FeedBauchfell (Peritonaeum)
HeilkundeBrockhaus 1882

Bauchfell (Peritonaeum), eine dünne, glänende, feuchte, Inel Haut, welche das Innere er Bauchhöhle auskleidet und die meisten darin Leber, Organe teils vollständig (Magen, Darm, eber, Milz), teils unvollständig (Harnblase, Gebärmutter) Überzieht, sodaß sie leicht beweglich und doch gesondert nebeneinanderliegen. Von sämtlichen Unterleibsorganen befinden sich nur die Nieren ganz außerhalb des B. Denkt man diese Organe hinweggenommen, so bildet das Bauchfell einen großen, völlig n Sack mit nach innen vorspringenden Fa ten, welche, indem sie sich aneinanderlegen, das Netz (s. d.) und das nach hi bilden, durch welches letztere die Gedärme nach hinten besud. (gleichsam an einem Tuche aufgehangen) nd. Für gewöhnlich sondert das B. eine geringe Menge wässeriger falupfr ab, welche eben hinreicht, es feucht und schlüpfrig zu erhalten und dadurch den von ihm überzogenen Organen einen gewissen Grad von Beweglichkeit zu gewähren. Nimmt die Abfonderung dieser Flüssigkeit krankhafterweise zu, so entstehen bisweilen Ansammlungen einer großen Flüssigkeitsmenge in der Bauchhöhle, welcher Zustand als Bauch⸗ oder Bauchhöhlenwassersucht bezeichnet wird und meist die Folge anderweiter Krankheiten, insbesondere von Störungen des Blutlaufs in Herz und Leber ist. Bei den Entkeien Ter des B., welche entweder nur auf einen einen Teil desselben bes chränkt sind oder sich schnell über seine ganze Ausdehnung ausbreiten, ist die Oberfläche desselben stark Lage g glanzlos und mit einer dünnen, gelblichen Lage geronnenen Faserstoffs bedeckt, durch we — die einzelnen Darmschlinen miteinander verklebt sind; in der Bauchhöhle It findet sich eine mehr oder weniger reichliche, oft sehr bedeutende Menge einer trüben, flockigen, bisweilen rein eiterigen Bufsigleit. Nur selten, und fast nie bei vorher ei58-Menschen, tritt die Bauchfell-oder Unterleibsentzündung ν von Erkältun oder unbekannten atmosphärischen Einflüssen au (rheumatische Bauchfellentzündung); häufiger ent-Dum sie nach schweren Kontusionen und Verwunungen des Unterleibs, ferner durch Fortpflanzung Unterleibsorgane auf das B., wie dies bei eingeklemmten Brüchen, bei Kotstauungen Darmverschiechtsorpah Entzündungen der weiblichen Geschlechtsorgane, der Leber, Milz u. s. w. nicht selten vorkommt, sowie durch Eindringen fremdartiger Substanzen (Darminhalt, Blut, Eiter, Luft u. s. w.) in die Bauchhöhle bei Zerreißung und Perforation der vom B. Überzogenen Organe, wie z. B. bei perforierenden Magen⸗ und Darmgeschwüren, beim Durchbruch von Leber⸗ und Milzabscessen und ähnlichen Vorgängen. Die im Wochenbett auftretende Bauchfellentzündung nimmt ihren Ausgang von der verletzten Gebärmutterschleimhaut und beruht auf dem Eindringen zahlloser Bacterien und anderer mikroskopischer Pilze in die entzündeten Gewebe des Genitalapparats. (S. Kindbettfieber.) Die ehört in den meisten Fällen zu den gefä rlichsten Entzündungen; sie beginnt meist mit mehr oder weniger hoher Temperatursteigerung und mit heftigen, schon durch leisen Druck auf das Außerste gesteigerten Schmerzen, die sich nicht selten über den ganzen Unterleib ausdehnen; bald gesellt 4 hierzu infolge der Lähmung der Darmmuskulatur hartnäckige Stuhlverstopfung und hochgradige Auftreibung des Unterleibs sowie durch Hinaufdrängen des pder Aümr eine oft geunden sah au Behinderung der Atmung. Häufig nden sich auch Übelkeit, Erbrechen und Drang zum Urinlassen. Unter Steigerung dieser Beschwerden tritt, bisweilen schon nach drei bis vier Tagen, der Tod ein; erfolgt Heilung, so bleiben nicht selten 2 das ganze Leben, infolge der stattgefundenen erwachsungen und Knickungen der Gedärme, die mannigfachsten Störungen im Unterleibe, habituelle Verstopfung und kolikartige Zustände zurück. Die Behandlung besteht hau H lich in r Darn Lagerung, in möglichster Beschränkung der Darmbewegungen durch häufig wiederholte Gaben von Opium oder Morphium, sowie durch Beschränkung der Nahrungszufuhr, in örtlichen Blutentziehungen und Anwendung der Kälte vermittelst Eisbeutel und kalter Kompressen; bei anämischen Kranken, welche die Kälte nicht vertragen, sieht man oft gute Er10 e von warmen wraße ene welche durch Erchlaffung der Hautgefäße eine günstige Ableitung von den Därmen hervorrufen. Gegen das Erbrechen und den Durst ist das Darreichen von Eispillen sehr Wesaugen gegen den quälenden Meteorismus das Aussaugen der Darmgase durch ein ant it die tes Mastdarmrohr. In der Rekonvalescenz ist die Diät auf das strengste zu überwachen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 567Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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