FeedAndamanen
ErdkundeBrockhaus 1882

Andamanen, Inselgruppe im Bengalischen Meerbusen, südwestlich vom Kap Negrais, der Westspitze von Pegu, zwischen 10 und 14 nördl. Br. sowie 92· 60 und 93e 60“ östl. L. (von Greenwich), mit einem Flächeninhalte von 6497 qkm. Durch den Zehngradkanal von den südlicher geleenen Nikobaren (s. d.) getrennt, erscheinen die A. ewis letztgenannte Inseln in geolog. Hinsicht als die nur wenig sich über das Meer erhebende Fortsetzung des die Insel Sumätra in ihrer ganzen 89e durchziehenden Barissangebirgs. Die Gruppe besteht aus vier größern und etwa 50 kleinern Inseln. Von den erstern bilden Nord⸗ (1513 qkm), Mittel⸗ (1961 qkm) und Süd-Andaman (1392 qkm) die Gruppe Groß-Andaman, welche durch die Duncanstraße von Klein-Andaman (954 qkm) geschieden wird. Die Zahl der Bewohner wird auf 14500 geschätzt. Groß-Andaman erstreckt sich von 14 —11 45˙ nördl. Br. in einer Länge von 230 km, die an der Südspitze liegende Rutlandinsel aber mitgerechnet, von 245 km. Längs der Höntn Ostküste läuft ein Höhenzug hin, der seine höchste Erhebung in dem etwa 800 m hohen Sattelberg an ihrem Nordende hat. Der Westküste parallel laufen in einem Abstande von 30 — 45 Em große, für die Schiffahrt gefährliche Korallenbänke. Die Andamanstraße im N. und die Mittlere Straße im S. scheiden Nord⸗, Mittel⸗ und Süd-Andaman. Von letzterm wird Rutland durch die breitere Macphersonsstraße geschieden. Nur diese und die Mittlere Straße sind für kleinere Fahrzeuge schiffbar. überall, namentlich aber an der Ostküste, bestehen geräumige und sichere Häfen mit gutem Ankergrunde, wie Port Cornwallis an der Ostseite von Nord-Andaman und Port Blair nahe dem Westende von Süd-Andaman. Die auf den A. vorherrschende Gebirgsformation ist ein namentlich an der Küste höhlenreicher Quadersandstein. Metalle kommen nicht vor. Die Vegetation hat große Ahnlichkeit mit der Hinterindiens. Die ausgedehnten Waldungen hochstämmiger Bäume bieten vortreffliches Werk- und Bauholz. Dichtes Unterholz macht sie schwer zugänglich. Die mit Rhizophoren bestandenen Strandgegenden und ebenso, wie überall zwischen den Wendekreisen, frisch entholztes Waldland sind ungesund, namentlich fiebererzeugend. Daher kommt es hauptfächlich, daß das Klima der A. verrufen ist. Der Boden ist fruchtbar und bringt Mangas, Kürbisse, Brotfrüchte, Kokos und andere Nußpflanzen hervor. Es wurde bereits der Versuch gemacht, Zuckerraffinerien und Rumdestillationen hier zu etablieren. Außerdem gibt es viele eßbare Vogelnester, und die Küsten sind überaus reich an Fischen, welche nebst dem Fleische wilder Schweine die Hauptnahrung der Bewohner bilden. Die Andamaner (Minkopics), ein kühner, abgehärteter und kräftiger Volksstamm von ungefähr 5000 Seelen, sind den Papuas auf Neuguinea, den Samang auf der Halbinsel Malakka und den Negritos auf den Philippinen ähnliche, dunkelfarbige und wollhaarige, sog. Australneger. Gegen Fremde sind sie argwöhnisch und geraten deshalb leicht mit ihnen in Feindseligkeiten. Sie leben in Hüttendörfern, hanph aclich und Ruder, und führen als Waffen auptsächlich noch Bogen und Pfeile. Die Briten ließen 1790 die A. durch Blair aufnehmen und gründeten 1791 eine Niederlassung zu Port Cornwallis, welche indes 1796 wieder auf-Heachen wurde. Seitdem blieben die Inseln uneachtet, bis sie 1857 von der brit. Regierung in Besitz genommen und zur Deportationsstätte für die zu langwieriger Strafzeit verurteilten Sepoys bestimmt wurden. Die Strafkolonie enthielt 1879 nicht weniger als 9399 Sträflinge, wovon 10 Proz. Frauen; außerdem 866 Freie (Beamte, Militär u. s. w.). Sie sind bei Port Blair, wo 8. Febr. 1872 der Generalgouverneur von Britisch-Indien Earl Mayo bei einer Inspektionsreise von einem mohammed. Deportierten aus Privatrache ermordet wurde, auf die Inseln Roß und Chatham und auf die Südküste in 12 Stationen verteilt, wo sie zu nützlicher Thätigkeit angehalten werden. Die schlimmsten wurden nach der Viperinsel übergeführt. Durch freie Einwanderung und alte gebesserte Sträflinge haben sich kleine Kolonien gebildet, von denen die Wildnisse gelichtet wurden. Die Unkosten der Kolonie betragen jährlich nicht ganz 1 Mill. Pfd. St. Behufs der Zähmung der Eingeborenen ist ein sog. Home errichtet, in welchem 1870 bereits über 33000 Portionen Nahrung ausgeteilt worden sind und wo sich auch Eingeborene bereits niedergelassen haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 619Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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