FeedBaumgarten (Michael)
ReligionBrockhaus 1882

Baumgarten (Michael), protestantischer Theolog, geb. 25. März 1812 zu Haseldorf in Holstein, widmete sich seit 1832 zu Kiel theol. und orient. Studien, habilitierte sich dort 1839, ward 1846 Pastor an der Michaeliskirche zu Schleswig, als welcher er 1848 für die Erhebung der Herzogtümer eintrat, und ging 1850 als ord. Professor der Theologie nach Rostock. B. steht durchaus auf dem Boden des positiven Luthertums, wie auch seine wissenschaftlichen Schriften beweisen: «Die Echtheit der Pastoralbriefe v (Berl. 1837), KTheol. Commentar zum Alten Testamenty (Tl. 1, Kiel 1843—44); (Apostelgeschichte oder Entwickelungsgang der Kirche von Jerusalem bis Romo (2Tle., Braunschw. 1852; 2. Aufl. 1859) und «Nachtgesichte des Sacharja (Braunschw. 1854). Dennoch geriet B. bald wegen abweichender Lehrmeinungen mit dem mecklenburgischen Oberkirchenrat in Streit und ward 6. Jan. 1858, weil er in seinen Schriften und Aren 1u ein den wichtigsten Punkten von den Lehren und Grundsätzen der Symbolischen Bücher der evang.⸗luth. Landeskircher abweiche, kurzer-Dege seiner Professur enthoben. Seine Schrift Eine irchliche Krisis in Mecklenburgo (Braunschw. 1858), welche das Verfahren der kirchlichen Behörde einer scharfen Kritik unterzieht, verwickelte ihn in einen Preßprozeß, der 1859 mit der Absolvierung von der Instanz endete. Auch eine von 600 rostocker Bürgern im Okt. 1859 eingereichte Zuschrift an den Konsistorialrat Krabbe hatte für B. wie für die Unterzeichner eine Untersuchung zur Folge, welche erst in letzter Instanz mit Freisprechung der Angeklagten endete. Dennoch lich B. mehrere Broschüren ausgehen: «Der kirchliche Notstand in Mecklenburg » (Lpz. 1861), 4Soll die mecklenburgische Landeskirche zu Grunde gehen 2» (Lpz. 1861), „An die Freunde aus dem Gefängnisv (Berl. 1862), welche ihm Geld⸗ und Gefängnisstrafen eintrugen. Dies energische Eintreten für kirchliche Lehrfreiheit war auch der Grund, weshalb B. trotz seines ausgesprochenen Festhaltens am streng luth. Bekenntnis 1865 an der Gründung des Deutschen Protestantenvereins (s. d. teilnahm. B. wurde 1874, 1877 und 1878 im fünften mecklenb. Wahlkreise pähnt, moer beran) zum Reichstagsabgeordneten gewählt, wo er sich zunächst der bas Milftaraces seit den Verhandlungen über das Militärgesetz b. Von 187⁴) der Gruppe Löwe-Kalbe anschloß. Von seinen Schriften sind noch — erwähnen: «Zwölf kirchenpolit. Vorträge zur Beleuchtung der kirchlichen Gegenwarte (Bremen 1869), «Der Deutsche Protestantenvereindo (Berl. 1871), «Kirchliche Zeitfragen in Vorträgeno (Rostock 1874). ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 585Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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