Barth, Stadt im Regierungsbezirke Stralsund der preuß. Eit der Winndung de im Franzburger Kreise, unweit der Mündung der Barthe an dem Barther Bodden gelegen, welcher den Seehafen der Stadt bildet. Der alte, aber ziemlich gut gebaute Ort zählt (1880) 6050 E., ist Sitz eines Amtsgerichts mit zwei Richtern und hat ein 1733 auf dem atze des ehemaligen herzogl. Schlosses errichtetes äuleinstift, drei Hospitäler, eine höhere Bürgerchule, sowie eine aus drei Klassen bestehende Navigationsschule. Die wichtigsten Erwerbszweige der Bevölkerung sind Wersten; f Reederei und Rast bau. B. hat 4 Werften; seine Reederei umfaßt (1880) 238 Schiffe von 43673 t, sodaß es unter den preuß. Ostseehäfen bezüglich der Last der Schiffe nur von Stralsund, Leing ich der Lastenzahl nur von Danzig und Stettin Ubertroffen wurde. Außerdem wird Lohgerberei, Bayrisch-Bierbrauerei, Marinieren der weithin versandten Ostseeheringe und Kalkbrennerei betrieben; auch hat B. eine landwirtschaftliche Mas chinenbauanstalt und eine Dampfschneidemühle. Ungefähr 4 km südlich von der tadt liegt der im Mittelalter weit berühmte Wallfahrtsort Grab mit einer Jumims Schwefelquelle und dem Grabe Herzog Barnims VI. Ursprünglich war B. ein wendischer Burgflecken, wurde dann ur deutschen Stadt und erhielt 1255 das lübische echt. Im 15. Jahrh. galt sie als bedeutende Handelsstadt und war durch ihre Bierbrauereien weit geihnt Durch Feuersbrünste 1495 und 1562 schwer ge * t, hob sie sich unter Herzog Bogisdaw3 I., der hier residierte und 1582 eine wichtige Druckerei anlegte, wieder. — Nach der Stadt ist das Land Barthbenannt, das auch unter dem Namen „Fürstentum Rügen diesseit des Wasserso und ader landfeste Teil des Fürstentums Rügenp vorkommt. Es umfaßte den Franzburger Kreis, gehörte zuerst zu Rügen, kam 1148 an Pommern, 1185 wieder an die Fürsten von Rügen. Nach dem Aussterben derselben 1325 fiel es durch Erbvertrag an den und wurde seit 1457 von einer Seitenlinie des Hauses beherrscht, welche sich die Barthsche nannte; 1630 besetzten es die Schweden, denen es auch im rieden von 1648 blieb, bis es 1815 an Preußen el. In das Barther 515 Halbintel Dar⸗ das —— die Insel Zingst und die Halbinsel Dars von der Ostsee getrennt wird, fahet im Osten ein schmaler & Ae aus dem von dem Festlande und der Ran ügen begrenzten Prohner Wiek. Dieses innenwasser erweitert sich zur Bucht Grabaw, dann vor B. zum Barther Bodden, Galer 505. lich zum Bodstädter Bodden und zum Saaler B den, dessen westl. Hälfte zu Mecklenburg ehört. Bar besen . einer der berühmtesten Reisenden der neuesten Zeit, geb. 16. Febr. 1821 in Hamburg, besuchte das dortige Johanneum und widmete sich 1839—44 zu Berlin dem Studium der klassischen Philologie und Altertumswissenschaft. Au einer Reise nach Rom und Sicilien 1840 hatte si bei ihm der Plan ausgebildet, das Becken des Mittelmeers womöglich seinem ganzen Umfange nach aus eigener Anschauung kennen zu lernen; er ging daher 1845 über Gibraltar nach Tanger und wandte sich, er in das Innere von Marokko nicht einzudringen vermochte, nach 4* und Tunis. Nachdem er Anfang 1846 einen kurzen Besuch in Malta gemacht, begab er 2 aufs neue nach Tunis, von hier über Gäbes nach Tripolis, zog um die Syrte nach Bengasi, erforschte das alte Cyrenaika und wandte 500 ierauf durch Marmarika dem Nilthal zu. Nahe er ägypt. Grenze von Räubern ausgeplündert und schwer verwundet, langte er endlich in Kairo an. Raruan ten machte er eine Nilfahrt bis zum zweiten atarakt von Wadi-Halfa, durchschnitt die Wüste pvon Assuan bis Berenice und usel hierauf seine sina ungen auf der Sinaihalbinsel und in Palätina fort. Das nordsyr. Küstenland, Cilicien, Cypern und die einst blühenden hellenischen Kolonien an den Küsten Kleinasiens berührend, erreichte er meenbeit dber von wo er nach dreijähriger Ab-I über Griechenland nach seiner Heimat urückkehrte. Winter 1848/49 habilitierte sich B. als Privatdocent zu Berlin, las im Sommer darauf über die Topographie einiger berühmter Stätten des Altertums und begann die Bearbeitung Hutte „(Wanderungen durch die Küstenländer des ittelmeerso (Bd. 1, Berl. 1849). Im Nov. 1849 begab er sich mit Overweg über Tunis nach Tripolis, um sich der Unternehntung Richardsons nach Centralafrika anzuschließen. Am 23. März 1850 brach die Karawane nach Murzuk auf und wandte sich durch die Sahara na nuterunhi von wo B. einen Ausflug nach Agädes unternahm. Erst im Dezember konnten die Reisenden ihren Weg nach Süden fortsetzen und erreichten im Jan. 1851 Damerghu, wo sie sich trennten. B. wandte sich südwe 60 nach Haussa, um Kätsina und Kano im Reiche Sokoto zu erreichen. Richardson wollte mit an der Nacht Sinder nach Kuka gehen, starb aber in der Nacht vom 3. zum 4. März Ungurutua, während Overweg glücklich Kuka, ie Hauptstadt von Bornu, erreichte, wo er 5. Mai mit B. zusammentraf. Von hier aus machte B. alsbald eine Exkursion nach Adamaua, wobei er 18. Juni den Binué entdeckte und von welcher er 22. Juli nach Kuka zurückkehrte. Beide vereint unternahmen nun eine Reise nach Kanem und, vom 25. Nov. 1851 bis Ende Jan. 1852, eine andere nach dem Lande der mach 2 Nach ihrer Rückkehr reiste B. Ende März nach Baghirmi im Südosten des Tschadsee, am 20. Aug. traf er zu Kuka wiederum mit Overweg zusammen, der inzwischen Jakoba besucht hatte, aber bald darauf (27. 14• zu Maduari am Tschadfer dem Klimafebererlag. enige Monate darauf trat B. eine Reise nach dem Westen an und ging nach Sokoto, von wo aus er seinen Weg über Gando nach Say am Niger fortsetzte. Nachdem er bei Say 12. Juni 1853 den Strom überschritten, durchwanderte er die noch von keinem Europäer 512 Barth (Hermann, Freiherr vo betretenen Landschaften Gurma, Libtako und Dalla und kam am 7. Sept. nach Timbuktu. Nach einem siebenmonatlichen Aufenthalte verließ er 8. April 1854 die Wüstenstadt, mußte aber noch einmal dahin zurückkehren und konnte erst 8. Mai die Reise wieder aufnehmen. über Garo oder Gagho, die einstige glänzende Hauptstadt des Songhayreichs, Wurno und Kano langte er 12. Dez. wiederum in Kuka an, wo er vier Wochen mit Eduard Vogel (s. d.), dem er bereits 1. Dez. zu Bindi, zwischen Kano und Kuka, begegnet war, Wücweg wc Anfang Mai 1855 trat B. den Rückweg nach Europa an, erreichte über Bilma und Murzuk 21. Aug. Tripolis und betrat nach fast sechsjähriger Abwesenheit 8. Sept. zu Marseille den europ. Boden wieder. Die Reisen B.s und seiner Begleiter sind epochemachend für die Entdeckungsgeschichte Afrikas 5 worden. Dieselben haben zu völlig neuen Anschauungen über die geogr. Verhältnisse, Geschichte und Ethnographie dieses Weltteils geführt und zu zahlreichen andern Unternehmungen im wissens chaf lichen wie merkantilischen Interesse aufgemuntert. Als Frucht derselben veröffentlichte B. während eines mehrjährigen Aufenthalts in London seine „Reisen und Entdeckungen in Nord⸗ und Centralafrikas (5 Bde., Gotha w1855—58; Auszug, 2 Bde., 1859—60), welchem Hauptwerke sich Sammlung und Verarbeitung centralafrik. Vokabularien» (Abteil. 1 u. 2, Gotha 1862—64) anschlossen. Nach Berlin übergesiedelt, wurde er 1863 Professor an der Universität und zugleich Präsident der Geographischen Gesellschaft. Daneben setzte er auch seine Studien über die Mittelmeerländer fort und unternahm zu diesem Zwecke größere Reisen; so im Herbst 1858 von Trapezunt über Kara-Hissar, Tokat Amasia, Bogasköi, Kaisarie und Angora nach Konstantinopel Liaalle von Trapezunt durch die nördl. Hälfte Kleinasiens nach Skutari im Herbst 18585, — 1860); 1861 nach Spanien; im Herbst 1862 durch die Centralkarpaten, das ungar. Haltar * und Siebenbürgen nach der Donau, dem Balkan, dem Rilo-Dagh und über Monastir zum thessal. Olymp (Reise quer durch das Innere der europ. Türkeiv, in der Zeitschrift für allgem. Erdkunder, Bd. 15, 1863, und Bd. 16, 1864); 1863 in die Bayrischen, Graubündner, Tiroler, Cadorischen und Cottischen nl. T. 1864 durch Italien und 1865 durch die nordöstl. Teile von Montenegro nach der Mitte der Balkanhalbinsel. Wenige Wochen nach der Rückkehr von dieser Reise starb B. 25. Nov. 1865 zu Berlin. Vgl. Koner, „Heinrich B.v in der (Bul 186. der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin⸗ (Berl. 1866).