FeedBasra oder Bässora
ErdkundeBrockhaus 1882

Basra oder Bässora, in ältern Schriften auch Balsora genannt, Hauptstadt des asiat.⸗ türk. Vilajets B., das 1875 von Bagdad abgetrennt wurde und außer dem alten Sandschak B. auch die Gebiete der Muntefik-Araber und des 1871 unterworfenen Küstenlandes von Nedschd umfaßt, liegt unmittelbar am rechten Ufer des Schatt-el-Arab (der Vereinigung des Euphrat und Tigris) und ist im Norden durch ein enges Stromhafenbassin begrenzt, dessen Längenachse senkrecht zum Flußlaufe fällt. B. ist der wichtigste See- und Handelsplatz jener Gegend und war zur Zeit seiner Blüte, wo er ein Centrum des Weltverkehrs zwischen Indien, der Levante und Europa bildete, eine große, reiche Stadt, die von Portugiesen, Holländern und Engländern häufig besucht wurde. B. soll in der Mitte des 18. Jahrh. 150000 E. gezählt haben, sank aber seitdem so, daß die Bevölkerung 1860 nur noch 4000 E. betrug. In neuester Zeit, namentlich unter der Verwaltung Midhat-Paschas (1868 — 72 Generalgouverneur von Bagdad und nachmaliger Großvezier) hat sich die Stadt wieder gehoben, sodaß die Zahl ihrer Einwohner jetzt auf 10000 geschätzt wird. Unter dem Patronat Midhats wurde die türk. Dampfschiffahrtsgesellschaft Oman gegründet und nahm in B. ihren Sitz. Der Schiffsverkehr von B. aus stromabwärts hat seit Eröffnung des Suezkanals Loch 1869) eine erhöhte Bedeutung gewonnen. och ist die zunehmende Versandung des Stroms ein Hindernis seiner raschen Ausdehnung. B. ist auch als die am weitesten gegen Ostarabien vor-Basspunt rößere türk. Ortschaft ein wichtiger asispunkt für eine Erweiterung der osman. unmittelbaren Herrschaft nach dieser Richtung hin. Seit Sommer 1874 ist daher auch die Befestigung der Strommündung (Fau-Boas) mittels dreier auf dem rechten Ufer staffelweise anzulegender Küstenbatterien beabsichtigt. Das beste Gebäude ist Marhil oder Kut-i-Frengi, das engl. Konsulat am Dauptauome, wo die Dampfschiffe anlegen. Die beispiellose Unreinlichkeit der Straßen, in Verbindung mit den Miasmen, die sich in der sumpfigen Umgebung und den stagnierenden Gewässern der Kanäle erzeugen, haben B. zu einem abschreckenden Fieberherde gemacht. Der Boden der Landschaft würde bei eringer Kultur die mannigfaltigsten Produkte in f hervorbringen. Man pflanzt indes fast auschließlich nur die Dattelpalme, die hier eine sehr reichliche und beliebte Frucht liefert, wovon große Mengen nach den Hafenplätzen des Persischen und Dans Meeres ausgeführt werden. Außer den atteln bilden in B. noch die e hund einen Aus-Pten arhen deren Inber 6 einige hundert nach Inien gehen. Die früher beträ ude Ausfuhr von Kupfer hat sich in Einfuhr verwandelt. Der 2 port aus Indien beschränkt sich auf Kaffee, Indigo, Reis, Gewürze und Bauholz zur Herstellung der den Euphrat und Tigris befahrenden Barken. Die türk. Regierung besitzt zu B. ein Arsenal mit einiger Artillerie. Den Verkehr mit Bagdad vermitteln zwei englische und sieben türk. Dampfer. Die Legung eines Telegraphenkabels nach Karantschi in Indien wurde im April 1864 englischerseits ausgeführt. Nach Bombay fahren außerdem arab. oper „ die zur Zeit der Dattelernte (im Oktober) nach V. kommen und den % mit ihrer Heimat und bis zur Somaliüste vermitteln. Die Gegend am untern Schatt-el-Arab hatte einst eine große Handelsbedeutung. Das gegenwärtige B. entstand erst im 17. Jahrh. nach dem Verfalle von Alt-Basra, dessen Ruinen 15 km im SW. an dem jetzt trocken liegenden großen Edewr Dschärri Zaade sich befinden. Diese Stadt wurde 635 angelegt, um den Persern die Verbindung mit dem Meere abzuschneiden, sowie um einen Hafenort und Schlüssel zum Euphrat und Tigris zu gewinnen. Die Entwickelung von Alt-B. gründete sich aber wieder erst auf den Verfall des an der frühern südwestl. Mündung des Euphrat gelegenen, seit Nebukadnezar bis auf die macedon. Zeit blühenden, durch Nearchs LSounbes mit Alexanders Zieso bekannten Handelsplatzes Teré'don oder Diridotis, der wegen seiner mit Dattelpflanzungen, Obstgärten und Wohnungen bedeckten Gegend noch bis ins 14. Jahrh. von den Arabern als ein Lustrevier bezeichnet und zu den vier Paradiesen der Moslems gerechnet ward. Alt-B., nach welchem man den Persischen Golf auch „Meer von B.y nannte, gelangte als Emporium ind. und arab. Waren für die Kalifenstadt Bagdad zu großem Wohlstande und gewann auch durch seine Dichter und Gelehrten in der moslem. Litteratur einen hohen Ruhm. Im 4. Jahrh. der Hedschra stiftete hier Ihn-Risaa eine der ersten mohammed. erer des Mittelalters, und die Stadt erhielt den Ehrennamen Kubbet el-Islam (Kuppel des Islam). Nach Bagdad spielt Alt-B. die bedeutendste Rolle in den Märchen der Tausendundeinen Nacht. In späterer Zeit kam Alt-B. in die Gewalt arah. Scheichs und sank herab. Mit der Eroberung Bagdads durch Murad IV. 1638 fiel die ganze Gegend in die Hände der Türken, und das jetzige B. wurde nun der Sitz eines wichtigen Paschaliks. Am Ende des 17. Jahrh. fiel letzteres in die Gewalt der Perser, wurde aber 1701 zurückerobert, dann 1771 abermals von den Persern, 1778 von den Türken, 1787 von den Arabern und dann wieder von den Türken eingenommen. Die Wahabiten, welche seit 1810 die Stadt wiederholt bedroht und blockiert hatten, erlitten hier 1815 eine entscheidende Niederlage durch die ägypt. Truppen unter Ibrahim-Pascha. Von 1832 — 40 war B. in den Händen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 541Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6