FeedBayrhoffer (Karl Theod.)
ReligionBrockhaus 1882

Bayrhoffer (Karl Theod.), Philosoph, Publizist und Politiker, geb. zu Marburg 1812, besuchte das dortige Gymnasium und seit 1829 die Universitäten Marburg und Heidelberg, wo er erst die Rechte, dann Aburgals studierte. Nachdem er sich 1834 zu Marburg als Privatdocent habilitiert, ward er 1838 außerord., 1845 ord. Professor der Philosophie daselbst. In seinen frühern spekulativen Arbeiten, wie „Grundprobleme der 181 (Mar (Marb. 1835), der des Christentums v (Marb. 1836), „Begriff der organischen Heilung des Menschen» (Marb. 1837), namentlich aber in der „Idee und Geschichte der Philosophier (Marb. 1838), zeigt sich B. als entschiedener Hegelianer, Rp er in den „Beiträgen zur Naturphilosophies (Lpz. 1839—40), in denen er die Theorie mit der Empirie zu versöhnen suchte, von seiner frühern Anschauung abwich. Publizistisch war B. namentlich seit der Entstehung der deutschkath., lichtfreundlichen und Freien Gemeinden thätig. In einer Reihe Schriften, wie über den Deutschkatholizismusv (Marb. 1845), „Das wahre Wesen der gegenwärtigen religiösen Reformation in Deutschlando (Mannh. 1846), (Der praktische Verstand und die marburger Lichtfreunder tamper 1847) u. s. w., zeigte er 00 als Vorämpfer dieser Richtungen. Die Grundzüge seiner Anschauungen entwickelte er in den a Untersuchungen über Wesen, Geschichte und Kritik der Religiono (in den Jahrbüchern für Wissenschaft und Lebeno, Darmst. 1849). Wegen einer am Geburtstage des Kurfürsten zu Gunsten des Deutschkatholizismus gehaltenen akademischen Rede wurde B. 1846 von seiner Professur suspendiert. Seit Nov. 1848 Mitglied des kurhess. Landtags, schloß er sich der radikalen Partei an. Während der Session vom 26. Aug. bis 2. Sept. 1850 war er Präsident der Kammer, auch wurde er in den ständis chen Ausschuß gewählt. Später ging er nach Amerika, wo er bis 1866 in Green-County in Wisconsin als Farmer und dann wesentlich von schriftstellerischen Ar⸗ —90 risch Erbfolgekri die kriegerisch Verwickelung, welche sich 1778 zwischen Preußen und Sachsen einerseits und Osterreich andererseits anläßlich der Frage der Erbfolge in Bayern entspann und bis 1779 dauerte. Als mit dem Tode des Kurfürsten Maximilian Jose h von Bayern, 30. Dez. 1777, die von Kaiser Ludwig stammende Linie des Wittelsbachischen Herrschergeschlechts ausstarb, gingen die Rechte an Bayern auf die zunächst verwandte ältere 5 dur Linie über, welcher der verstorbene Kurfürst durch einen 19. Juni 1774 Lebzettenden eheimen Vertrag schen bei seinen Lebzeiten den Mitbesitz Bayerns u ertragen Cach Karl Theodor von der Pfalz, der sein von ib sen, Mecklenburg und Osterreich angefochtenes Erbrecht durch Verständigung mit den letztern sicherzustellen hoffte, hatte indes den Kaifer Joseph II. von jenem Erbvertrage in Kenntnis gesetzt und willigte, als der Erbfall eintrat, 14. Jan. 1778 in die Unterzeichnung einer am 3. abgeschlossenen Konvention, der zufolge ganz Niederbayern und einige andere Gebietsteile an Osterreich 3rbreckt wurden, wogegen dieses im übrigen das Erbrecht Karl Theodors anerkannte. Einer solchen Gebietsvergrößerung, welche das südl. Deut chland gan an das Kaiserhaus zu fesseln drohte, trat Friedrich d. Gr. entgegen, um so mehr, als Preußens Erbansprüche auf Ansbach und Bayreuth dadurch gefährdet erschienen. Da sein Gesandter, Graf Görz, beim Kurfürsten nichts auszurichten vermochte, so bestimmte der König den nächsten erbberechtigten Agnaten der kurfürstl. Familie, Herzog Karl von Zweibrücken, Hgehln jenen Abtretungsvertrag Protest einzulegen. Andererseits ließ Friedri zugleich in Wien darauf dringen, u Peung u. eine Ansprüche dem Reichstage zur rüfung vorlege und vor der Entscheidung die schon besetzten Teile Bayerns räume. Die Gründe, welche Ssterreich für seine Ansprüche geltend machte, beruhten auf einem vom se Sigismund 1426 dem Herzog Albrecht von Oterreich erteilten Lehnbriefe über Niederbayern, dessen Kaiser vielbestritten und sehr bestreitbar war. Kaiser Joseph wäre nun .5 gewesen, mit Waffengewalt in dem esitz der beanspruchten Landschaften zu behaupten, allein Maria Theresia wünschte den Krieg zu vermeiden und jedenfalls die öffentliche Meinung im Reich für Osterreich zu gewinnen. Sie erklärte daher, ten jede Gebietsvergrößerung durch bayr. Landesteile verzichten zu wollen, wenn Preußen sich dagegen verpflichte, die mer Rorf aft Nürnberg nicht unmittelbar mit seiner Krone zu vereinigen: ein Zugeständnis, das in der zutreffenden Voraussicht gemacht war, von Friedrich abgelehnt zu werden. Der Krieg schien nun unvermeidlich. Ssterr. Truppen zogen sich unter Lascy und Laudon an den Grenzen Schlesiens und Sachsens zusammen: der Kaiser selbst ging zur Armee; das preußische Heer rückte wieder unter Friedrich II. und dessen Bruder Prinz Heinrich ins Feld. An Friedrich schloß sich Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen an, der als Sohn der einzigen Tochter Max dinterha Forderungen auf die gesamte Allodialinterlassenschaft desselben geltend zu machen suchte. Obgleich das preuß. Heer die böhm. Grenze überschritt, war es doch die Absicht beider Teile, den Krieg womöglich nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. Die Feindseligkeiten Wgische Ben sich im Verlaufe des J. 1778 auf strategi * Bewegungen und unbedeutende Plänkeleien, und der Eintritt des Winters unterbrach vollends diese abewaffnete Unterhandlunge, indem die preuß. Truppen Böhmen verließen und sich nach Sachsen und Schlesien in die Winterquartiere zurückzogen. Würdelos war die Stellung des Kurfürsten Karl Theodor, der fast teilnahmlos zuschaute. Nur als Osterreich außer [den im Abtretungsvertrage ihm überlassenen Gebieten noch 21 Amter in Besitz nahm, protestierte er und verlangte, die Bestimmungen jenes Vertrags streng aufrecht erhalten würden. Die Beweggründe seiner Politik waren nicht blos die Furcht vor der Übermacht Osterreichs, das längst na dem gesamten Bayern trachtete, und Gleichgültigkeit gegen seine künftigen agnatischen Erben bei dem Fehlen eigener rechtmäßiger Nachkommen, sondern nchen u die Vorliebe für seine Bnandin natürichen Kinder, denen er durch die erständigung mit Osterreich mannichfache Vorteile zuzuwenden hoffte. Die Unterhandlungen vor dem Reichstage und in Wien blieben lange erfolglos. Erst als die Kaiserin Katharina von Rußland im Dez. 1778 ihre Teilnahme am Kriege en aeiner 3 in Aussicht stellte, zeigte sich Maria heresia einer Vermittelung eneigt, für die sie Rußland und Frankreich in Vorchlag brachte. Da Friedrich II. sich damit einversenes. erklärte und seinerseits nur die Anerkennun eines Erbanspruchs auf Ansbach und Bayreut 9 . 5 kam 13. Mai 1779 in Teschen ein Frieensschluß zu Stande, dessen Hau tbestimmungen außer der Anerkennung jener preußis⸗ en Forderung folgende waren: Karl Theodor erhielt ganz Bayern mit Ausnahme des Innviertels, welches an Österreich fiel; alle streitig gewesenen Lehne vom Reiche und der Krone Böhmen, die der verstorbene Kur⸗ * von Bayern besessen, wurden dem neuen Kurürsten bestätigt. Die Ansprüche Sachsens wurden urch Anerkennung seiner Landeshoheit über die 9n Karl Tueo Herrschaften und 4 Mill. Fl., die von Karl Theodor zu zahlen waren, abgekauft. Mecklenburg erhielt satt der beanspruchten Landgrafschaft Leuchtenberg das unbeschränkte Privilegium de non appellando. Ausdrücklich ward fest-R daß die nächste erbberechtigte Linie die des erzogs Karl von Zweibrücken sei, wodurch die ergrößerungspläne Osterreichs in Bayern auf alle Fälle beseitigt wurden. Vgl. eimann, «Geschichte des Bayrischen ** ekriegso (Lpz. 1869); Ranke, «Die deutschen ächte und der Fürstenbund ⸗ 2 Bde., Lpz. 1871—72); Arneth, „“Geschichte aria Theresias» (4 Bde., Wien 1876—79).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 643Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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