FeedBahäma-Inseln
TierreichBrockhaus 1882

Bahäma-Inseln oder Lucayische Inseln, Rie Lucayos (von los cayos, d. h. die Klippen oder iffe), eine den Briten dar 2. Inselreihe Westindiens, welche, durch den Neuen Bahamakanal oder die Floridastraße mit dem Golfstrom von der Südostküste der Halbinsel Florida, durch den für die pon Gut gefährlichen Alten Bahamakanal von Cuba getrennt, sich zu beiden Seiten des Wendekreises über 1100 km weit in südöstl. Richtung bis gegen Haiti hin zwischen 21 und 27 31 nördl. Br. erstreckt und mit dem Gürtel der Kleinen Antillen den großen, gegen Nordwesten Died und Inselbogen Westindiens vollendet. ie B. sind die höchsten aus dem Wasser aufragenden Spitzen einer Anzahl von Korallen⸗ und Sandplateaus, die aus bedeutender Tiefe schroff aufsteien und durchschnittlich nur 5—10 m unter Wasser iegen, selten 20—30 m, während einige wenige zur Eb Ban zu Tage treten. Unmittelbar außerhalb der Bänke findet man Tiefen von 3—4000 m. Die Inseln selbst bestehen der chelkacenn nach aus jüngern Kalkschichten mit Muschellagern, auf welchen eine Mergel⸗ und Thonlage ruht, bedeckt von einer reichen Humusschicht. Sie sind im ganzen flach, ihre Riurres Hügel erheben sich 40—60 m über den eeresspiegel, nur Klein-Salvador erhebt sich bis zu 125 m, andere hingegen werden teilweise von der Flut überschwemmt. Man 43 29 größere Inüue von denen 10 unbewohnt sind, 661 Felsennseln und 2387 Felsen und Riffe, welche aus dem Meere außer einer 2· Die nzahl von verborgenen Riffen und Klippen. Diese Beschaffeneit des Meeres gibt Anlaß zu einer bedeutenden nzahl von Schiffbrüchen, weshalb ein Teil der Bewohner seinen Unterh alt durch Bergen von Wrackgütern gewinnt. Die B. zählen (1871) auf 13 960 akm 39 162 C., worunter 29287 Schwarze, wozu noch die Caicosinseln (550 glcm mit 1878 E.) und die Turksinseln (25 qkm mit 2845 20 kommen. Nach den Bänken, auf denen er ruhen, zerfallen die B. in eine Anzahl natürlicher Gruppen, von denen die nördlichste, die der eigentlichen B. sich auf der Kleinen Bahamabank (über 14 000 qkm Erd erhebt. Die beiden größten unter ihnen sind roß-Bahama (1542 qm) und Groß-Abaco oder Lucaya (mit Klein-Abaco 2313 qkm). Südlich von diesen, durch den Providencekanal getrennt, liegt die Große Bahamabank mit einer Meer von über 96000 ꝗkm, in welche das tiefe Meer von Norden mit dem Providencegolf, von Osten mit dem CErumasund und der Jumentosbai der Oft 4 liegt die größte der B., Andros oder St.⸗ ndrews (3524 am), an welche sich südlich die beiden Heiligen-Geistinseln (440 und 1100 AEm) anschließen. Sstlich von Andros liegt die nur 218,5 akm große Hauptinsel New-Providence mit dem besten Hafen und der Stadt Nassau, der Inseln der der ganzen Gruppe. Unter den übrigen Inseln der Großen Bahamabank sind noch zu nennen: Eleuthera, Great-Exuma und Long Zunge u und, nur durch eine schmale unterseeische unge mit der Bank verbunden, Klein-Salvador und Cat-Island. Sstlich und südöstlich hiervon liegen noch Rum-Cay und die ahamupaltnt während westlich von der Großen Bahamabank noch die ziemlich bedeutende Sal-Caybank aastteigz auf welscher aber keine größern Inseln liegen. Die südöstl. Aeinteer der Inselreihe besteht aus einer Anzahl leinerer den Mcl Acklin, den Crooked-Inseln, die einen großen 2 toll mit 2—3 m Wassertiefe im Innern bilden, Mariguana, Groß⸗ und Klein-Inagua, den Caicosinseln und den Turksinseln. Weiter südöstlich treten noch drei Bänke, Mouchoir Carré Bank, Silver Bank und Navidad Bank, auf, die letzte schon 20—40 munter dem Meeresspiegel. ind nur wenige Brunnen vorhanden; dagegen finden sich auf vielen wertvolle Salzwasserteiche, die teilweise mit dem Meere im imenuniann stehen und mit der Ebbe und Flut sinken und steigen. Das Klima der B. 1 Mättehem eiß und auch für Europäer gesund, die Mitteltemperatur beträgt im Sommer etwa 28 C., im Winter 18 C.; der südl. Teil der Gruppe wird das ganze Jahr hindurch vom VNordostpassat erfrischt, Wähvend im nördl. Teile häufig kalte West⸗ und Nordwestwinde wehen. Regen fällt in genügender Menge. Das feuchte Klima erzeugt einen üppigen Pflanzenwuchs. Von den tro ischn und europ. Gewächsen und Früchten gedeihen mehrere vortrefflich. Ananas und Orangen bilden ein Hauptstapelprodukt, ebenso Baumwolle. Außerdem baut man Reis zur Ausfuhr, Mais und ausreichend anderes Getreide, sowie Mohrhirse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte u. s. w., dagegen nur noch wenig Kaffee und Zuckerrohr. Einige Inseln sind olzreich und liefern namentlich Mahagoni, Satin, ignum vitae, 1„ u. s. w. Auch die Viehzucht, besonders die Schaf⸗ und Geflügelzucht, ist Der Siilt die sang uief von großer Wichtigkeit. Der Schildkrötenfang liefert einen erheblichen Ausfuhrartikel. Von Bedeutung ist auch die Gewinnung eines Badeschwamms, welcher freilich gegen den des Mittelmeers zurücksteht. Einen Hauptausfuhrartikel bildet das Salz, Reben Hehn von Inagua und den Turksinseln; sieben Zehntel davon ehen nach den Vereinigten Staaten. Verschiedene Inseln liefern auch Guano, etwa 700 Tonnen werden jährlich ausgeführt. Andere Produkte sind noch Schildpatt und Perlmutter. Der Wert der Aushr der B. belief sich 1878 auf 143000 Pfd. St., er der Einfuhr auf 191000 Pfd. St. Seit 1. Juli 1880 sind die B. dem Weltpostverein beigetreten. Außer dem Handel sind 3.—— 1 und Schiffbau wichtige Nahrungszweige. Es gibt auf den B. zehn Häfen, die aber meist nur für kleinere Fahrzeuge Bodenilae sind. Bebaut ist etwa ein Fünftel der odenfläche; nur 20 Inseln (nicht gerade die größten) sind nebst den nã scha Riffen spärlich bewohnt. Eine Anzahl von Ortschaften liegt nicht auf den Wünren nseln, sondern auf kleinen Nebeninselchen, während die Felder auf der Hauptinsel liegen. Die Engländer haben den Archipel in zwei Verwaltungsgebiete geteilt: 1) das Gouvernement der B., mit einer Regierungsverfassung nach dem Vorbild der brit. nordamerik. Besitzungen. Hauptstadt, Sitz des Generalgouverneurs und Mittelnkt des Handels ist die feste Stadt Nassau auf ew-Providence, mit gutem Hafen, einer kolossalen steinernen Bildsäule des Columbus vor dem Gou-Calcsinseln. und 8000 E.; 2) die Turk⸗ und Caicosinseln. Diese stehen unter einem besondern Regierungsrat, der in Berwaltungssachen dem Gouverneur von Jamaica untergeordnet is. Die wichtige, die Eingänge zum Golf von Mexiko beherrschende Lage gibt dem Archipel seinen Hauptwert. Die B. sind in der Geschichte der Entdeckun⸗ —* von hervorragender Bedeutung, weil zu Hört, ie Dese Guanahani oder San-Salvador gehört, auf welcher Columbus am 12. Okt. 1492 zum ersten male amerik. Boden betrat. Die Spanier wurden 5.5 Daber erste Entdeckung des Columbus Herren des Bahama-Archipels und fanden bei dem friedlichen Volke karaib. Stammes die freundlichste Aufnahme. Als sie jedoch auf den öden Inseln ihre Erwartungen getäuscht fanden, verließen sie, nachdem sie die Einwohner großenteils in die Bergwerke von San-Domingo, Peru und Mexiko gebracht und eine 1629 auf New-Providence angelegte engl. Kolonie 1641 zerstört hatten, den ganzen Archipel, der nun den Flibustiern und andern Korsaren als Schlupfwinkel diente. Letztere vernichtete 1718 der brit. Seekapitän Woods Rogers, der hierauf die Inseln für England in Besitz nahm. Nicht kräftig von der Krone unterstützt, wurden sie 1776 von den Nordamerikanern geplünbert und 1781 von den Spaniern von neuem erobert, jedoch 1783 im Frieden zu Versailles den Briten wieder abgetreten. VBal. Bacot, „The Bahamase (2.Aufl., Lond. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 370Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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