Beireis (Gottfr. Christoph), ein gelehrter Sonderling, geb. 2. März 1730 zu Mühlhausen, studierte seit 1750 in Jena die Rechte, zugleich aber auch Mathematik, Physik, Chemie und Medizin. Nach beendigten Studien ging er auf Reisen, welche sich indessen nicht auf Indien wie er vorgab, sondern wahrscheinlich auf Frankreich, Italien, die Schweiz, Holland und Deutschland. Im J. 1756 kehrte er zurück, studierte in Helmstedt unter Heister Chirurgie und wurde daselbst 1759 ord. Professer der Physik, 1762 der Medi in, 1768 der Chirurgie. luch ernannte ihn 1802 der Herzog Karl Wilhelm starb 12. Sept. 1809. Er hatte 17 verschiedene Sammlungen von Gegenständen der Kunst, Wissenschaft, Natur, Mechanik u. s. w. Seine Gemäldesammlung enthielt kostbare Stücke; von Wichtigkeit waren seine physiol.⸗anatom. Präparate, unter diesen namentlich die Lieberkühnschen; sein Münzkabinett enthielt viele alte Goldmünzen und war von einem Gokmacher Wert, weshalb er in dem Rufe eines Goldmachers stand. Seine Erfindungen in der Chemie wußte B. lohnend auszubeuten, so 3. B. die bessere Bereitung des Karmins, die er als Geheimnis den Engländern mitteilte, und die Kunst, aus bisher unbekannten Mitteln sig zu bereiten. Seine physiol. Abhandlungen sind unbedeutend. BVal. Heister, RNachrichten über Gottfried Christoph B.v (Berl. 1860). Beirüt oder Bairüt, die Hauptstadt eines Sandschals im asiat.⸗türk. Vilajet Syrien und in neuerer Zeit die wichtigste Seestadt dieser Provinz, liegt auf einem Küstenvorsprunge zwischen Saida 9n 88 und Tarabulus (Tripolis) und wird schon von Abulfeda als der Hafen von Damaskus be⸗ — mit dem es durch eine Kunststraße in Verindung steht. Außerdem ist die Stadt der alte Sammelplatz der nach Mekka gehenden Karawanen welche allerdings seit Eröffnung des Suezkanals ½ mehr so zahlreich hier eintreffen wie vorher, und der gewöhnliche Landungspunkt aller nach 25 rien und Palästina direlt aWhenden Reisenden. B. ist der Sitz eines Paschas, eines griech. Erzbischofs und eines maronit. Bischofs Huen mehrerer Generalkonsulate. Die Stadt steht am Abhange eines Hügels, gewährt die Aussicht auf den Libanon und ilt als der gesündeste Ort der syr. Küste. Die Altstadt hat meist enge, schlecht 3 asterte Straßen, ist aber von einer Menge von Vorstädten mit schönen äusern und Gärten umgeben. Keine türk. Ortschaft t in neuerer % einen ähnlichen Aufschwung genommen wie B., das jetzt 80 000 E. zühlt, zum roßen Teil reiche Christen, die bedeutenden Hanel, namentlich mit Marseille, treiben. Es befinden sich in B. eine Quarantäne, ein Upotheten mehrere Postanstalten, europ. 103 otheken und Fabriken. Seit 1875 ist durch eine Wa erleitung dem frühern Wassermangel B.s abgeholfen. Es bestehen hier ein apeü e Waisenhaus mit Pensionat und prot. Kapelle, eine amerik. Missionsstation mit Kirche, Druckerei, mediz. Schule, Realschule und astron. Observatorium, ein prot. Knabeninstitut, ein Franz Waisenhaus mit Schule und Pensionat, ein Franziskanerkloster und viele meist von England aus unterstützte Schulen. Die Hauptmoschee von B. ist eine ehemalige christl. Kirche aus der Hier bereng Die Imperial-Ottoman-Bank besitzt hier bereits seit 1865 eine bedeutende, dem 1 Handel sehr zu statten kommende Filiale. B. ist durch eine bequeme Kunststraße mit Damaskus verbunden. Neben starker Seiden⸗ und Baumwollweberei wird Gold⸗ und Silberdrahtfabrikation betrieben. Außerdem verfertigt man hier die in ganz Syrien und Agypten berühmten, mit Nägeln verzierten bunten Koffer für Leinenzeug, die namentlich zu Brautgeschenken dienen. Die Umgegend gewinnt viele und ausgezeichnete Seide, Baumwolle und vortrefflichen Tabak. Für diese Produkte finden auch die Drusen in B. ihren Hauptabsatzmarkt. Der Hafen des Platzes ist längst versandet und die Schiffe bleiben auf der Reede oder in den verschiedenen Buchten der gegen Osten sich ausdehnenden St. Georgsbai, die von dem heil. Georg ihren Nanen führt, der hier den Drachen erlegt haben soll. In die Bai mündet von Süden her der Nahr Beirut br oras der Alten) und 10 km im Nordosten r Stadt der Nahr-el-Kelb (bei den Alten Lykos), an dessen Felswänden sich berühmte Skulpturen mit pers. Keilinschriften und .— Hieroglyphen, sowie auch arab. Inschriften befinden. Die uralte phöniz. Hafenstadt Berhtos wurde vom Syrer Diodotos Tryphon 140 v. Chr. zerstört, unter Kaiser Augustus durch Agrippa wiederhergestellt und zu einer röm. Kolonie mit ital. Rechte und dem Namen Julia den Be Felix erhoben. Unter Caracalla erhielt sie den Beinamen Antoniniana. Später bat, 5 sich B. durch seine Hohe Schule für Rhetorik, Poetik und Theodot fur Rechtskunde aus. Der oström. Kaiser Theodosius II. erhob B. zu einer Metropolis. Nachdem die Stadt chon 349 durch Erdbeben verwüstet worden, wurde e 20. Mai 529 durch ein ½%½ völlig zerstört. Zur eit der Kreuzzüge erhob sie sich wieder zu einem wichtigen Orte. Damals bildete der Nahr-el-Kelb die G zwischen dem Königreich Jerusalem und der Grafschaft Tripolis. An dem nur 2 mbreiten Küstenpaß, der alten, in den Fels gehauenen Via Antoniniana, bekämpfte König Balduin I. die Sarazenen, und nach zweimonatlicher Belagerung eroberte derselbe die Stadt 27. April 1110. Im J. 1187 wurde sie von Saladin, 1197 von den Kreuzsahrern eingenommen, 1291 von den Franken getäumt. In späterer Zeit war sie lange im Besitze der Drusen; der Drusenfürst .7. in (1595— 1634) suchte europ. Kultur in B. zu verbreiten. Durch Verrat kam die Stadt 1763 in die Hände der Türken. Eine russ. Flotille beschoß, eroberte und plunderte sie 1772. In der orient. Angelegenheit von 1840 spielte B. eine wichtige Rolle. Die Feindseligkeiten vereinigten engl.⸗österr.⸗türk. Flotte gen die ägypt. Macht Mehemed-Alis in Syrien gannen unter dem engl. Admiral Stopford mit dem Bombardement der Stadt vom 10. bis 14. Sept. Größtenteils zerstört, wurde sie erst 9. Okt. von Soliman-Pascha daent. und von den Truppen der Verbündeten besetzt.