Brügge (frz. Bruges), Hauptstadt der belg. Provinz Westflandern, liegt 15 Km von der Meeresküste entfernt in einer fuehiteren Ebene, an der Linie Gent-Ostende der Belgischen Staatsbahn, die hier nach Thourout-Courtrai, Heyst und Cecloo abzweigt. Die drei Kanäle von Gent, Sluis und Ostende, die sich in der Stadt vereinigen, sind tief genug, um Beodite Seeschiffen den Eingang zu gestatten. Die evölkerung beläuft sich (1879) auf 448833 Seelen; die Stadt könnte aber bei ihrem Umfange von ungefähr 9 km, wie einst zur Zeit ihrer Blüte, 200 000 E. fassen. Die breiten Straßen, die große Zahl altertümlicher Häuser deuten noch auf die ehemalige Größe. Im Innern der Stadt zählt man 54 Brücken, worunter 12 Holz- und Wendebrücken Ban Durchlaß der Fahrzeuge. Die I Dontgroben auten sind: die viereckige Halle auf dem großen latze (aus dem 14. Jahrh.) mit einem 107 m hohen urme, dessen Glockenspiel zu großer Berühmtheit elangt ist; das neuerdings wetanrierte got. Rathans⸗ gegen Ende des 14. Jahrh. erbaut, dessen 33 Bildsäulen der flandr. Grafen und Gräfinnen, 1792 von den Franzosen verbrannt, in neuester Zeit wiederhergestellt worden sind; der Justizpalast, ursprünglich Residenz der Grafen von Flandern, heutzutage nur durch das weltberühmte, in Holz Giugezm Kamin im Audienzzimmer des Franczderuges merkwürdig, welches, 1529—31 ausgeführt, neben einer Menge von Verzierungen, Wappen und Porträts auch die Standbilder Karls V., Maximilians und der Maria von Burgund, Ferdinands von Aragonien und Isabellas von Castilien darstellt; die Liebfrauenkirche, frühgotisch, mit einem — turme von 135 m Höhe, einer Marienstatue, wohl Derwoib Michel Angelo zugeschrieben, mehrern wertvollen Gemälden von Zegers, de Crayer, van Oost, E. Quellyn, und den Grabmälern Karls des Kühnen und seiner Tochter, Maria von Burgund; die Kathedrale St. Salvator, ein frühgot. Backsteinbau aus dem 13. und 14. Jahrh., unscheinbar von außen, aber um so reicher im Innern ausgestattet, mit Bildern von J. van Oost, van Hoek, E. Quellyn, Memling u. a.; die Kapelle des heil. Blutes oder St. Basiliuskirche, ein zweistöckiger Bau, die untere Kirche 1150 erbaut, die obere aus dem 15. Jahrh., 1829 —39 prächtig restauriert; in dieser Kirche legte, der Tradition 28at Dietrich von Elsaß 1150 einige Tropfen des Blutes Christi nieder, ein Akt, dessen 700jähriges Jubiläum 1850 mit allem Aufwand kirchlichen Pompes gefeiert wurde; die eih von Jerusalem, mit einer Nachbildung des heiligen Grabes von Anselm Adornes erbaut; die St. Jakobskirche, 1457—1518 erbaut, mit vielen Gemälden; das geräumige bischöfl. Seminar, früher die Dünen-Abtei; das St. Johannspital, in dessen Kapitelsaal nebst mehrern wertvollen Gemälden (darunter sechs von Memling) der Reliquienkasten der Dren Ursula aufbewahrt wird, auf dessen Flächen Memling das Martyrium der 11000 kölner honbanstes gemalt hat, und den die Stadt als ihr kostbarstes Kunstwerk betrachtet. B. ist Sitz eines Bischofs seit 1559, eines Gerichts erster Instanz und des Provinzialgouvernements von Westflandern und besitzt ein königl. Gymnasium, eine Kunstakademie (1719 errichtet, 1755 neu erbaut, mit einer Gemäldegalerie), ein Museum, einen botan. Garten, eine öffentliche Bibliothek (562 Handschriften), ein Theater und zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten. Die Haupterzeugnisse der brügger Gewerbthätigkeit sind Linnen⸗, Woll-, Baumwoll⸗ und gemischte Zeuge, Spitzen. Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und Schiffbau bilden gleichfalls einen Haupterwerbszweig. Die Geschichte der unter allen Städten des Landes am meisten den mittelalterlichen Anstrich bewahrenden Stadt läßt sich bis ins 3. Jahrh. verfolgen, in welchem der heil. Chrysolus den Bewohnern derselben das Evangelium gepredigt haben soll. Ihre Ausdehnung war im 7. Jahrh. groß genug, um ihr den Rang einer Stadt zu verschaffen, und zwar der Hauptstadt des unter dem Namen Flandern sie umgebenden Bezirks. Schon vor der Eroberung Englands durch die Normannen hatte der Seehandel große Bedeutung erlangt, und der Verkehr mit dem normann. Reiche nahm einen solchen Aufschwung, daß die brügger Kaufleute eine londoner Hanse bildeten, die mit zahlreichen Gerechtsamen ausgestattet wurde und so erstarkte, daß 1242 der Graf von Flandern sich verpflichtete, nur Mitglieder der Hanse zu ½½⁷ zu ernennen. Der Reichtum der Stadt im Mittelalter war außerordentlich, wie die noch vorhandenen Bau⸗ und Kunstdenkmäler bezeugen. Im 14. Jahrh. war B. Mittelpunkt des Welthandels im nördl. Europa. Doch bewirkte bald die allmähliche Versandung der Häfen von Sluys und Damme, welcher die durch innere Unruhen und Meutereien allzu sehr beschäftigten Bürger nicht abzuhelfen bemüht waren, das Sinken ihrer Größe und den Aufschwung ihrer Nebenbuhlerin Antwerpen. Die Ereignisse, die mit der bekannten Gefangennehmung Kaiser Maximilians in der Cranenburg endigten (1488), übten auf den Handel eine höchst verderbliche Wirkung, und nur das Wollmonopol, das 1560, nach dem Verluste von Calais, für die Engländer eine hohe Bedeutung erreichte, bewahrte ihn vor dem gänzlichen Verfall. Ebenso nachteilig wirkten die massenhaften Auswanderungen während der Religionswirren unter Philipps II. blutiger Regierung. Die brügger Tapeten hatten am Ende des 16. Delmns den größten Ruf in Europa, und die Gobelins in Paris wurden von einem brügger Fabrikanten errichtet. B. wurde von den Holländern 1704 belagert und 1708 und 1745 von den Franzosen genommen. Bei der Vereinigung Dend mit Frankreich wurde B. die Hauptstadt des Depart. Lys. Zu B. wurden der Maler van Oost, der Buchdrucker Colard Mansion, der Kriminalist Damhouder und der Mathematiker Stevin geboren. Dem letztern sowie Hans Memling hat die Stadt ein Standbild gesetzt.