FeedBaryum
NaturlehreBrockhaus 1882

Baryum oder Barium (chem. Zeichen Ba Atomgewicht = 137), ein der Gruppe der alkalischen Erden angehöriges Metall, welches in seinen nahr sehn. dem Calcium und Strontium sehr nahe steht. Seine metallische Natur wurde von Berzelius durch Darstellung eines Quecksilberamalgams nachgewiesen; rein erhalten wurde es von Davy 1808. In der Natur findet es sich im freien Zustande nie; einzelne Verbindungen kommen als wichtige Mineralkörper vor, von denen vor allen der Schwerspat oder nieure Bun Baryt und der Witherit oder kohlensaure Baryt zu erwähnen sind. Man erhält das Metall entweder nach Bunsen durch elektrolytische Zersetzung eines mit wenig Salzsäure angemischten und auf 100* erwärmten Breies von zerriebenem Chlorbaryum mittels eines Stroms von amer Dichtigkeit, wobei man am negativen Pol einen amalgamierten Platindraht anwendet und dann das gebildete Amalgam sofort im Wasserstoffstrome destilliert, oder nach Crookes durch Zersetzung einer 93“ warmen gesättigten Chlorbaryumlösung mit Natriumamalgam, wobei Baryumamalgam entsteht, welches man durch Pressen zwischen Leinen zunächst von überschüssigem Quecksilber befreit und dann im Wasserstoffstrome schwach Amer um das Quecksilber zu verflüchtigen. Das lmalgam ist sofort nach seiner Darstellung weiter zu verarbeiten, da es in feuchter Luft sich rasch unter Bildung von Barythydrat oxrydiert. Das Baryummetall bildet eine poröse, aufgeblähte, dunkel angelaufene Masse, in deren Blasenräumen oft eine silberweiße, metallglänzende Oberfläche sichtbar ist; an der Luft erhitzt, verbrennt es mit Flamme, Wasser Zerseb. es schon bei gewöhnlicher Temperatur, es schmilzt bei Rotglut und ist nicht flüchtig. Eine technische Verwendung hat das B. bisher noch nicht gefunden. Bezüglich der Baryum-Verbindungen ist zunächst zu bemerken, daß das B. ein zweiwertiges Metall ist und sich daher mit 1 Atom zweiwertiger oder mit 2 Atomen einwertiger Körper vereint. Die wichtigsten seiner Verbindungen, die auch als En Barpumord9 bezeichnet werden, sind: 1) Baryumorxyd, Baryt, Baryterde Ba0, von Scheele 1774 entdeckt, wird erhalten, indem man salpetersauren Baryt in einem zur Hälfte gefüllten melendes Tiegel anfangs gelinde erhitzt, bis das schmelzende Salz durch vorschreitende Zersetzung wieder fest wird, und dann scharf glüht, bildet eine lockere, scheinbar geschmolzen gewesene graue Masse, die mit Wasser, unter Bildung von Barythydrat, sich sehr stark erhitzt; verbindet 15 mit Alkoholen zu Alkoholaten; in seinen Eigenschaften dem Cal2) Baryumoxydhydrat, Barythydrat, Baryumhydroxyd, Atzbaryt Ba(0H)2, krystallisiert Ba (OH), SH= O, entsteht beim Befeuchten von Baryumoxyd mit Wasser; zu seiner Darstellung behandelt man Baryumsulfid (s. 5½mit Wasser, wobei Barythydrat und Baryumsulfhydrat entstehen: Kocht man dann die Lösung, welche beide Verbindungen enthält, mit Kupferoryd (Hammerschlag oder geröstete Kupferasche), so wird das Barymsulfhydrat unter Abscheidung von unlöslichem Schwefelkupfer in Barythydrat verwandelt: Die vom Schwefelkupfer abfiltrierte Flüssigkeit liefert beim Erkalten eine reichliche Krystallisation von Barythydrat. Statt des Kupferoxyds läßt sich zu gleichem Zweck Eisenoryd, Zinkoryd, Manganoryd anwenden; man fügt von diesen Oryden solange zu der kochenden Flüssigkeit, bis eine fltrierte Probe derselben auf Zusatz eines Tropfens Bleilösung nicht mehr dunkel gefärbt wird, sondern einen rein weißen Niederschlag gibt. Das Barythydrat krystallisiert in wasserhellen Säulen. Es absorbiert mit großer Begierde Kohlensäure aus der Luft, die Lösungen wie die Krystalle sind daher vor dem Zutritt der Luft zu bewahren. Beim Trocknen in von Kohlensäure befreiter Luft bleibt bei 1005 ein Hydrat von der Zusammensetzung Ba (OII), II. O zurüc, das letzte Krystallwasser entweicht bei schwacher Rotglut, das Hydratwasser bleibt aber auch bei starkem Glühen gebunden. In Wasser ist es verdendes 20 2 leicht löslich, es erfordert 2 Teile siedendes, 20 Teile kaltes Wasser, die kalt gesättigte Lösung bezeichnet man als Barytwasser. Barythydrat sindet namentlich in der analytischen Chemie Verwendung, wurde 1 auch benutzt, um aus den Melaffen der Rübenzuckerfabriken den Zucker abzuscheiden, gestützt auf die — des Rohrzuckers, mit Baryt eine schwer lösliche krystallisierte Verbindung uhrte Ber jedoch ist dieses von Dubrunfaut eingeführte Verfahren durch bessere Methoden verdrängt. 3) Baryum superoxyd oder Baryumhyperoxyd Bao, entsteht, indem man über schwach lühendes Baryumoxyd reinen Sauerstoff oder Luft eitet. Es bildet eine äußerlich vom Baryumoxyd — 6 unterscheidbare Masse. Bei stärkerer Hitze lan fällt es in freien Sauerstoff und Baryumoxyd. Man at diese Eigenschaft zur Darstellung des Sauertoffs benutzt; indem man Baryumoxyd in liegenen Retorten schwach glüht und einen Luftstrom darüber leitet, wird der Sauerstoff absorbiert, während der Stickstoff entweicht; bei stärkerm Erhitzen wird der aufgenommene Sauerstoff ausgetrieben und kann in berbleibende aufgefangen werden, während der verbleibende Rückstand dann immer wieder für den gleichen Zweckverwandt werden kann. entsteht, wenn Bar Im reihen mit Wasser zusammengebracht wird. Im reinen Zustande erhält man es, indem man fein zerriebenes Baryumsuperoxyd in Wasser suspendiert und verdünnte Salzsäure bis zur erfolgten Lösung zufügt; die Lösung enkhält dann Wasserstoffsuperoxyd und Chlorbarnum. Diese versetzt man mit Barytwasser, bis eine bleibende Trübung entsteht, filtriert, um ab eschiedene Verunreinigungen (Thonerde, Eis enoxyd, Magnesia) zu entfernen, und fügt dann mehr Barytwasser zu, wodurch das Baryumsuperoxydhydrat in feinen Blättchen gefällt wird. Es ist in Waser unlöslich, verliert sein Krystallwasser schon beim Trocknen im Vacuum, beim Kochen mit Wasser Var es Sauerstoff ab, durch Säuren wird es in arytsalz und Wasserstoffsuperoxyd verwandelt. Schwefelsaurer Baryt wird durch Glühen mit Kohle reduziert. Zur Darstellung mischt man 4 Teile höchst fein gepulverten Schwerspat mit 1 Teil Holzkohlenpulver und 1 Teil Leinkuchenmehl und fügt so viel warmes Wasser hinzu, bis beim Durchkneten eine plastische Masse entsteht. Aus dieser formt man Kugeln von 3—5 em Durchmesser, welche nach dem Trocknen in einem kleinen Schachtofen mit abwechselnden Schichten von Holzkohlen zum starken Glühen gebracht werden. Nach dem Erkalten bilden die Kugeln eine graue, leicht zerreibliche, zum größten Teil aus Schwefelbaryum bestehende Masse, welche in ediesem Zustande für alle technischen wecke, wie Darstellung von Barythydrat und arytsalzen, verwendbar ist. 6) Baryumchlorid, Chlorbaryum Bach, entsteht beim Lösen von natürlich vorkommendem kohlensaurem Baryt, Witherit, in verdünnter Salzsäure, ferner durch Zersetzung von Schwefelbaryum mit Sahlame oder durch Schmelzen von schwefelsaurem Baryt mit einem Metallchlorid und Kohle. Letztere Methode wird in der Technik meist angewandt, da sie im Großbetriebe leichter auszuführen ist als eine der andern. Als Metallchlorid verwendet man entweder Chlorcalcium, welches als wertloses Nebenprodukt bei verschiedenen Prozessen gewonnen wird, oder Manganchlorür, Nebenrodukt der Chlorkalkfabrikation. Die bei Rem Waz stattfrndende eaktion zwischen schwefelsaurem Baryt, Chlorcalcium und Kohle verläuft so, daß dabei Chlorbaryum, in Wasser unlösliches S wefelcalcium und Kohlenoxyd entsteht, nach folgender Die Mischung der Materialien wird in einem Flammofen, dessen Bett schwach schalenförmig vertieft ist, bis zum Schmelzen erhitzt und so lange in Glut erhalten, bis keine Flämmchen von verbrennendem Kohlenoxyd mehr aus der tei förmig geschmolzenen Masse entweichen. Die Schmelze wird dann aus dem Ofen gezogen, in eisernen Kasten dem Erkalten überlassen und mit Wasser ausgelaugt, wobei das Chlorbaryum in Dies eht, während Schwefelcalcium zurückbleibt. Die ösung des Chlorbaryums wird durch Verdampfen in eisernen Pfannen konzentriert und liefert dann beim Erkalten eine reichliche Krystallisation. Die Krystalle werden von der Mutterlauge getrennt und getrocknet. Das krystallisierte Chlorbaryum BaCl 2130 bildet rhombische Tafeln von bitter-salzigem Geschmack, wie alle Barytsalze giftig, löst sich sehr leicht in Wasser, in Alkohol unlöslich, wird aus . wässerigen Lösungen durch Zusatz starker Salzsäure gefällt; bei 100 verliert es sein Krystallwasser, das wasserfreie Salz schmilzt bei Rotglut. Chlorbaryum ndet Verwendung zur Darstellung anderer Barytalze, außerdem in der ◻ chen Chemie und in er Technik zur Reinigung des Wassers, welches zum Speisen von Dampfkesseln dienen soll. Zu letzterm Zweck wird das Wasser mit einer seinem Gehalt an schwefelsaurem Kalk entsprechenden Menge von Chlorbaryum und darauf mit Kalkmilch versetzt, der Gips wird durch das Chlorbaryum, die Geicheden. . Erden durch die Kalkmilch abgeschieden. BaCOs, kommt als Mineral Witherit (s. d.) in der Natur vor, wird dargestellt durch Fällung einer Lösung von Chlorbaryum mit kohlensaurem Natron und Auswaschen des schweren weißen Niederf chlags. Das Mineral wird, wenn man es zu 10 uon Tardt. Preise erhalten kann, zur Darstellung von arytsalzen, das künstlich dargestellte Salz in der analytischen und wissenschaftlichen Chemie verwendet. 8) Baryumsulfat, Schwefelsaurer Baryt BaS80., als Mineral S 7½ pat (s. d.), welches in den meisten Fällen den Ausgangspunkt bei der fabrikmäßigen Gewinnung der Baryumverbindungen bildet. Im feingemahlenen un er schlemmten Zustande wird es als Zusatz zu vielen Farben verwandt, teils um deren Substanz zu vermehren, so beim Bleiweiß, teils um deren Farben abzutönen, so beim Chromgelb, um durch seine Beibal md hellere Farben zu erzielen. Künstlich erhält man schwefelsauren Baryt durch Zersetzung einer verdünnten heißen Lösung von Chlorbaryum mit verdünnter Schwefelsäure und Auswaschen des sich rasch absetzenden Niederschlags, bis das Waschwasser keine freie Säure mehr enthält. Der Niederschlag wird entweder im feuchten Zustande oder nach dem Trocknen als weiße Farbe unter dem Blane fix in den Handel gebracht. Der schwefelsaure Baryt ist in allen Lösungsmitteln völlig unlöslich, kann daher auch im Organismus —* rubt tig wirken. Auf der Unlöslichkeit desselben beruht das in der Lmung ‚ angewendete Verfahren zur Bestimmung sowohl der Schwefelsäure wie auch des Baryts. 9Baryumnitrat, Salpetersaurer Baryt Ba (NO,)2, entsteht beim Lösen von kohlensaurem Baryt in verdünnter Salpetersäure, wird am zweckmäßigsten 2½½½⁷ durch Vermischen einer heißen Lösung von 4 Teilen Chlorbaryum in 8 Teilen Wassal mit einer ebenfalls heißen Lösung von 3 Teilen alpetersaurem Natron in 3 Teilen Wasser. Beim Erkalten scheidet sich das schwer lösliche Salz fast vollständig als feines Krystallmehl ab, welches durch systematisches Auswaschen mit möglichst kaltem Wasser von dem bei der Zersetzung entstandenen Chlornatrium * wird. Der salpetersaure Baryt dient zur Darstellung des Baryumoxyds, sowie in der Kunstfeuerwerkerei. 10) Baryumchlorat, Chlorsaurer Baryt Ba(CIi0,)2, wird erhalten durch Sättigen von wässeriger Chlorsäure mit kohlensaurem Baryt und Krystallisieren der Lösung. Findet Verwendung in der Kunstfeuerwerkerei zur Erzeugung von schön grünen Flammen. 11)Y Baryumchromat, Chromsaurer Baryt BaCrO., entsteht als schöner gelber Niedersclag beim Fällen einer Lösung von Chlorbaryum mit neutralem chromsaurem Kali. Baroe unter dem Namen gelbes Ultramarin, Barytgelb, Gelbin, Jaune de Steinbuhl Verwendung als Malerfarbe. 12) Baryummanganat, Mangansaurer Baryt Ba, Mn, O, (2), wird erhalten durch Glühen von Mangansuperoxyd mit salpetersaurem Baryt. Grüne Farbe, bekannt unter den Namen Rosenstiehls Grün, Kasseler Grün, Mangangrün. Vol. Kerl u. Stohmann [Musprattl, „Encyklopädisches Handbuch der technischen Chemiey (3. Aufl., Bd. 1, Braunschw. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 521Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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