Hoffmann (Friedr.), neben Boerhave der berühmteste Arzt seiner Zeit, geb. 19. Febr. 1660 zu Halle, erhielt daselbst seine akademische Vorbildung und wurde frühzeitig durch seinen Vater in die Studien seines künftigen Berufs eingeführt. Im J. 1678 bezog er die Universität zu Jena und begab sich 1679 nach Erfurt zu dem berühmten Professor der Chemie Kaspar Cramer, kehrte jedoch 1680 wieder nach Jena zurück, wo er 1681 promovierte und sich habilitierte. Seine erschütterte Gesundheit wiederherzustellen, machte er später eine Reise durch Holland und England und ließ sich 1685 als praktischer Arzt zu Minden in Westfalen nieder, wo er dann Garnisonsarzt‚, 1686 Physikus des Fürstentums Minden und kurfürstl. Hofmedikus wurde. Im J. 1688 folgte er dem Rufe als Physikus nach Halberstadt. Bei Begründung der Universität zu Halle berief ihn Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg 1693 als ersten Professor der Medizin dahin und beauftragte ihn mit der Bildung und der Einrichtung der mediz. Fakultät. Schon 1703 bot ihm der nunmehrige König Friedrich I. die Stelle eines Leibarztes an, die er aber ausschlug. Als jedoch 1708 der König bedeutend erkrankte, konnte H. nicht umhin, die früher ausgeschlagene Stelle anzunehmen, und ging mit Soflebendumr seiner Professur nach Berlin. Des Hoflebens und der Anfeindungen des ältern königl. Leibarztes Gundelheimer müde, kehrte er 1712 nach Halle zurück, wo er nun auch bis zu seinem Tode blieb, der 12. Nov. 1742 erfolgte. Das größte Verdienst erwarb sich H. um die praktische Heilkunde, insofern er eine Menge wichtiger Arzneimittel prüfte und ihre Anwendung aufklärte, besonders aber durch einfache Mittel und Diät große Erfolge zu erringen wußte. eine Untersuchungen vieler Mineralwässer brachten diese Heilmittel mehr in Aufnahme, und einige von ihm angegebene Arzneipräparate, namentlich das Elixirium viscerale und der Liquor anodynus mineralis (Hoffmanns Tropfen, s. d.), sind noch jetzt allgemein in Gebrauch. Weniger Wert hat sein System, nach welchem er dem Körper eigentümliche Kräfte und eigentümliches Leben zus chrieb, die durch eine höchst feine ätherische Substanz, die empfindende Seele (anima sensitiva), in Bewegung gesetzt würden. Diese Substanz werde teils im Körper abgesondert, teils aus der Atmosphäre eingesogen, sei jedoch wieder in ihren Bewegungen einer obersten, unbewußten Seele unterworfen. Die und en wirken nach ihm durch Druck und Ausdehnung auf die festen Teile. Die Verderbnis der Säfte sei eine erst im Verlaufe der Krankheit sich entwickelnde Erscheinung; die Krank90 selbst beständen in zu schwacher oder zu starer Bewegung und seien danach einzuteilen. So wollte H. das Wesen des Lebens nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet erklären und gehörte deshalb zur Schule der Jatromathematiker (s. d.). Sein System, obgleich auf eine unhaltbare Hypothese gestellt und in vielen Einzelheiten höchst inkonsequent, gewann doch im Gegensatze zu dem seines Nebenbuhlers Stahl (s. d.) viele Anhänger, weil er es auf eine faßliche Weise darzustellen verstand. Seine wichtigsten Werke sind: «Systema medicinae rationalis methodo demonstrativa v (9 Bde., Halle 171840), Medicina consultatoria o (12 Bde., Halle 1721 —39). His kleinere Schriften sind nach ihrem Inhalte in Sammlungen vereinigt. Seine lat. Werke wurden unter seiner Mitwirkung (6 Bde., Genf 1740; 2. Aufl. 1748; Supplemente, 3 Bde., 1761) zusammengestellt. Vgl. J. H. Schulze, «Vita Hoffmanniv Halle 1749).