Basedow, ein dem Grafen von Hahn ge öriges Dorf im östl. Teile des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, im Kreise Wenden, Amt Staven-Kuden am Ostende des Malchinerfees und an der inie Malchin-Waren der Friedrich-Franz-Bahn mit 430 E. und schöner altgot. Kirche. Der Graf Kuno von Hahn, Erblandmarschall, hat hier ein Schloß mit schönen Gartenanlagen und Park, wildreichem Tiergarten und gutem Gestüt. ö asedow (Joh. uth Ber eigentlich Norde Berend Bassedau, auch Bernhard von Nordalbinen, wie er sich oft nannte, wurde zu Hamburg, wo ein Vater Perückenmacher war, 11. Sept. 1723 geboren. Nachdem er erst das Johanneum und von 1741—44 das Gymnasium besucht hatte, wo er von Reimarus, dem wolfenbütteler Fragmentisten, vielfache Anregung erhielt, bezog er 1744—46 die Universität Leipzig, um Philosophie und Theologie zu udieren, ohne jedoch daselbst die akademischen Voresungen regelmäßig zu besuchen, indem er sich mehr durch häuslichen Fleiß, durch Bücherlesen und Nachdenken qpersönliche ungelernte einungene erarbeitete. Im J. 1753 wurde er Lehrer an der Ritterakademie zu Soröe, von wo er 1761 wegen heterodoxer ——.— an das Gymnasium zu Altona versetzt wurde. Hier ben er «Philaleties (2 Bde., Altona 1763), «System der gesunden Vernunfto (1765) und wurde als hhen. 5 erklärt und vom Abendmahle ausgeschlossen. Der Druck solcher Intoleranz, besonders aber das Erscheinen von Rousseaus Emiles (1762) brachte ihn auf den Gedanken, der Reformator des Erziehungswesens in Deutschland, womöglich von ganz Europa zu werden. Begeistert von Rousseaus Gedanken und mit den Anschauungen des Comenius vertraut, schrieb er das Methodenbuch für Väter und Mütter der Familien und Völkern (Lpz. 1773) und trat 1768 mit seiner Vorstellung an Menschenfreunde und vermögende Männer, über Schulen, Studien und ihren Einfluß in die öffentliche Wohlfahrts» hervor, worin er zugleich den Plan eines 19.⸗Buc der Elementarwerks vorlegte, das aein A-b-e-Buch der realen und nominalen menschlichen Erkenntniso werden sollte. Die in dem Plane entwickelten Ideen fanden lebendiges Interesse und eine Geldunterstützung von 15000 Thlrn. Im J. 1774 erschien das Elementarwerko (4 Bde. mit 100 meist Chodowieckischen Kupfern) mit einer franz. Übersetzung (von Huber) und einer lateinischen (von Mangelsdorf). Leopold Friedrich Franz berief ihn 1771 nach Dessau, wo er 1774 das Philanthropin (s. Philanthropie) errichtete, das aus einer Pensionsanstalt für Zöglinge vom 6. bis zum 18. Jahre bestand, die in deutscher, franz., lat. und griech. Sprache, ein allen Studien der gesitteten Stände, auch in allen schulmäßigen und gymnasienmäßigen Studien, bis an die Geschiclichtelten zu den höhern Fakultäteno unterwiesen wurden. Der Enthusiasmus für B.s Unternehmen, »das nicht katholisch, lutherisch oder reformiert, aber christlichv sein sollte, und bei dem adie Aedast frei von theologisierenden Entscheidungen für das Christliche wider Juden, Mohammedaner, Deisten und wider die sog. Dissidenten, welche an umbac Orten Ketzer heißeno, war groß. Rochow, Rambach, Iselin, Kant, Euler, der reuß. Minister u. s. w. sprachen sich aufs vorteilafteste dafür aus, und 343 1 Philanthropine wurden gegründet (z. B. das Philanthropin zu Marschlins von Ulysses von Salis, das Philanthron zu Heidesheim, die Rudolpsche Töchterschule bei Hamburg und die Salzmannsche Stiftung in Schnepfenthal). Bald jedoch wurde durch B.s Wanlelmut in seinen Freundschaften und durch seine ungerechte, einseitige Herabwürdigung des Alten der Enthusiasmus gemäßigt. Er lebte seit 1778 bald in Dessau, bald in Leipzig, Halle und Magdeburg, 1 1750 u Magd seine Peen thätig, bis er 25. Juli 1790 zu Magdeburg mit den sein Streben charakterisierenden Worten starb: „Ich will seziert sein zum Besten meiner Mitmenschen.v B. war ein leidenschaftlicher Geist, energisch und kühn im Reden und Schreiben, mehr angelegt zum Zerstören als zum Aufbauen. Seine Erziehnngsgrundsätze waren extrem; er hatte ein blindes Vertrauen auf seine alleinseligmachende Unterrichtsmethode, die weder die Individualität des Zöglings noch die Persönlichkeit des 2½ allseitig berücksichtigte. Auch verkannte er den tiefen Sen Ge des nassischen Altertums und den wesentlichen Gehalt des Christentums für die Erziehung. Er hat jedoch das unbestreitbare Verdienst, daß er die Mängel der damaligen Erziehung, welche die körperliche Entwickelung ganz vernachlässigte, die Muttersprache und die Realien gar nicht als Unterrichtsgegenstände in Betracht zog und sich überhaupt nicht mit Bewußtsein von 5, wndern methodischen Grundätzen leiten ließ, sondern in einem traditionellen echanismus verloren hatte, ohne Schonung aufdeckte. Ebenso ist es sein Verdienst, daß durch seine Wirksamkeit neben den alten Sc die neuern Spraemtt das Borunte in den Schulen wurden und damit das Vorurteil verschwand, wonach wahre Bildung einzig durch koute. der lat. und griech. Sprache möglich sein sollte. Große Verdienste hat B. sich aber um die deutsche Schule dadurch erworben, daß er die Anschauung (Sachkenntnis vor der Wortktenntnis) bei allen Fächern gefördert, die Marüter und Pein der alten Schulen (das Memorieren u. s. w.) gemildert und überhaupt darauf gedrungen hat, dem Kinde die Schule lieb zu machen. Vgl. Rathmann, «Beiträge zur Lebensgeschichte Bis aus seinen Schriften und andern echten Quelleno 55507 1791); Meyer, «Charakter und Schriften 9 (2 Bde., Hamb. 1791—92).