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ErdkundeBrockhaus 1882

Baltia (vom litauischen baltas, —:6 bei Plinius Name einer großen Insel im nördl. Europa, Auns von Bernstein, wahrscheinlich die ostpreuß. üste. Daher die zuerst bei Adam von Bremen vorkommende Bezeichnung Baltisches Meer (mare balticum) für Ostsee. ö‚ Baltimore, Stadt mit Hafen im County Baltimore im nordamerik. Staate Maryland, eine der größten Städte der Vereinigten Staaten, mit 332313 E. (1880), an der Nordseite des Flusses Patapsco, der 22 lem von da in die Chesapeakebai Sal ward 1729 angelegt und zu Ehren des Lord altimore, des Gründers von Maryland, benannt. B. bestand 1765 aus nur etwa 50 Häusern; 1796 wurde es zur Stadt erhoben und stieg hierauf durch den Handel sehr rasch; 1790 hatte es 13503, 1810 aber 35538, 1830 schon 80 625, 1850 bereits 169 054 und 1870 endlich 267354 E. Im J. 1880 waren 278584 Weiße und 53 716 Farbige; 276 177 waren Eingeborene der Vereinigten Staaten und 56136 aus fremden Ländern Eingewanderte. B. wird in die Alte Stadt, Neue Stadt, French-Town und Fell's-Point eingeteilt, die durch ein Flüßchen Jones' Falls getrennt sind. Unter den vielen ansehnlichen Gebäuden sind hervorzuheben die Bank von Maryland, die große Börse, das Athenäum mit der Bibliothek der Historischen Gesellschaft, das von dem londoner Bankier George Peabody der Stadt geschenkte und von ihm mit 1 Mill. Doll. ausgestattete Peabody-Institut, die Verkaufshallen und mehrere der 189 Kirchen und Gotteshäuser für alle Konfessionen, namentlich die kath. St.⸗ Paulskirche. Unter den zahlreichen Monumenten, welche B. den Namen Monumental-City gaben, befindet sich das zu Ehren 38 Wonumen errichtete, 50 m hohe Denkmal und das Monument zum Andenken der Schlacht, in welcher 1814 der Angriff der Engländer unter General Roß abgeschlagen wurde. Die neuen Straßen sind regelmäßig; die Baltimorestraße ist 156 Km lang und 25 mbreit. Der ältere Stadtteil, teilweise hügelig und uneben, zeichnet sich durch aristokratische Abgeschlossenheit und in feinem Stil gebaute Häuser aus. B. ist der Sitz des amerik. Tabakshandels; auch das Weizenmehl aus den Dampfmühlen bei B. wird wegen seiner besondern Güte sehr weit verführt. In der Stadt und Umgegend gibt es viele Baumwoll⸗ und Leinenfabriken. In der ganzen Welt berühmt ist sie als Schiffbauplatz: ihre Klipper sind die besten Schiffe der amerik. Handelsmarine. Die Schiffahrt Bis ist sehr bedeutend. Die Stadt hat (1878) eine Handelsflotte von 884 Segelschiffen von 72 789 t und 131 Dampfern mit 37593 t; 1878 liefen 1732 Schiffe (609 britische, 375 amerikanische, 140 deutsche) mit 1231701t ein, 1706 mit 1225 172 t aus; der Gesammtwert der Einfuhr betrug 66,7, der der Ausfuhr 232,2 Mill. Mark. Hauptgegenstände der Einfuhr sind Kaffee, Zucker und Salz, der Ausfuhr Getreide, Schmalz, Speck und Petroleum. Die Stadtschuld belief sich 1880 auf 27092 690 Doll.; 14 National- und 8 Staatsbanken vermitteln die Geschäfte, außerdem gibt es 7 Sparbanken und 23 Versicherungsgesellschaften. Unter den Wohlthätigkeits- und höhern Unterrichtsanstalten sind mehrere reiche College. Eine Eisenbahn führt von hier nach Washington, eine andere nach Philadelphia und eine dritte, die Baltimore- und mgqu den Dyiz uber Cumberland bis nach Wheeling an den O hio. Letztere ist eine der großartigsten Bahnen in Amerika, zeichnet sich durch ihre kühnen Brücken, Tunnel und Bergübergänge aus und vermittelt den Verkehr B.s mit den Kohlenbergwerken Marylands und Virginiens sowie mit dem Westen. Der Eingang des Hafens ist schmal und durch das Fort Mac-Henry geschützt. Schiffe von 500—600 t liegen undieseg der Stadt; nur mit 200 t können sie an diese gelangen. B.s Lage ist eine der schönsten der nordamerik. Seestädte. Es erhebt sich terrassenförmig um den Hafen, und namentlich bieten der Federal-Hill und Lautenschlägershügel einen entzückenden Blick auf die zu ihren Füßen sich ausbreitende Stadt und den Hafen. Die Frauen Bis gelten als die schönsten in den Vereinigten Staaten, seine Rowdies als der 3ang⸗ verwahrloseste und blutdürstigste Pöbel des Landes und seine höhern Gesellschaftskreise als die reaktionärsten, weil ihre Interessen bisher abweür in der Sklaverei wurzelten und sich stets abwehrend gegen den freiern, vom Norden her eindringenden Geist verhielten. Erst seit dem Ausbruche des Secessionistenkriegs 1861, in welchem sich die Behörden von B. anfangs für neutral zu erklären wagten, macht sich ein Umschwung geltend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 411Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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