FeedBahrdt (Karl Friedr.)
ReligionBrockhaus 1882

Bahrdt (Karl Friedr.), berüchtigter Theolog der Aufklärungsperiode, wurde geboren zu Bischofswerda in Sachsen 25. Aug. 1741 als Sohn des 1775 als Professor der Theologie zu Leipzig gestorbenen Joh. Friedr. B. Zu Leipzig und Schulpforta vorgebildet, studierte B. seit 1756 zu Leipzig Theologie, wurde 1762 als Katechet an der Peterskirche und 1766 als außerord. zelt . der biblischen Philologie zu Leipzig angestellt. B. lehrte und predigte mit Beifall, ward aber wegen liederlichen Lebens aus Leipzig entfernt und 1768 Professor der biblischen Altertümer zu Erfurt. Hier wandte er sich zuerst dem Rationalismus zu und schrieb seine Briefe über die systematische Theologie» (2 Bde., Eisenach 1770—72) und die «„Wünsche eines stummen Patrioten (Erfurt 1770). Im J. 1771 als Professor der Theologie und Prediger nach Gießen berufen, veröffentlichte B. die Meuesten Offenbarungen Gottes in Briefen und Erzählungen v (1773), ward aber wegen anstößigen Lebenswandels 1775⁵ entlassen. B. wirkte nun 14 Monate lang als Direktor eines Philanthropins zu Marschlinz in Graubünden und wurde dann Generalsuperintendent und erster Prediger zu Dürkheim an der ardt. Hier traf ihn 1778 das Urteil des Reichsihen welches ihn zur Verwaltung eines geistichen Amtes für assen. erklärte und ihm verbot, etwas drucken zu lassen; 1779 floh B. nach Halle, wo er Vorlesungen hielt über Hriesehber und alte Sprachen. Hier erschienen B.s Briefe über die Bibel im Volkstonr, System der moralischen +π und andere Schriften. Ein anonymes Pasquill auf Wöllners (s. d.) Religionsedikt brachte ihm 1789 ein Jahr Festungshaft zu Magdeburg, wo er die Geschichte seines Lebens, seiner Meinungen und Schicksale (4 Bde., Braunschw. 1790) schrieb. Hernach lebte B. als Schenkwirt in einem Weinberg bei Halle, bis er 23. April 1792 starb. B. hat Bedeutung nur als das äußerste Extrem des vulgären Rationalismus. Reich beanlagt, hatte er ein ausebreitetes Wissen sich angeeignet, aber ohne jeden sittů en Halt, versank er in tiefste Gemeinheit, 4 ür die Wissenschaft Bleibendes zu leisten. Vgl. „Frank in Raumers „Histor. Taschenbuch» (Lpz., Nebse. 1866); Leyser, Karl Friedrich B.y (2. Aust. eustadt a. d. H. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 373Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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