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ErdkundeBrockhaus 1882

Barcellona, Stadt an der Nordküste Siciliens, in der ital. Provinz Messina, Bezirk Castroreale, zählt (1871) 13917.(1880 als Gemeinde mit dem nahen Orte Pozzo di Gotto 21924) C., welche Olbau und Fischerei treiben, und hat vielbesuchte arcelona, Hauptstadt (Ciudad) der gleichnamigen Provinz (7731 akm mit [1877 835 306 C.) und von ganz Catalonien, ist eine der größten und nach Madrid die volkreichste Stadt Spaniens, Waffen⸗, Hafen⸗, Handels⸗ und Fabrikstadt ersten Ranges, einer ber nordosti. notenpunkte des t im nordöstl. Spanien, Sitz des Generalkapitäns von Catalonien, eines Bischofs und eines Obergerichts. Die Stadt liegt zwischen der Mündung des Llobregat und Besos an der Mittelmeerküste, die hier mit einer vorspringenden Halbinsel eine geräumige Hafenbucht bildet, in einer paradiesischen, gut angebauten, mit Landhäusern (Torres) dicht besäeten, im weiten Umkreise von einer malerischen, mit Wein und Wald bedeckten Hügelkette umschlossenen Ebene, am nördl. Fuße eines mit dem starken und großen, Stadt und Hafen beherrschenden Fort Monjuich (Mons Jovis) gekrönten, 191 m hohen, schroffen Felsenbergs. Die mittlere Temperatur ist 17° C., das Maximum 31, das Minimum 2“ C. Die Wasserleitungen führen aus den Bergen eine Fülle von Wasser herzu. Sie Siad⸗ (1877 249106 E. B. gehört zu den wenigen Städten Spaniens, die an Bevölkerung und Wohlstand fast fortwährend zugenommen. Doch hat der Gürtel von Stadtwällen, der sie bis in die neueste Zeit umgab, ihre unmittelbare Vergrößerung verhindert, und die Bevölkerung konnte sich nur in Vorstädten (Gracia, San-Martin de Provensals, San-Andrés del Palomar, Hostafranchs, Barceloneta u. s. w.) ausbreiten. Nach Madrid und Cadiz ist B. die schen. Stadt Spaniens und hat ein modernes Anba en. Die innere Stadt ist wwert 5 be Hauser geut, hat vier bis fünf Stockwerk hohe Häuser mit zahlreichen Balkons, gut gepflasterte Straßen und wird durch Gas erleuchtet. Sie zerfällt in 10 Barrios, besitzt viele schöne und Kroße Gebäude, 5 Bahnhöfe, eine Dom⸗, eine Kollegiat⸗, 82 Pfarr⸗ und andere Kirchen, 18 Nonnenklöster. Die meisten der ehemaligen 28 Mönchsklöster sind teils niedergerissen, teils zu Unterrichtsanstalten, Spitälern, Kasernen u. s. w. verwendet worden. Außer einer großen Anzahl Humanitätsanstalten hat die Stadt ein trefflich eingerichtetes Zucht⸗ und Korrektionsdenen mehrere kleine und zwei Haupttheater, von enen das Opernhaus, welches 4000 Personen faßt, das schönste Schauspielhaus Spaniens ist, und einen Stiergefechteirkus. Nächst Madrid besitzt B. auch die meisten Unterrichtsanstalten. Es befindet sich hier die 1596 von Philipp II. gegründete Universität mit vier Doral täten (durchschnittlich 1600 Studenten), ein botan. Garten, eine Handelsschule mit 2000 Schülern lunterhalten von der Junta de Comercio, mit außerordentlich reichen Mitteln ausgestattet), eine Gelehrtenschule, eine Notariats⸗ und Dier Aiadeschule, ein Priesterseminar. Ferner vier Akademien, zwei große Bibliotheken (die Biblioteca de San-Juan mit 40000, die bischöfliche mit 15000 Bänden), das große königl. Archiv der Krone Aragon mit 15000 Bänden und 80000 Briefen. Unter den Straßen ist die 1120 m lange 15 Rambla, welche die ganze Stadt von NNW. gegen SSO. unter ve Oneidet, Beinamen als eine Art Boulevard durchschneidet, eine der schönsten der Welt, zugleich die Hauptader des Verkehrs. Der schönste unter den Plätzen ist die Plaza del Palacio, an welchem die Börse und das imposante Zollhaus (Aduana) stehen. Außer der Rambla hat B. noch zahlreiche andere Promenaden, darunter die, welche nach dem 2 km entfernten Gracia führt, einer Villa von 33 766 E., dem Sommeraufenthalt der begüterten Barcelonesen. Die wichtigsten Gebäude B.s sind die got. Kathedrale (la Seu) aus dem 13. Jahrh., mit drei Schiffen und vielen Kunstwerken; die noch ältere got. Kirche Sta.Maria del Mar mit drei von fünf Reihen uche Säulen getragenen Schiffen (eine eigentümliche Verzierung der Kirchen hier sind die vielen Mohrenköpfe); der Palast der alten Grafen von B., die Börse — u. s. w. Die Kaufläden und Cafes wetteifern in Glanz und Luxus mit denen zu Paris. Außer dem bm eine Crnlan geltenden Fort Monjuich, das durch eine Esplanade von der Stadt getrennt ist, wird diese uoch durch die befestigte Atarazanas (ehemals Arsenal) am Suüdende der Rambla verteidigt. B. ist der Mittelpunkt der Industrie Cataloniens. Schon 1854 gab es innerhalb der Stadt 67, in der Umgebung 25 mit Dampfmaschinen arbeitende Fabriken, von denen 66 mit Verarbeitung von aumwolle beschäftigt waren; ferner 1400 Web-Aune für Seide und etwa 2000 für Schafwolle. Außerdem bestehen große Maschinenfabriken, Eisen-Ceitenien Fabriken für Papier, Glas, Steingut, Seifen, chem. Präparate u. s. w., Mahl⸗ und Schneidemühlen, Färbereien, Druckereien und Gerbereien. Die Gewerbe sind sehr zahlreich und die dereutendr mit vielen Privilegien versehen. Noch edeutender als die Industrie ist der Handel. Die 1752 unter dem Marquis Mina angelegte Hafenvorstadt Barceloneta, mit schnurgeraden, sich rechtwinkelig schneidenden Straßen, zwei großen Kasernen, vielen Magazinen und einer schönen Kirche, bewohnen größtenteils Schiffswerkleute, Matrosen, Bshn und Soldaten. Schon im Mittelalter war B. ein Hauptplatz für den Handel im Mittelmeere. Hier wurde 1258 das älteste Handels⸗ und Seegesetzbuch verfaßt. Vgl. Capmany, „Memorias historicas sobre la marina, comercio Vartes de B. (4 Bde., Madr. 1792), und „Codigo de las costumbres maritimas de B.v (Madr. 1791). Jetzt ist es der wichtigste Hafen und Handelsplatz von ganz Spanien, der in regelmäßiger Dampfschiffverbindung steht mit Genua, Marseille, Cadiz, Lissabon, Liverpool, Rio de Janeiro und Buenos-Ayres. Der geräumige Hafen wird durch die Halbinsel von Barceloneta gebildet. Im J. 1879 liefen 4543 Schiffe mit einem Gehalte von 1210051 t ein, 5168 Schiffe von 1333821 t liefen aus. Der Küstenhandel beschäftigt 7577 Schiffe von 613955 t. Die Ausfuhr besteht, außer den Manufakturartikeln, besonders in Wein und Branntwein, die Einfuhr in franz., engl. und ital. Fabrikwaren, Getreide, Reis, Bauholz aus der Ostsee, schwed. Eisen, Stahl aus Steiermark, Hanf aus aubt und Petersburg, Leinen, Kupfer- und Eisendraht aus Deutschland, aus transatlantischen Häfen besonders Rohstoffe, Baumwolle, Häute, Kaffee und Kakao. Der Wert der Cinfuhr 1877 betrug 116 Mill., der der Ausfuhr 92 Mill. Mark. B. besitzt nach Madrid die wichtigste Bank Spaniens und 11 Assekuranzgesellschaften. Die Stadt Barcino, eine karthag. Gründung, angeblich des Hamilkar Barcas, als röm. Kolonie Colonia Faventia Julia Augusta Pia Barcino genannt, kommt schon im 4. Jahrh. unter dem Namen B. vor, hieß aber im Mittelalter gewöhnlich Barcinona (Barchinona), bei den Arabern Barschaluna. Es wurden daselbst 13 Kirchenversammlungen gehalten, deren letzte die got. Kirchensatzungen aufhob. Im frühern Mittelalter hatte die Stadt namentlich durch die Araber arg zu leiden. Nach der Eroberung durch Ludwig den Frommen 801 wurde sie Hauptstadt der span. Mark, gelangte unter erbliche Grafen, die seit dem 11. Jahrh. durch Privilegien und gute Gesetze die Entwickelung Bis mächtig förderten. Durch die Vermählung des Grafen Raimund Berengar IV. mit der Erbtochter Ramiros II. von Aragonien wurde 1137 B. und ganz Catalonien mit diesem Königreiche vereinigt. Der span. Herrschaft müde, unterwarf ich die Stadt mit Catalonien 1640 dem König von rankreich. Gezwungen kehrte sie 1652 zum Georsam gegen Spanien zurück, ward indes 1697 von den Franzosen wiedererobert, neab. im Ryswijker Frieden an Spanien zurückgegeben. au Spanischen ehean K Wug sich B. auf die Seite des Erzherzogs Karl. on Philipps V. Truppen unter dem Herzog von Berwick 1714 belagert, mußte es sich indes nach hartnäckigem Widerstande ergeben. Am 16. Febr. 1809 ward es von den Franzosen unter dem General Duhesme durch Üüberrumpelung genommen und blieb im Besitz derselben bis 1814. Große Verheerungen richtete 1821 in B. das Gelbe Fieber an. Nach Unterdrückung des karlistischen Aufstandes der Agraviados hatte es gleich Catalonien seit 1827 die blutige Strenge des Grafen d'Espaßa zu erdulden. Der span. Bürgerkrieg der folgenden Zeit zog auch B. in seine Greuel durch Volksaufstände und ane republikaf namentlich 1835 und 1836, wobei eine republikanische Richtung hervortrat. Auch 1840 war die Stadt der Schauplatz einer bedeutenden Krisis, die mit der Regentschaftsübernahme durch Espartero endete; 1841 und 1842 kam es zu neuen Aufständen, teilweise wegen Einführung der Konskription ernehend n letztern wurden die Truppen vorübergehend auf das Fort Monjuich beschränkt, und erst ein Bombardement konnte die Insurgenten 5e übergabe zwingen. Denselben Verlauf nahm der Aufstand von 1843. Im J. 1854 wurde die Revolution O'Donnells in Madrid durch eine Wue Rinter Bewegung in B. unterstützt, die aber ohne Blutvergießen verlief, da sich Truppen und Behörden derselben anschlossen. Dagegen mußte ein Progressistenaufstand, der infolge des O'Donnellschen Staatsstreichs ausbrach, die Ruhe B.s nicht mehr dauernd gestört; bei den neuern Bewegungen in Spanien stand die Bevölkerung durchweg auf liberaler Seite. Im Jan. 1874 traten blen Nurtther Neigungen stark hervor und veranlaßten Unruhen, die aber mit Waffengewalt sehr bald unterdrückt wurden; ein im Frühjahr 1882 ausgebrochener sozialistischer Aufstand wurde ebenfalls bald unterdrückt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 472Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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