Barelay de Tolly (Michael Andreas, Fürst), einer der berühmtesten russ. Feldherren, stammte aus einem nach Mecklenburg und Livland übergesiedelten Zweige derselben schott. Familie, welcher die vorigen, der Dichter und der Quäker B., angehörten. Er war der zweite von drei Brüdern, I1 16. (27.) Dez. 1761 zu Luhde-Großhof bei Walk in Livland, wo sein Vater, Gottlieb B. de Tolly, ein Gut besaß. Von seinem Oheim, General von Vermeulen, wurde er in die Militärakademie nach Petersburg gebracht; schon 1778 wurde er Offizier in einem Kürassierregiment. In dem Türkenkriege von 1788 und 1789, 1790 im Kriege gegen Schweden und 1792 und 1794 gegen Polen kämpfte er mit Auszeichnung, avancierte 1789 zum Major, 1798 zum Obersten und 1799 zum Generalmajor. Bei Pultusk kommandierte er 1806 die Avantgarde Bennigsens, bei Eylau wurde er 1807 am Arm so schwer verwundet, daß fast eine Amputation desselben notwendig geworden wäre. um Generallieutenant befördert, nahm er an den erationen in Finland 1808 hervorragenden Anteil und setzte im März 1809 an der Spitze von 6000 Mann über das Eis des den. V en Meerbusens nach der Küste von Schweden. Obgleich von der nationalruss. Partei vielfach angefeindet, weil man ihn als Deutschen betrachtete, wurde er vom Kaiser Alexander 1810 zum Kriegsminister an Araktschejews Stelle ernannt und 1812 zum Oberbefehl über die erste Westarmee im Kriege gegen Napoleon berufen. Als er Smolensk nach der blutigen Schlacht vom 17. Aug. aufgeben mußte, traten die Anfeindungen der nationalruss. Partei heftig hervor, sodaß der Kaiser sich gegen seinen Willen genötigt sah, ihn durch Kutusow zu ersetzen, Doch blieb B. bei der Armee, zeigte bei Borodino hohe Tapferkeit und Geistesgegenwart und hatte im Kriegsrat zuerst den Mut,‚ für die Räumung Moskaus zu stimmen. Im Jan. 1813 übernahm er das Kommando des schitschagowschen Armeekorps, eroberte 4. April Thorn, schlug Lauriston 19. Mai bei Königswartha und wurde nach der Schlacht von Bauten von neuem zum Oberbefehlshaber der ganzen russ. Streitmacht ernannt. Er kämpfte an deren Spitze in den Schlachten von Dresden, Kulm und Leipzig, nach der er in den Grafenstand erhoben wurde, endlich bei Paris, wo er den Feldmarschallstab erhielt. Nach dem Feldzuge von 1815 verlieh ihm Alexander den Fürstentitel. Nach dem Frieden war B. Oberbefehlshaber der ersten Armee in Mohilew; er starb auf einer Reise nach den böhm. Bädern 25. Mai 1818 zu Insterburg. Ihm wurde 1834 vor der Kasaner Kirche in Petersburg ein ehernes Standbild errichtet und 1849 in Dorpat ein Denkmal gesetzt.