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NaturlehreBrockhaus 1882

Basen nennt man in der Chemie diejenigen Körper, welche durch ihre Verbindung mit Säuren Salze bilden. Soweit sie in Wasser oder in indifferenten Lösungsmitteln löslich sind, charakterisieren sie sich durch alkalische Reaktion, d. h. sie haben die Eigenschaft, gewisse Farbentöne vegetabilischer oder künstlicher Farbstoffe zu verändern; so verwandeln sie durch Säuren rot gefärbtes Lackmuspigment in einen blauen Farbstoff, färben gelbe Curcumatinktur braun, den Aufguß von rotem Kohl, von Veilchen grün; mit verdünnter Rosolsäurelösung, welche bei genügendem Wasserzusatz farblos ist, erzeugen sie intensiv rote Färbung. ö Man unterscheidet zwischen anorganischen und organischen B. Die erstern sind die Oxydhydrate oder Hydroxylverbindungen der eigentlichen Metalle, und diesen ist auch das Ammoniumoxydhydrat zuzurechnen. In den meisten Fällen erfolgt die Verbindung mit Säuren derart, daß die Hydroxylruppe Ol1l der Base austritt und sich mit einem asserstoffatom der Hydroxylgruppe der Säure zu Wasser vereint, während das Metall durch Vermittelung des Sauerstoffatoms der Hydroxylgruppe der Säure an das Säureradikal kopuliert wird. o z. B.: Bei den sog. Wasserstoffsäuren, Chlorwasserstoff HCI, Brom⸗, Jod⸗, Fluor⸗, Cyanwasserstoff, HCI, HBr, HI, HF, HCN, erfolgt die Vereinigung mit B. auf ähnliche Weise, nur mit dem Unterschied, daß das Metall der Base und das Radikal der Säure sich unter Abspaltung von Wasser direkt, ohne Vermittelung eines Sauerstoffatoms, verbinden; so z. B.: Aus den angeführten Beispielen erhellt, daß 1 Molekül einer Basis sich scheinbar mit einer wechselnden Zahl mit Säuremolekülen zu verbinden im Stande ist, bei genauerer Betrachtung ersieht man aber, daß hierin eine ganz regelmäßige Gesetzmäßigkeit stattfindet, nämlich daß der Säurewert oder die Säurigkeit der B. immer bedingt ist durch die Zahl der in ihr enthaltenen Hydroxylgruppen. So ist in unsern Beispielen das Kalihydrat K(0lI), das Natronhydrat Na(OH), das Ammoniumoxydhydrat NH(OLEH), das Wismutanhydrohydrat Bi0O (OH), das Antimonanhydrohydrat 8b0 (OH) einsäurig; das Baryt-Aumi Ba (OII)., das Kalkhydrat Ca(OH)e, das Aluminiumanhydrohydrat Al. O. (01I)e ist zweisäurig, sie vereinen sich mit 2 Molekülen einer einbasischen oder mit 1 Molekül einer zweibasischen Säure; das normale Wismutoxydhydrat Bi(OH)3 ist dreisäurig, es bindet 3 Molekule einer einbasischen Säure; das normale Aluminiumhydrat Al (OHa, das normale Eisenoxydhydrat Fe(OH), ist sechssäurig, sie binden 6 Moleküle einbasische, resp. 3 Moleküle zweibasische Säure. Im Bereiche der organischen Chemie existieren ebenfalls zahlreiche Verbindungen, die sich ähnlich wie die anorganischen Basen verhalten. Dieselben kommen zum Teil fertig gebildet im Pflanzenkörper vor oder werden künstlich erzeugt. Erstere bedingen in vielen Fällen die medizinische Wirkung der Pflanzenstoffe, sie sind in reinem Zustande oder in Form von Salzen meist giftig, in geringen Mengen brin901 sie vielfach im kranken Organismus heilkräftige irkungen hervor, so das Chinin, das Morphin, das Strychnin; ferner gehört hierher das Coniin der Schierlingspflanze, das Nicotin des Tabaks, das Thein im Thee und Kaffee u. a. m. Diese vom Pflanzenreich gelieferten B. faßt man gewöhnlich mit dem Namen Alkaloide zusammen. Die nähere Konstitution der meisten derselben ist noch nicht erforscht. Sie verbinden sich mit Säuren zu Salzen, manche sind einsäurig, wie z. B. das Morphin CuHISNO3, andere sind zweisäurig, so 9 B. das Chinin CzoHzNzO2. Ihre Salze betrachtet man meist als molekulare Verbindungen von Säure und Basis, so das neutrale chlorwasserstoffsaure Chinin als (3HaIN.O. HCI, das saure Salz Die Zahl der künstlich dargestellten organischen Basen ist außerordentlich groß, ihre Kenntnis verdankt man zumeist den Arbeiten von A. W. Hofmann und Würtz. Die meisten leiten sich auf einfachste Weise vom Ammoniak ab, und zwar dadurch, daß die Wasserstoffatome desselben durch Alkoholradikale ersetzt werden, und sie werden meist erhalten, indem man Ammoniak auf die Jodverbindung eines Alkoholradikals einwirken läßt,‚ so z. B.: Indem hier auf 1 Molekül Ammoniak 1 Molekül Jodmethyl wirkt, entsteht das jodwasserstoffsaure Salz eines Ammoniaks, in welchem 1 Atom Wasserstoff durch Methyl vertreten ist, oder ein Jodammonium, in welchem 1 Atom Wasserstoff durch Methyl ersetzt ist. Behandelt man dieses Salz mit Kalihydrat, so spaltet es sich ebenso, wie die Ammoniumsalze es thun, in ein substituiertes Ammoniak, das Methylamin, und liefert ferner Jodkalium und Wasser: XI, CH. HILKOH= Auf gleiche Weise, wie hier die Methylgruppe in das Ammoniak eingeführt ist, können alle andern Alkoholradikale für ein Wasserstoffatom substituiert werden, und die Körper, welche ein einwertiges Alkoholradikal an Stelle eines Wasserstoffatoms des Ammoniaks enthalten, bezeichnet man als primäre Basen, Amido-Basen oder Monamine. Zu diesen Verbindungen gehören auch verschiedene Körper, die aus zwei oder drei Ammoniakmolekülen hervorgehen dadurch, daß ein zweiwertiges oder dreiwertiges Radikal substituierend auf je 1 Wasserstoffatom von zwei oder drei Ammoniakmolekülen wirkt, so z. B. das Phenylendiamin Letztere sind primäre Diamido⸗, resp. Triamidobasen. Läßt man auf eine primäre Base wieder die Jodman ein 2. eines Alkoholradikals wirken, so — — man ein Ammoniumsalz, in welchem zwei Wasserstoffatome durch Alkoholradikale ersetzt sind, und dieses Salz liefert bei der Zersetzung ein Ammoniak, in welches an Stelle von zwei Wasserstoffatomen zwei Radikale eingeführt sind. So gibt das Methylamin NII CH, mit Jodäthyl C. HeJ das jodwasser111f. Salz des Methyl-Athyl-Amin oder HHH, C. Hs. Die diesem entsprechenden Bafen werden sekundäre oder Imidbasen genannt. Ferner läßt sich auch das dritte Wasserstoffatom des Ammoniaks substituieren, wodurch tertiäre oder Nitrilbasen entstehen; hierher gehört z. B. das Triäthylamin (CH,)N, das Phenyl-Läßt man endlich noch auf eine tertiäre Base wieder eine Jodverbindung eines Radikals wirken, so erhält man ein Ammoniumsalz, in welchem alle vier Wasserstoffatome durch Radikale ersetzt sind aus diesen Salzen läßt sich die Basis nicht mehr durch Alkali, wohl aber durch Behandlung mit Silberoxyd frei machen, man I dabei aber dann nicht mehr eine dem Ammoniak entsprechende Verbindung, sondern ein Ammoniumoxydhydrat, in welchem an Stelle der vier Wasserstoffatome der Ammoniumgruppe vier Radikale getreten sind; so z. B. das Wie alle diese Basen sich vom Ammoniak NI. ableiten, so kennt man auch analoge Verbindungen, die sich auf den Phosphorwasserstoff PH,, Arsenwasserstoff AsUI.„Antimonwasserstoff beziehen lassen, indem in diesen die Wasserstoffatome durch Radikale vertreten werden; man töbär dieselben als Phosphine, Arsine und Stibine. Dieser Hinweis genügt, um anzudeuten, daß die Zahl der hierher gehörenden Verbindungen außerordentlich

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 533Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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