FeedBaden
ErdkundeBrockhaus 1882

Baden, auch Baden-Baden genannt, einer der glänzendsten und besuchtesten Badeorte Europas, Kreisstadt des bad. Landeskommissariatsbebnn Karlsruhe, liegt 189 m uber dem Meere in em reizenden, durch mildes Klima ausgezeichneten Thale des Oosbachs, das sich in das urgthal öffnet, und ist durch eine Zweigbahn nach Oos mit der Hauptlinie Mannheim-Konstanz, der Badischen Staatsbahn, verbunden. B. ist Sitz eines Bezirksamts und eines Amtsgerichts, hat ein Gymnasium (mit Realgymnasium verbunden), eine Imban Töchterschule, eine Gewerbeschule, ein Krankenhaus und mehrere andere Wohlthätigkeitsanstalten, Fabriken von Holzschnitz⸗ und Chinasilberwaren und zählt (1880) 12 008 meist kath. E. Der Ort ist in seinem ältern Teile amphitheatralisch an einem Hügel, in seinem neuern, ganz modern angelegten, an prachtvollen Hotels, eleganten Villen und Privatwohnungen reichen größern Teile am Fuße desselben erbaut und hat drei kath. und eine neuerbaute prot. Kirche in got. Stile, eine griech. Kapelle mit goldener Kuppel, eine russ. Kirche und eine Kirche für den anglikan. Ritus in normann. Stile. Im Chor der im 15. 1. zaufgeführten Pfarr⸗ oder Stiftsrass finden sich die Grabmäler der kath. Markgrafen von Baden seit 1431. Auf einem Hügel üÜber der Stadt liegt malerisch das 1479 auf röm. Fundamenten angelegte, aber 1689 mit der Stadt von den Franzosen zerstörte, dann teilweise wieder⸗ .— — Son Neue Schloß, welches vom Groß⸗ — 950 ommerwohnung benutzt wird. ie Römer, welche die Heilquellen Ens⸗ kannten, nannten den Ort dem Kaiser Aurelius Severus Alexander zu Ehren Civitas Aurelia aquensis und legten Bäder an, von denen später Stadt und Land den Namen erhielten, nachdem B. im 12. Jahrh. in Besitz der Markgrafen aus dem Hause Zähringen gelangt war. Letztere Auten seit Anfang des 13. Jahrh. auf dem sog. Alten Schlosse nordöstlich der Stadt ihren Sitz, bis sie gegen Ende des 15. Jahrh. nach dem Neuen Schloß bei der Stadt übersiedelten. Als später die bad. Lande geteilt wurden, blieb B. bis 1689 die Residenz des Baden-Badenschen Zweigs, welcher in diesem Jahre nach Rastatt übersiedelte und 1771 ausstarb. Die heißen Quellen, denen B. seine Blüte und seinen Ruf als Kurort verdankt, sind sehr zahlreich (über 20) und liefern täglich ungefähr 800000 1 Wasser von 44— 67² C. Sie entspringen aus dem Felsen der Schloßterrasse hinter der Pfarrkirche und werden durch Röhren in die Bäder der Stadt geleitet. Hauptquelle ist der Ursprungo, mit einem röm. Überbau bedeckt, über welchem sich die großartigen Gebäude des neuen Friedrichsbades erheben. ieses, nach Entwürfen von Dernfeld aufgeführt und 1877 eröffnet, ist heute die eleganteste, auch den höchsten Ansprüchen entsprechende derartige Anstalt in Curopa. Die Quellen gehören zu den erdig-salinischen Kochsalzthermen. W. spezifischer Gehalt bleibt sich jedoch nicht gleich, ebenso wenig ihre Temperatur, die in den verschiedenen Brunnen zwischen 44—67˙ C. variiert. Man benutzt das Wasser zum Baden, zu Douchen, Einspritzungen, aber auch zum Trinken. Es hat besonders Ruf gegen Unterleibskrankheiten, Menstruationsstörungen, Skrofeln, alte rheumatische und gichtische bel, Hautkrankheiten, Störungen der Nieren und der —.—5 organe, chronische Katarrhe, Lähmungen u. s. w. In der Falkenhalde (Stephanienbad und Stahlbad) und in Lichtenthal befinden sich drei schwache Stahlquellen. Der Ruf des Ortes als Bad nahm besonders gegen Ende des 18. Jahrh. durch den Besuch einer großen Zahl franz. Emigranten seinen Aufschwung, und seit 1804 hat die bad. Regierung alles gethan, um dasselbe in die Höhe zu bringen. eits 1815 zählte man 2460 Badegäste. Seit dieser Zeit ist B. ein Modebad geworden, in welchem sich, bei einer Frequenz von jährlich gegen 50000 Gästen aus allen Ländern der Erde, während des Sommers ein Leben entfaltet, das an Reichtum, Glanz und Luxus mit dem der größten Hauptstädte zu wetteifern vermag. Die (Sommer⸗) Saison dauert vom 1. Mai bis 1. Okt. und erreicht im Juli und Aug. ihren Höhepunkt; die 1872 eingerichtete Wintersaison + jedoch ebenfalls eine nicht unbeträchtliche e dt Kurgäste herbei. Von großem Einfluß auf die Frequenz war früher die (1872 aufgehobene) stark besuchte Spielbank, welche nicht nur eine jährliche Pacht von 500000 Fl. zahlte, sondern auch kontraktlich eine gleiche Summe für Verschönerung der Promenade wie für Konzerte und andere Unterhaltungen verwandte. Vereinigungspunkt der Kurgästeist das Konversationshaus, 1824 von Weinbrenner im Renaissancestil erbaut, mit prächtig ausgeschmückten Speise⸗, Konzert⸗ und Ballsälen, und von Alleen und Anlagen umgeben, die sich jenseit der 85 m langen Neuen Trinkhalle hinziehen. Letztere, 1839—42 von Hübsch aufgeführt, ist mit 14 Fresken von Götzenberger geschmückt, welche Sagen des Schwarzwaldes darstellen. Am Eingange zur Lichtenthaler Allee erhebt sich das nach den Plänen von Couteau erbaute und 1862 eröffnete schöne Theater, daneben die Kunsthalle mit permanenter Ausstellung. Auf dem Leopoldsplatze befindet sich seit 1861 das eherne Standbild des Großherzogs Leopold. Seit 1857 werden alljährlich Ende August dreitägige und Anfang Oktober zweitägige große Pferderennen in dem 2 Stunden entfernten Ffezheim gehalten. Die interessantesten Punkte der Umgebung sind: das 3 km entfernte sog. Alte Schloß (Hohenbaden, 491 m über dem Meere, 1689 ebenfalls von den Franzosen zerstört), dessen Ruinen eine prächtige Aussicht über das Rheinthal von Speier bis derteinbura 511 gewähren; die Trümmer der Ebersteinburg (511 m), ebenfalls mit schöner Fernsicht; das 1243 gestiftete Cisterzienserinnenkloster Lichtenthal, in dessen Kirche sich Grabmäler 622 mbohe M. Markgrafen finden; ferner der 672 m hohe Mercuriusberg, das malerisch gelegene neue Schloß Eberstein (in welchem einige m der Me mit Fresken de Augra und das 1725 von der auigrüsn Sibylle Auguste erbaute Lustschloß Favorite, welches während der Belagerung von Rastatt im J. 1849 preuß. Hauptquartier war. Litteratur. Klübe, „Beschreibung von B. (2 Bde., Tüb. 1810); Guinot, «Ein Sommer in B.» (Lahr 1870); Biermann, «Baden-Baden als Kurorty (Heidelb. 1872); Heiligenthal, „Die heißen Quellen in Baden-Badeny (Bad. 1879); derselbe, „Geschichte der Stadt B. und 845 Bäderp (Karlsr. 181505 „Das Friedrichsbad in Baden-Badeny (Bad. 1878); (Baden-Baden. Wegweiser durch Stadt und Umgegendo (8. Aufl., Bad. 1880); Schnars, B. und Umgebungs (2. Aufl., Bad. 1880). Der treis Baden bildet das südl. Drittel des Landkommissariatsbezirks Karlsruhe, bestehend aus Teilen der alten Markgrafschaft Baden, der Grafschaft Eberstein und der Ortenau, und umfaßt 1045,25 qkm mit (1880) 134 562 C.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 356Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6