FeedBaumöl
PflanzenreichBrockhaus 1882

Baumöl oder Olivenöl heißt das aus den Oliven, den uchhen des Olbaums (s. d.), gewonnene fette Sl, welches schon seit den ältesten Zeiten einen wichtigen Gegenstand der Werselted⸗ und des Handels bildete. Je nach der Verschiedenheit des Bodens, auf dem der Olbaum kultiviert wird, der Spielart, der größern oder geringern Reife der rüchte, der Behandlung derselben beim Auspressen, ommt es im Handel von 77 verschiedener Güte vor. Das feinste und beste Ol fließt teils von selbst aus den völlig reifen Oliven aus, teils wird es aus orgfältig eingesammelten, reifen und gut sortierten rüchten durch gelindes Pressen gewonnen. Es ührt den Namen Jungferöl (huile vierge superfine et fine) und dient als bestes Iπ— Geringere, aber immer noch gute, genießbare Sorten werden durch schärferes Pressen oder aus minder gewählten Früchten bereitet. Das gewöhnlich so genannte B., welches in der Regel nicht mehr zu Speisen verwendet wird, erhält man durch Behandlung des Preßrückstandes mit heißem Wasser und heißes Pressen. Durch fortgesetztes Pressen und Zerquetschen, namentlich unreifer und s „rndliche, vou wird eine noch geringere, dickliche, grünliche, von Geschmack und Geruch widrige Sorte von B. erzeugt, das bei der Seifenbereitung und andern technischen Zwecken in Anwendung kommt. In neuerer Zeit hat man das B. aus den Oliven außer durch Pressen auch durch Extraktion mittels Schwefelkohlenstoffs, und zwar mit großem Erfolg, darzustellen versucht. ů Das beste Ol liefern das südl. Frankreich (Aix, Grasse und Marseille, woher der für alle feinern Sorten des B. gebräuchliche Name Provenceröl) und die benachbarten Küsten Italiens (Nizza, Genua, Pisa, Lucca). Sonst produzieren Ol für den Handel Spanien Mallorca, Valencia, Granada, Sevilla), Portugal (Coimbra), Neapel, Griechenland, Candia, Nordafrika und die Levante. Das griech., levantin. und calabres. Ol gehört zu den geringern Sorten. Das feinste Provenceröl ist von weißlicher oder Gend Farbe, durchscheinend, sehr mild schmeckend, geruchlos und verbrennt ohne Rauch ten entbehren dieser Eigenschaften. Manche Sorten erst einige Grade über oder sogar erst unter Null. Durch Raffinieren mit Kohlenpulver kann das ordinäre B. gereinigt und ranzig gewordenes wieder verbessert werden. Durch Aufbewahrung in unreinen, bleihaltigen, kupfernen und 5 DLet Gefäßen an warmen Orten wird das B. leicht veriftet. Feinere und teurere Sorten unterliegen Ra der Verfälschung durch H Mohn⸗ und uchöl, welche nicht leicht zu entdecken ist. In der Materia medica dient das Olivenöl sowohl innerlich (3. B. bei Vergiftungen) als äußerlich, namentlich zur Bereitung von Salben und Pflastern. Als Brennöl wird es vorzüglich im südl. Europa gebraucht; sehr beträchtli i e Verwendung zu Seife, besonders in der marseiller Seifenfabrikation, und in der Türkischrotfärberei. Für den letztgenannten Zweck gibt man dem sauern, trüben B. (Tournantöl) den Vorzug. Das Salböl der Alten und das Chrisma * d.) der Katholiken bestand und beaumschlag nennt man in der Natur die Lage der Verzweigungen der Bäume mit ihrem Blätterwerk nach ihrer charakteristischen Verschiedenheit; in den zeichnenden Künsten die Art der Darstellung derselben, besonders die Darstellung der Belaubungsart.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 588Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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