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GeschichteBrockhaus 1882

Augustus (Gajus Julius Cäsar Octavianus), der ertte röm. Kaiser, undetauine Gajus Octavius, der Sohn des Gajus Octavius und der Atia, einer Tochter der Julia, der jüngern Schwester des Julius Cäsar, der also sein Großoheim war, wurde 23. Sept. 63 v. Chr. geboren. Die Familie der Octavier stammte aus dem volskischen Veliträ. Der Zweig, zu welchem der nachmalige A. gehörte, war reich und angesehen. Sein Vater war, nachdem er die Prätur verwaltet, als Statthalter nach Macedonien gegangen, wo er sich in Krieg und Frieden rũ mlich auszeichnete. Nach dem frühen Tode desselben wurde der erst vierjährige Sohn durch seine Mutter und Lucius Marcius Erate mit dem diese in zweiter Ehe vermählt hatte, sehr sorgältig erzogen. Seine Talente erwarben ihm die Gunst des Julius Cäsar, der ihn im J. 45 in seinem Testamente zum Haupterben einsetzte undan Kindesstatt annahm. A. befand sich, als Cäsar ermordet wurde (15. März 44), zu Apollonia in Epirus, wo er seine Studien benden und auf den zum parthischen Krieg abziehenden Cäsar, der ihn mitnehmen wollte, warten sollte. Als er Cäsars Tod erfahren, ing er nach Italien. Bei Brundisium erfuhr er im pril 44 den ů 1 des Testaments und entschloß sich, die Erbschaft anzutreten und Cäsars Namen anzunehmen, doffn wenn sich ihm die Gelegenheit darböte, die Hoffnungen zu verfolgen, in welchen die Adoption, infolge deren er sich Julius Cäsar Octavianus nannte, 1. berechtigte, wenn er auch letzteres noch nicht öffentlich aussprach. Ende April oder Anfang Maitraf Octavian in Rom ein. Hier gab es zwei Parteien: die Republikaner, die Cäsar gestürzt hatten, und die Partei des Antonius (s.d.) und Lepidus 0 d.), die unter dem Vorwande, jenen zu rächen, ihre eigene Macht zu begründen strebten. Die letztere Partei hatte gesiegt und der Konsul Antonius übte eine fast unbeschränkte Gewalt. Von diesem forderte Octavian die Ausantwortung von Cäsars Nachlaß. Die Streitigkeiten, die auf des Antonius Weigerung zwischen beiden entstanden, wurden jedoch nach dem Wunsche der Veteranen, wenigstens scheinbar, ausgeglichen, und Antonius, der den jungen Octavian anfangs übermütig behandelte, mußte bald sehen, wie dieser das Volk und das Heer für sich zu gewinnen wußte. Als Antonius, der im Sept. 44 mit A. offen brach, Rom verlassen hatte, um die von seinem Bruder nach ndisium Rsalen Legionen dort e übernehmen und mit ihnen das cisalpinische Gallien dem Decimus Brutus abzunehmen, begann Octavian sich ein Heer zu bilden und bewährte hierbei schon die schlaue olitik, durch die er später sich zum Herrn des röm. taats machte. Er warb in Campanien 10000 Veteranen an, erreichte, daß ein Teil der für Antonius bestimmten Legionen sich ihm anschloß, gewann Senat und Volk durch Cicero, der für die Republik zu wirken und Octavian zu benutzen meinte, während er in der That für diesen wirkte. Octavian war dann seit Anfang 43 an der Leitung der militärischen Operationen in dem von dem Senat Rden Antonius geführten sog. Mutinensischen riege beteiligt, nach dessen Beendigung er bald seine wahre Gefinnung offenbarte und den Republikanern feindlich entgegentrat. Er söhnte sich mit Antonius aus, als dieser mit Lepidus aus Gallien nach Italien zurückkehrte, und errichtete in Gemeinschaft mit beiden bei Bologna (Ende Okt. 43) ein Triumvirat, worauf sie zusammen, nach den schrecklichsten Blutscenen in Rom und Italien, das republikanische Heer unter Brutus und Cassius in Macedonien besiegten. Nach seiner 5962 4 nach Italien erregte 41 v. Chr. Fulvia, des Antonius Gemahlin, in Gemeinschaft mit dessen Bruder Lucius Antonius einen Krieg (den Perusinischen) gegen Octavian. Dieser hatte unter die Veteranen Ländereien zu verteilen und deren iche W. Inhaber mit Geldern zu entschädigen, welche M. Antonius liefern sollte, aber nicht schickte, odaß Octavian jenen wie diesen Dreshem in eine äußerst schwierige Lage geriet. ies benutzte Lucius Antonius. Aber Agrippa, der Feldherr des Octavian, zwang den anfangs erfolgreichen Lucius Antonius, sich nach Perusia zu werfen. Dort wurde er von Agrippa und Salvidienus Rufus sowie von Octavian selbst belagert. Lucius Antonius mußte sich im Frühjahr 40) ergeben, Perusia ging in Flammen auf und eine größere Anzahl Ritter und Senatoren wurden hingerichtet. Fulvia entwich nach Griechenland. Schon drohte der Krieg zwischen Antonius, der nach Italien Todider Ful und Octavian auszubrechen, als der Tod der Fulvia eine „Hdι erleichterte. Durch den Brundisinischen Vergleich im J. 40, der durch die Verheiratung des Antonius mit Octavia, des Octavian tugendhafter Schwester, befestigt ward, erhielt der letztere den Westen des Reichs, jetzt von Dalmatien an, namentlich nunmehr auch Gallien. Er vermählte sich, nachdem er (39) seine Gemahlin Scribonia verstoßen, mit der berühmten Livia Drusilla, der Gemahlin des Claudius Nero (38 v. Chr.), den er nötigte, sich von ihr scheiden zu lassen. Mit Sextus Pompejus, dem er die im Vertrage von Misenum 39 v. Chr. gemachten Zusagen nicht hielt, kam es in diesem Jahre zu einem Kriege, den sein Feldherr Agrippa, nachdem neue Mißhelligkeiten zwischen Antonius und Octavian in Tarent 37 beigelegt und das Triumvirat auf weitere fünf Jahre erneut worden war, im J. 36 durch die Siege bei Mylä und Naulochus glücklich für ihn beendete. Lepidus, der Sicilien in Anspruch nahm, verlor, da ihn seine Truppen verließen, jetzt auch Afrika, das ihm 40 übergeben worden. Derselbe 1 sich an A. ergeben und lebte fortan, mit der Würde eines Pontifex Maximus bekleidet, ohne weitern Anteil an den polit. Ereignissen. So war nun Gewalt und 0 nur noch unter zwei Männer geteilt. Doch während Antonius im Orient allen Genüssen der Liebe und des Lurus sich hingab, verfolgte Octavian unausgesetzt seinen Plan, Ien zum alleinigen Herrscher zu machen. Vor allem strebte er, sich die Liebe des Volks zu erwerben. Er zeigte Milde und Großmut, ohne den Schein zu Irehr⸗ als strebe er nach der höchsten Gewalt; vielmehr erklärte er sich bereit, die I1 chaft niederzulegen, sobald Antonius von dem riege gegen die Parthet zurückgekehrt sein würde‚ natürlich vorausgesetzt, daß sich Antonius bereden lasse, das Gleiche zu thun. Je mehr er sich dem Volke näherte, um 10 offener erklärte er sich indessen egen Antonius. Als dieser durch den unglücklichen artherkrieg, durch offenen Bruch mit der edeln Octavia und durch Preisgebung aller röm. Interessen an die Kleopatra, in Rom alles V** verloren hatte, ließ Octavian 32 v. Chr. durch den Senat der Königin von Agypten den Krieg erklären und führte eine bedeutende Kriegsmacht zur See und zu Lande nach dem Ambracischen Meerbusen, wo sein Feldherr Agrippa die Schlacht bei Actium (s. d.) gewann, die ihn endlich 31 v. Chr. zum alleinigen Wcherhtr des Reichs machte. Octavian verfolgte seinen Nebenbuhler nach Agypten und endigte hier den Krieg. Antonius und Kleopatra gaben sich selbst den Tod. Octavian verweilte zwei Jahreim Orient, um die Angelegenheiten Agyptens, Griechenlands, Syriens und Kleinasiens zu ordnen. Bei seiner Rückkehr nach Rom im Aug. 29 v. Chr. hielt er einen dreitägigen Triumph, und die Schließung des Janustempels bezeichnete die Herstellung eines dauernden Friedens, ein Akt, den er nach immer wieder nötig gewordenen Kriegen noch zweimal während seiner Regierung wiederholt hat. efreit von seinen Nebenbuhlern und unbestrittener Herr des HHh Reichs, legte Octavian 13. Jan. 27 v. Chr. die von ihm bisher 1 außerordentliche Gewalt nieder und erklärte, hin5 eine solche alhe mehr bekleiden zu wollen. Zum ank dafür verlieh ihm der Senat die Auszeichnung, daß er Augustus heißen solle, ein Name, den er fortan Rarele und der mit der Vü + einem die kaiserl. Majestät bezeichnenden Titel wurde. Natürlich konnte es nicht die Absicht des A. sein, die alten verrotteten Zustände wiederherzustellen; er wollte vielmehr, indem er in seiner Hand die damals in Wahrheit bedeuts amsten ordentlichen Amtsewalten vereinigte, wodurch er in seiner Person in der Leins böch eines Princepso, des Ersten im Staat, eine höchst bedeutende Machtfülle konzentrierte, die Monarchie in der Art gründen, daß der Apparat der Verfassung mit dem Senat an der Spitze daneben formell hiesu tand und fortarbeitete. Natürlich aber war dies unmöglich, ohne daß A., wenn auch wieder auf gesetzlichem Wege, von den Schranken entbunden wurde, welche einzelne Gesetze jener Konzentration von Machtfulle in einer Hand in den Weg stellten. Er übernahm sofort wieder mit einer die gewöhnlichen Grenzen weit überschreitenden, aber an sich nicht außerordentlichen, prokonsularischen Gewalt die Regierung über die Provinzen, in welchen Heere standen, und damit zugleich den Oberbefehl über die gesamte Militärgewalt des Reichs. Außerdem 2*5 er, nachdem er die Rechte der Tribunen schon seit 36 v. Chr. gehabt, seit 23 v. Chr. in der von allen Schranken befreiten atribunicischen Gewalto 1 Tribun) eine Machtmas, din Reth⸗ welche ihrer Natur nach geeignet war, die Rechte des der dangen nach uouveränen Volks in sich aufzusaugen. Überdies erhielten nach einer Angabe Dios, welche anderwärts ihre authentische Bestätigung zu erhalten scheint, seine Verordnungen die Kraft von Gesetzen. Endlich ward er, nach dem Tode des Lepidus 12 v. Chr. als Vontifex Maximuso, nachdem er schon lange vorher alle politisch wichtigen Priesterämter in sich vereinigt, vollends Oberhaupt aller religiösen Angelegenheiten. So wurde durch ihn diejenige Form der röm. Monarchie festgestellt, die im ganzen bis auf Diocletian bestand. Zu allen jenen Vorrechten fügte man den Titel eines Vaters des Vaterlandes. A. führte mehrere Kriege in Afrika, Asien und Europa; in Spanien währte der Kampf seit 27 v. Chr. mehrere Jahre, bis A. nach großen Anstrenungen über die Cantabrer und Asturer 19 v. Chr. er ward. Seine Sobne unterwarfen unter Tierius, dem ältern Sohne der Livia, Pannonien und Dalmatien, unter Drusus, seinem jüngern Stiefsohne, der bis an die Elbe drang, 12— 9 v. Chr. die westl. Germanen. Von den Parthern henh er, daß diese Armenien in Abhängigkeit von Rom zurückkehren ließen und die dem Crassus und Antonius genommenen Adler zurückgaben. Am Fuße der Alpen errichtete er Denkmäler seiner Baßh au O über die Bergvölker, von denen man noch zu Susa und Aosta olze überreste sieht. Den Dis Dar ißerfolg erlitt A. durch die Niederlage es Varus, der 9 n. Chr. drei Legionen gegen die Germanen unter Arminius verlor. Doch wurden die Deutschen am Rhein durch Tiberius in Schranken lice Ver Während des Friedens erließ A. viele nützliche Verordnungen und ordnete die Verwaltung. Er säuberte den Senat von den in ihn einedrungenen unwürdigen Elementen, beschäftigte ich mit der Verbesserung der Sitten, besonders durch Begünstigung der Ehen (die Lex Julia und Papia Poppaea), war dabei auch bemüht, die alte Religion wiederherzustellen und zu beleben, und stellte die Kriegszucht bei den Heeren und die Ordnung in Rom wieder her. Zudem verschönerte er Rom: er durfte sich rühmen, daß er die Stadt, die er aus Ziegelsteinen erbaut gefunden, aus Marmor erbaut Ihen dieit Auch machte er Reisen, um allenthalben die Segnungen der neuen Ordnung a verbreiten. Er besuchte Sicilien und Griechenand, Kleinasien, Syrien und Gallien. In mehrern Gegenden gründete er Städte und Kolonien. Die durch Krieg und Parteiwirren erschöpften Völker errichteten ihm für dieses wohlthätige Walten, regelmäßig zusammen mit der Göttin Roma, Altäre und Tempel, und durch ein Dekret des Senats ward dem Monate Sextilis der Name Augustus gegeben. Die Verschwörungen, die A. Leben bedrohten, scheiterten sämtlich. Lepidus, der Sohn des Triumvir, den Murena, Egnatius u. a. mußten dafür mit dem Tode büßen, dem Cinna 2½ A. großmütig. roßen Kummer verursachten A. die Ausschweifungen seiner Tochter (von der Scribonia) Julia (s. d.). In Livia (s. d.) dune A. eine Gemahlin gefunden, wie er sie für seine Person und Aufgabe nicht passender hätte finden können; aber freilich lastet auf ihr die Beschuldigung, die nicht zu beweisen, aber auch nicht zu widerlegen ist, daß sie, um statt A.' leiblicher Nachkommenschaft ihrem ältesten Sohne die Nachfolge zuzuwenden, auch vor saß keine Mitteln nicht zurückgescheut sei. Ä. beaß keine Söhne und verlor auch durch den Tod sowohl seinen Schwestersohn Marcellus als seine tersöhne Gajus und Lucius, die er zu seinen Nachfolgern bestimmt hatte. Drusus, sein Stiefsohn, den er liebte, starb 9 v. Chr. in Deutschland; nur Tiberius, der ältere Bruder desselben, welcher ihm immer antipathisch war, blieb ihm übrig. Er begleitete denselben, als er 14 n. Chr. nach Illyrien dere bis Benevent, obgleich ihn ein Unwohlsein efiel. Dasselbe nahm auf der Rückreise zu, und er starb zu Nola 19. Aug. A. hat seine durch furchtbare Mittel erkämpfte Macht mit Weisheit und Mäßigung gebraucht und das Reich mit den ½½½½ des Friedens beglückt, nachdem er es durch alle Schrecken des Bür⸗ . geführt. Wenn er nicht —1 geniale röße besaß, so war er sich doch stets klar über das, was er zu erreichen vermochte und über die Mittel, die ihm zur Durchführung eines Plans zu Gebote standen und in deren Benutzung er eine sichere und geschickte Hand zeigte. Er schätzte die Wissenschaften, übte die Dichtkunst auch selbst und hat einem Zeitalter seinen Namen gegeben, das sich durch seine Leistungen auf geistigem Gebiete hoch auszeichnet. Die Überreste seiner prosaischen und poetischen Schriften hat Weichert herausgegeben (Grimma 1841—46). Die berühmtesten Dichter zog er zu sich heran, so Virgil, Horaz und viele andere. Sein Tod versetzte das Reich in tiefe Trauer; man zählte ihn nunmehr den Göttern bei und errichtete ihm Tempel und Altäre. Von den Denkschriften, die A. hinterließ, ist die eine, welche in drei Abschnitten einen Abriß seines gesamten öffentlichen Lebens enthält, inschriftlich namentlich an den Resten des Tempels des A. zu Ancyra fast vollständig (das im lat. Text Fehlende wenigstens größtenteils in griech. Übersetzung) erhalten und in neuerer Zeit nach Perrot von Mommsen wiederholt (mit ausführlichem Kommentar, Berl. 1865) und von Bergk (Gött. 1873) bekannt gemacht worden. Vgl. Höck, Röm. Geschichte vom Verfall der Republik bis 55 Vollendung der Monarchie unter Konstantino (Bd. 1, Braunschw. 1841); Beulé, A., seine Familie und seine Freunder (deutsch von Döhler, Halle 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 223Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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