FeedBaldachin
BaukunstBrockhaus 1882

Baldachin (frz. baldaquin, ital. baldacchino) nennt man gegenwärtig eine meist aus sehr kostbaren Stoffen bestehende, reich verzierte, von Säulen getragene oder auch an der Wand befestigte, elt⸗ oder schirmartige Decke über einem Throne, uhebette, einem Altare, einer Kanzel und andern heilig geachteten Gegenständen. Berühmt ist der ganz aus Erz gegossene, gegen 30 m hohe B. Berninis in der Peterskirche zu Rom. Sonst gab man diesen Namen auch einem auf vier Stangen em-Brotar und a meist viereckigen Schirm von Seide, rokat und andern reichen Stoffen, wie er bei feierlichen Aufzügen, z. B. Krönungen, Hochzeiten u. dgl., über fürstl. Personen und hohen geistlichen Würdenträgern als Abzeichen ihres Standes getragen wurde. Jetzt findet dieser Gebrauch in Europa nur noch bei den 1e Montrran der kath. Kirche Anwendung, wo der die Monstranz tragende Geistliche unter dem B. zu gehen pflegt, der in solem Falle gewöhnlich „Himmelo genannt wird. ache wie Wort stammen aus dem Orient. Teils um 200 gegen die Sonne, teils zum Zeichen einer Macht und Würde erscheint der orient. Herrcher oder Großwürdenträger selten anders als unter einem, 5 von den Großen und Oberbeamten getragenen Prachthimmel, sei er zu Fuße, zu Ciche in der Wet Tar oder auf dem Elefanten. olche Traghimmel kamen im frühern Mittelalter vereinzelt als Geschenke morgenländ. Herrscher, wie des Kalifen Harun-al-Raschid an Karl d. Gr., in das Abendland und wurden nachher durch die Kreuzzüge und den orient. Handel der Italiener näher bekannt. Traghimmel sowie die reichen Seidenstoffe, aus denen sie gewöhnlich bestanden, hießen nach dem Lande ihres ch Baldaa Babylonica, oder auch Baldachine, nach Baldach, der abendländ. Namensform von Bagdad.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 393Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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