FeedAzzio Sincero
AllerleiBrockhaus 1882

Azzio Sincero, s. Sannazaro (Jacopo). B. der zweite Buchstabe unsers Alphabets, bezeichnet einen Laut, der mit p, f, v (v), m zu der Klasse der Lippenlaute (labiales) gehört; von p, dem ihm zunächst liegenden Laute, unterscheidet b sich dadurch, daß bei seiner Hervorbringung die Stimmbänder des Kehlkopfes mittönen, während dieses Moment bei p fehlt; daher b tönender Laut, media; p stummer Laut, tenuis; im gewöhnlichen Sprachgebrauch bezeichnet man diesen Unterschied durch «harte (p) und «aweiche (b). Die vergleichende Grammatik weist nach, daß in den indogerman. Sprachen das b ursprünglich ein sehr seltener Laut war; die meisten b der einzelnen Sprachen sind also aus andern Lauten hervorgegangen, das deutsche beentspricht einem ursprünglichen bh (aspiriertem b), arch. 5. 3. B. got. baira (ich trage), grch. α⁰, lat. fero. Im phöniz. Alphabete heißt dieser Buchstabe beth, d. h. das Haus, das Zelt, wahrscheinlich nach der ältern hieroglyphischen Gestalt desselben; daraus entstand die griech. Form beta. Als Abkürzungszeichen steht B auf lat. Inschriften u. s. w. für Balbus und Brutus, b für bene, bixit (alte Form für vixit), bonus und (auf christl. Inschriften u. s. w.) für beatus (d. i. selig, verstorben), L. B. heißt lector benevolus (d. i. wohlwollender Leser). In der Musik „Rote un B Basso, während bals Vorzeichnung die Note um einen halben Ton erniedrigt, der Ton b selbst aber (ital. si bemolle; frz. si bémol; engl. b flat) das um einen halben Ton erniedrigte h ist. über B als Grundton in der musikalischen Skala s. Ton und Tonarten. Als chem. Zeichen steht B für Bor; als pharmaceutische Abkürzung auf ältern Rezepten gilt B für Balneum und für Balsamum, b. m. für bene misceatur (d. i. es werde gut gemischt). Bei Aräometerangaben bezeichnet B die Skala von Baumé. Auf Kurszetteln steht Boder B für Brief (d. h. zu einem gewissen Preise zum Verkauf angeboten, im Gegensatz zu G oder G, d. i. Geld, d. h. bezahlt). Auf preuß. Münzen bezeichnet B von 1750 bis 1822 die Münzstätte Breslau, seit 1866 aber, sowie seit 187² auf deutschen Reichsmünzen Hannover; auf österr. Münzen bezeichnet B Kremnitz, auf franz. Münzen Rouen, Bb Straßburg. In der Logik bezeichnet B das Prädikat, während A das Subjekt bedeutet. ((d. i. Baccalaureus). B. A., engl. Abkürzung für Bachelor of arts b. a., Abkürzung für bonis avibus oder bonis auspiciis (lat., beides: unter guter Vorbedeutung). Ba, Abkürzung (chem. Zeichen) für Baryum. Baader (Franz Xaver von), namhafter deutscher Philosoph, geb. 27. März 1765 zu München, widmete sich seit 1781 zu Ingolstadt und Wien mediz., sodann in Freiberg unter Werner und seit 1792 in England und Schottland allgemeinern naturwissenson frih und technischen Studien und begann schon früh auch eine eingehende Beschäftigung mit der Philosophie. Er wurde dann 1797 zu München als Münz⸗ und Bergrat angestellt, 1807 zum Oberbergrat befördert und blieb in dieser Stellung bis 1820. Auf der Rückkehr von einer 1822 unternommenen Reise nach Rußland verweilte B. acht Monate in Berlin, wo er zu Hegel, Schleiermacher, Herbart, Varnhagen und andern Berühmtheiten in Beziehung trat. Bei Eröffnung der Universität Philosop 1826 ward ihm eine Honorarprofessur für Philosophie und spekulative Theologie übertragen. Bei Gelegenheit der Kölner Wirren sprach er si egen den kirchlichen Absolutismus des Papaltems in schneidender Weise aus, weshalb ihm 1838 unter dem Ministerium Abel untersagt wurde, fernerhin über Religionsphilosophie zu lesen. Er starb zu München 23. Mai 1841. B.s litterarische Thätigkeit beschränkte sich anfangs auf das naturwissenschaftliche und techni96 Gebiet. Dahin gehören die Schriften Vom Wärmestoff v Let⸗ 1786), „Versuch einer Theorie der Sprengarbeite (Freiberg 1802), Anleitung zum Gebrauche der schwefelsauren Soda oder des Glaubersalzes zur Glaserzeugunge (Wien 1815) u. w. Als Philosoph machte sich B. zuerst durch seine „Beiträge zur dynamischen Philosophie (Berl. 1809) bekannt. Eine vollständige Sammlung seiner philos. Schriften (16 Bde., Lpz. 1850—60) wurde von Franz Hoffmann veranstaltet. Wenn auch die Philosophie B.s in manchen Punkten mit Fichte, Schelling und Hegel einerseits zusammengeht und andererseits Ideen Jakob Böhmes und anderer Theosophen aufnimmt und umgestaltet, so bleibt dieselbe doch von allen andern philos. Systemen wesentlich unterschieden. Die Prinzipien, aus denen B. alles ableitet, sind: der Urwille, der zugleich als Urbewußtsein . und Urpersönlichkeit ist, und dessen Attribute: die ewige Idee und die ewige Natur. Die Idee ist als Grund der Form, die Natur dagegen als die Quelle des Stoffs anzusehen. Vom Willen aber wird das nander fte bestimmt, in welchem jene beiden zueinander stehen. Der theosophische Charakter seines Denkens zeigt sich vor allem darin, daß er einen Parallelismus zwischen der ewigen Selbsterzeugung Gottes und der zeitlichen Geschichte des sündigen und erlöst werdenden Menschen darstellen will. V diesem mystischen Sinne erklärt er sich für die Identität des Wissens und des Glaubens als des wahren Innewohnensv der Gottheit im Menschen, und er + dadurch eine höhere Bedeutung gewonnen, daß er in die starre Scholastik des Katholizismus eine Anzahl fruchtbarer, freilich von diesem selbst dogmatisch zurückgewiefener Gedanken hineingeworfen hat. Der bedeutendste Schüler B.s ist Franz Hoffmann (sed.Nin Würzburg, der auch die meist nur in aphoristischer Form ausgesprochenen Ideen des Meisters systematisch darzusiellen versucht hat. Dahin gehören unter anderm von dessen Schriften: Vorhalle zur spekulativen Lehre B.s» (Aschaffenb. 1837), Aiber das Verhältnis B.s zu Hegel und Schellinge (Würzb. Nurch⸗ „Grundzüge der Societätsphilosophie B.sv (Würzb. 1837) und Die Weltalter. Lichtstrahlen aus Franz von Bis Werkeno (Erlangen 1868). B.s älterer Bruder, Clemens Alois B., bekannt als Herausgeber des Gelehrten Bayerny, geb. 8. April 1762, starb als bayr. Regierungs⸗ und Schulrat 23. März 1838. — Sein dritter Bruder, Joseph von B., I. enieur, 910 zu München 30. Sept. 1763, gest. aselbst 20. Nov. 1835, wurde 1798 Direktor der Maschinen und des Bergbaues, 1808 Geheimrat bei der Generaldirektion des Bergbaues und der Salinen von Bayern, später Oberbergrat, und erwarb sich große Verdienste um die Anlegung von Eisenbahnen in Bayern. Unter seinen Schriften sind zu erwähnen: 4Beschreibung eines neuerfundenen Gebläses» (das sog. 4Baadersche Gebläses, Bayr. 1794), «Theorie der Saug- und Hebepumpeno (Bayr. 1797; 2. Aufl., Hof 1820), „Neue Vorschläge und Erfindungen zur Verbesserung der Wasserkünste bei dem Bergbau und Salinenwesenp (Bayr. 1800; 2. Aufl., Hof 1820), cüber ein neues System der fortschaffenden Mechanikv (Münch. 1817) und «Huskisson und die Eisenbahneno (Münch. 1830).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 308Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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