu Ulm, bezog 1756 die Universität zu Halle, wo er Theologie, Philos ophie und Mathematik dun dere erhielt 1760 eine außerordentliche Professur der Philof ophie zu Frankfurt a. O., wo er seine Abhandlung Vom Tode fürs Vaterlandv (Berl. 1761) schrieb, wurde 1761 Professor der Mathematik in Rinteln und benutzte einen halbjährigen rlaub zu einer Reise nach Berlin, wo er mit Euler, Nicolai und Mendelssohn in freundschaftlichen Verkehr trat und als Mitarbeiter für die von den letztern herausgegebenen «Briefe, die neueste Literatur betreffendoꝰ gewonnen wurde. Das wenig Anregung bietende Rinteln machte ihn dem akademischen Leben abgeneigt, und er begann die Rechte zu studieren, um ein Staatsamt bekleiden zu können. Nach der Rückkehr von einer Reise in das südl. Deutschland, die Schweiz und einen Teil Honderschn 1763 begründete er seinen +7 besonders durch das Werk „Vom Verdienste (Berl. 1765). Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe ernannte ihn 1765 zum Hof⸗, Regierungs⸗ und Konsistorialrat zu Bückeburg; allein A. starb schon 3. Nov. 1766. A.s Schriften verraten Scharfsinn, Einbildungskraft und Geist, und trotz seines frühen Todes hat er zur bessern Gestaltung der deutschen Litteratur mitgewirkt. Seine „Vermischten Werkes wurden nach seinem Tode von F. Nicolai herausgegeben (6 Bde., erl. 1768—81; 2. Aufl. 1790). Vgl. Nicolai „Ehrengedächtnis Thomas A.s » (Berl. 1767); Herder, «über Thomas A.s Schriften » (Riga 1768). A-b-c-Bücher oder Fibeln (lentweder vom lat. fbula, Heftel oder Schlinge, welche die Blätter zusammenhielt, oder vom griech. biblos, das Buch) stammen aus der Zeit der 3 Fthel (15 Unter den Protestanten fand Luthers Fibel (1525), welche außer dem vorangestellten Alphabet das Vaterunser, den Glauben und einige Gebete enthielt, bald die größte Verbreitung. Das erste eigentliche deutsche Buchstabierbüchlein aber verfaßte Valentin Ickelsamer, ein Schulmeister zu Lcern an der Tauber, das unter dem Titel Teutsche Grammatica v 1537 zu Nürnberg im Druck erschien. Mit Bildern 1 Erläuterung der Laute findet man die Arb-e-Bücher seit Anfang des 18. Jahrhunderts verziert. Die unter denselben zur leichtern Einprägung der Buchstaben angebrachten barbarischen Reimverse sollen einen SSmmann in Wernigerode, Namens Bienrod, zum Verfasser haben. Eine stereotype Verzierung des A-b-c-Buchs ward frühzeitig das Bild eines Hahns, das Symbol der Aufmerksamkeit und der Wachsamkeit. Die Abänderungen, welche mit den Fibeln vorgenommen wurden, waren oft so unwesentlicher Art, daß man spöttisch sagte, sie beständen nur in der Veränderung des Hahns, welcher eine Feder mehr erhalten habe. Wirkliche Verbesserungen der A-b-e-Bücher traten mit dem Aufkommen neuer Lesemethoden ein. So durch Zeidler (1700), der gegen die Buchstabiermethode auftrat, durch Olivier, 1 verschien Krug u. a., welche die Lautiermethode in verschiedener Weise zur An-Seibleiemerbode ferner durch Graser, der die Schreiblesemethode begründete, durch Thomas und andere Hauptvertreter der sog. analytisch-synthetischen Methode, welche durch Jacotot und später Seltzsam in Breslau in die Schule eingeführt wurde, und endlich durch K. Vogel in Leipzig, dessen Bilderfibel «Des Kindes erstes Schulbuch » (Lpz. 1842) nach der sog. Wortmethode eingerichtet ist. Nach dem Vogelschen Schulbuch sind eine Menge Fibeln entstanden, welche die Vogelsche Methode weiter entwickelt haben. Ein neues, ihr eigentümliches Prinzip verfolgt die Fibel von E. Barth (4Schulrobinson als Lesefibel und erstes sprachliches Regelbuchv, Lpz. 1866). Um der Konzentration des Unterrichts zu dienen, entnimmt sie ihren Lesestoff der unterrichto des ersten Schuljahres anschließen soll. A-b-e-Schützen hießen im Mittelalter jüngere, der Führung von herumziehenden Lehrern (Bacchanten) überlassene Schüler, denen sie mit Leib und Leben angehörten und, außer andern erniedrigenden Dienstleistungen, 0 6 präsentieren, d. h. für ch Unterhalt sorgen helfen mußten. Letzteres geschah vorzugsweise durch Betteln und Stehlen (sie — — z. B. bei ihren Wanderungen nach Gänsen, daher der Studentenausdruck «schießeno). Jetzt ist der Name nur noch als Lan. Bezeichnung für Elementarschüler in Gebrauch.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 23Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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